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Mit toten Schwänzen möchte man sich ja eigentlich nicht auseinandersetzen, doch die bizarre Prämisse der Autoren und Filmemacher Chris Bavota und Lee Paula Springer macht definitiv neugierig auf das, was mit geringem Budget in überschaubarer Umgebung geschaffen wurde.

Der depressive und selbstmordgefährdete Richie (Heston Horwin) bittet seine Schwester Becca (Jillian Harris), ihn umgehend in seinem Apartment aufzusuchen. Dort angekommen, findet Becca Richies erhängte Leiche im Kleiderschrank, doch kurz darauf steht jener nackt, doch höchst lebendig vor ihr. Zwei weitere Leichen befinden sich in der Wohnung, welche Richie ebenfalls bis aufs Haar gleichen. Im Schlafzimmer stoßen sie auf ein Vaginaportal, welches Richie kurz nach dem vollzogenen Suizid ausspuckt. Doch warum kann oder darf Richie nicht sterben?...

Es dürfte nicht viele Filme geben, bei denen grundlegend nur zwei Hauptfiguren mitmischen und dennoch mehr als zwei Leichen selbiger vorzufinden sind. Ein Clou, der speziell im ersten Drittel für makabere Schmunzler sorgt, spätestens, als sich Richie über den Gesichtsausdruck seines toten Abbildes lustig macht. Für weitere Aufheiterungen sorgt der offenbar einzige Nachbar Matt (Matt Keyes), der sich nicht ganz zu Unrecht über die zuweilen deutlich zu laute Musik aufregt und folgerichtig irgendwann selbst involviert ist.

Leider sind die Protagonisten keine sonderlichen Sympathieträger. Richie ist als Depressiver dem Selbstmitleid verfallen und handelt in einer Tour egoistisch, indem er den guten Willen seiner jüngeren Schwester ohne Rücksicht ausnutzt. Diese handelt wiederum zu aufopferungsvoll, indem sie die Drecksarbeit mit den Leichenklonen übernimmt, während Richie sich als Maler betätigt. Die problematische Geschwisterbeziehung nimmt im Verlauf einen wesentlichen Bestandteil der Erzählung ein, was reinen Horrorfans nicht gerade entgegen kommt.

Zumal jenes Portal kaum hinterfragt wird. Außer, ob der Spalt in der Wand eben einer Vagina oder einem Anus ähnelt. Dabei wird auf inszenatorischer Ebene offenbart, wie simpel mit einer ausgeklügelten Kamera durchaus mehrere menschliche Plagiate im Spiel sein können, während die wenigen Momente in Sachen Body Horror entfernt an Cronenberg erinnern und ebenfalls tauglich in Szene gesetzt sind. Doch im Verlauf nimmt der Horroranteil deutlich ab und die zwischenmenschlichen Probleme geraten vermehrt in den Fokus.

Hierzu passt das völlig unbefriedigende Ende, welches keine Pointe, keine Lösung, keine Antworten liefert und stattdessen mittendrin zum Abspann übergeht. Das offenbart gleichermaßen, wie unausgegoren das Drehbuch letztlich ausgefallen ist, denn die groteske Begebenheit steht zwar für sich, doch es gibt diesbezüglich keine Entwicklung, auch nicht auf Figurenebene. Schade auch um die passablen Darstellerleistungen von Horwin und Harris, die speziell in der Anfangsphase ein gutes Gespür fürs Timing beweisen.

Die Mischung aus Horrorkomödie und Geschwisterdrama macht anfangs Lust auf eine skurrile Reise mit surrealen Anleihen, doch jener geht bereits im Mittelteil die Puste aus, es mangelt an weiteren originellen Einfällen und kreativen Entwicklungen.
Spannende Momente finden sich allenfalls ansatzweise und somit kann der Stoff die Erwartungen hinsichtlich der interessanten Ausgangssituation nicht erfüllen.
4 von 10

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