Review

Die Stunde wenn Dracula kommt
............................................................

Was wäre die Welt ohne Mario Bava? Diese Frage ist durchaus gerechtfertigt denn zumindest in der Welt des Kinos dürfte wenige geben deren Werke für sich gesehen schon der reine Wahnsinn waren und deren Einfluss darüberh inaus mittlerweile 30 Jahre später aus irgendeinem Film wegzudenken wären. Kameraeinstellung als POV von Insekten? War er. Filme die durch geniale Farb-Licht-Schattenspiele eher an lebendige Ölgemälde erinnern? War er. Die Erfindung des Giallo und Slasher Films? Sein Werk. Ohne Bava's "Planet der Vampire" würde Ridley Scott heute wahrscheinlich Hamburger verkaufen, ohne "Blutige Seite" hätte es nie einen Slasher-Film gegeben und ohne "Lisa and the Devil" würde selbst David Lynch wohl nicht so ganz wissen was er zu tun hätte.

Das Bava weder zu Lebzeiten den Ruhm ernten konnte der ihm gebührte spricht für die Ignoranz der Massen genauso wie für die Ungerechtigkeit im Filmgeschäft. Als Bava's beste Werke erschienen befand sich Deutschland im Heimatfilmfieber, später wurden seine Filme verboten, geschnitten, durch miserable Synchros und schwachsinnige Titel entstellt. Wer auf Bava's Fußspuren folgte wie z.B. Dario Argneto oder Lucio Fulci (mit mehr oder weniger gelungenen filmischen Resultaten) dem erging es kaum besser.

"Die Stunde wenn Dracula kommt" ist Bava's mehr oder weniger erster eigenständiger Film, nachdem er zuvor meistens den Regiestuhl teilen musste wie z.B. bei "Der Vampir von Notre Dame". Mit diesem Film hatte er das "Gothic-Horror" Genre gewissermaßen erfunden (gemeinsam mit den schon etwas länger aktiven Hammer Studios) und gleich einen seiner besten Vertreter kreiert.

Vor zwei Jahrhunderten wurde die Prinzessin Asa gemeinsam mit ihrem Liebhaber wegen Hexerei und Vampirismus hingerichtet, nicht ohne zuvor ihre komplette Familie (ihr Bruder hat ihr die Suppe eingebrockt) auf's satanischste zu verfluchen. Die sind davon nicht beeindruckt und so endet Asa mit einer auf der unangenehmsten Seite mit Eisenspitzen bestückten Teufelsmaske auf dem Scheiterhaufen. 200 Jahre später erwecken zwei ungläubige Reisende durch einen nicht sehr glaubwürdigen Zufall die Hexe wieder zum Leben die sich nach erfolgreicher Auferstehung ihres Geliebten an ihre Reinkarnation und Rache macht.

Barbara Steele glänzt hier in einer Doppelrolle als böse Hexe und unschuldige Tochter des jetzigen Prinzen die in den Bann ihrer satanischen Ahnin gerät. Die Atmosphäre ist Bava dabei unvergleichlich gut gelungen, der Film ist fasst wie ein düsteres Märchen und die Kulissen einfach nur bildschön. Man merkt oft dass Bava auch einige Einfälle aus diesem Film später in "Black Sabbath" wieder verwendet hat, z.B. die Szene als der alte König bekanntschaft mit dem Liebhaber von Asa macht oder als ebenjener mit seiner schwarzen Kutsche in's Dorf reitet - haargenau die gleiche Einstellung und Musik wie in "Black Sabbath" nur dass dort Boris Karloff himself auf der Leinwand ist. Die Schauspieler sind teilweise zwar alles andere als talentiert (man kommt nicht umhin den Typ der Andre spielt die Eisenmaske auf's Gesicht drücken zu wollen) und auch die englische Syncro nervt teilweise ziemlich ("Look! The mask of Satan!") - aber allen etwaigen Schwächen prallen von der Grundsubstanz dieses filmischen Geniestreiches ab.

"Die Stunde wenn Dracula kommt" ist einer von Bava's besten Filmen und schon alleine deshalb 10 Punkte wert. Pflicht für jeden der über den Rand des Mainstreams hinausschauen kann und Therapie für den Rest.

Details
Ähnliche Filme