Review

Die Parallelen zu Selma Lagerlöfs Kinderbuch mit Nils Holgersson als Titelheld sind natürlich unübersehbar, selbst ein wenig Umweltkritik schwang anno 1906 bereits mit.
Die von wahren Begebenheiten inspirierte Geschichte wird zwar simpel und kindgerecht gehalten, doch die beeindruckenden Bilder entschädigen umso mehr.

Eigentlich hatte sich der 14jährige Thomas (Louis Vazquez) seinen Urlaub ein wenig anders vorgestellt, als diesen bei seinem verschrobenen Vater (Jean-Paul Rouve) in der südfranzösischen Provinz zu verbringen. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, eine vorm aussterben bedrohte Wildgans-Spezies von hier bis Lappland und zurück zu geleiten. Nach anfänglichem Zögern freundet sich Thomas mit den Jungtieren an und die Reise nach Norwegen kann starten…

Der Stoff basiert auf den Erfahrungen zweier Naturschützer, die in den Neunzigern einen Weg suchten, den Tieren eine halbwegs sichere Wanderroute zu liefern. Hierbei spielte natürlich kein Jugendlicher mit, doch für die Geschichte ist er, auch im Zusammenspiel mit seinem Umfeld, die ideale Identifikationsfigur. Die Querelen mit dem Vater dauern glücklicherweise nicht lange an und so erhält der junge Heranwachsende immer mehr Verantwortung, bis er gar das Steuern eines Ultraleichtflugzeuges erlernt, was selbstredend nicht die optimale Freizeitbeschäftigung für einen 14jährigen darstellt.

Als die zuständigen Behörden in Norwegen einigen Ärger anzetteln, steigt das eigentliche Abenteuer so richtig ein und der Titelgebende rückt vollends in den Mittelpunkt, während das Flair eines Roadmovies in der Luft für einige Abwechslung sorgt, Gewitterturbulenzen inklusive. Speziell im letzten Drittel schliddert man einige Male dicht am Kitsch vorbei und der an sich zielsichere Score gibt sich ein wenig zu melodramatisch, doch anderweitig liegt in dem kompletten Unterfangen eine ungeheuer positive Energie, welche vor allem auf den großartigen Naturaufnahmen beruht.

Etwaige CGI fallen nicht wirklich ins Gewicht, wenn der Flieger über dünn besiedelte Gebiete in Norwegen kreist oder an einsamen Seen zum Stehen kommt, bevor irgendwann der Rückweg nach Frankreich angetreten wird. Neben dem Flugzeug sind stets die gefiederten Freunde formiert, die bei sich nähernden Gefahren durchaus einen nützlichen Instinkt zutage fördern. Dass sich Thomas verstärkt um die andersartige Gans Akka (auch eine Anspielung auf Nils Holgersson) kümmert, verstärkt die Sympathien deutlich.

Treffend besetzte und grundsolide performende Mimen, eine durch und durch souverän arbeitende Kamera und eine Handvoll spannender Einlagen sorgen für ein gelungenes Naturabenteuer, für das kaum eine Leinwand groß genug sein dürfte. Der Stoff ist definitiv familientauglich und schwingt trotz seiner umweltbezogenen Themen nie die Moralkeule, was den Anblick auf die Naturaufnahmen umso herzerwärmender erscheinen lässt.
Knapp
8 von 10

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