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„Das kann ich auch“, dachte sich der wegweisende italienische Regisseur Mario Bava vermutlich angesichts seinerzeit gerade aktueller, stimmungsvoller Gothic-Grusler aus dem britischen „Hammer“-Hause und lieferte mit „Die Stunde, wenn Dracula kommt“ ein hervorragendes Regiedebüt ab, das in die gleiche Kerbe schlägt. Klar, die Geschichte um Hexenreinkarnation, die vermutlich nur in der deutschen Fassung krampfhafte „Dracula“-Bezüge enthält und auf Teufel komm raus in Kontext zu Hammers erfolgreicher Vampirfilmreihe gebracht werden sollte, ist wenig innovativ und sogar recht wendungs- und damit überraschungsarm. Für Überraschungen dürften hier vielmehr die für 1960 ungewöhnlich harten Effekte und kruden Ideen gesorgt haben, die gepaart mit gelungenen Make-Up-Künsten an Hauptdarstellerin Barbara Steele in einer Doppelrolle in zweierlei Hinsicht ziemlich viel „fürs Auge“ (wer den Film kennt, wird wissen, was ich meine) bieten. Noch in Schwarz/weiß gedreht, was dem Film ausgezeichnet zu Gesicht steht, beweist Bava sein Geschick für eine hochatmosphärische Inszenierung, indem er gekonnt die ganze Palette gothischer Horrorzutaten kredenzt, die jeden Genrefreund in Verzückung versetzen sollte. Es handelt sich mitnichten um ein uninspiriertes Plagiat britischer Werke, sondern um eine interessante Variation klassischen Gothic-Horrors, die die Handschrift eines der innovativsten italienischen Regisseure trägt und der Startschuss für eine ganze Reihe südeuropäischer Gruselfilme von beachtlicher Qualität war.

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