Handwerklich ist der Streifen gut gemacht.
Bava versteht es in der Tat seine Filme teurer aussehen zu lassen wie sie waren und auch etliche interessante und inovative Kameraeinstellungen zu verwenden. Auch das Spiel mit Licht und Schatten beherrscht er und wendet es hier gut an.
ABER damit sind wir meines Erachtens schon fast am Ende des Positiven für diesen Streifen. Bava ist leider kein Geschichtenerzähler, aber davon leben Filme meines Erachtens.
Stelle ich Fulcis Duckling gegen diesen Streifen verliert Bava als Regisseur. Beide verwenden innovative Kameraeinstellungen-aber gegen die Detailverliebtheit und größere Tiefsinnigkeit Fulcis zieht Bava für mich den kürzeren.
Aber nicht nur der Vergleich mit seinem Landsmann und ebenfalls Horror-Ikone drängt sich auf sondern auch der mit Hammer.
Die meisten Hammer-Filme machen es aus meiner Sicht besser wie die Stunde wenn Dracula kommt. Zwar haben diese oft den Fuß noch mehr auf der Gewaltbremse, wirken aber märchenhafter, zeitloser und erzählen eben ihre Geschichte gut.
Die Stunde wenn Dracula kommt kann aus wenig Reiz schlagen:
In der Masse blasse Darsteller (vor allem im Vergleich mit Lee oder Cushing) und eine einfallslose, flache und wenig innovative Story.
Die Schockszenen locken heute auch keinen Hund mehr hinter dem Ofen hervor (wie schockierend die damals waren ist schwer zu sagen).
Aber mal abgesehen vom Gore wird auch bei den Horrorszenen Potential verschenkt. Die Szene mit dem besten Potential war aus meiner Sicht die mit dem Mädchen, das zum melken in den Stall direkt am Friedhof geht. Was hätte man daraus machen können?
Der Schuppen am nahen Friedhof, die ganze Szenarie und das Element der Einsamkeit hätte man ausnutzen können um mit der Angst zu spielen.
Gut fand ich die zombiehafte Auferstehung direkt aus dem Grab. Aber solche guten Szenen werden dann auch wieder getrübt von Szenen wie die Angriffszene der Fledermaus oder gegen Ende der Schubser ins Feuer (mit ganz schlechtem Überblendungseffekt).
Das Vampirthema empfinde ich auch als ausgelutscht (war es in vielen Fällen-aber andere haben geschickter neues hinzugefügt oder variiert). Wo die Hammer Draculas auch viel durch die Nebendarsteller und nette Ideen (z.B. bei den Kämpfen und Tötungen oder ausgefallenen Ideen[Ausbrennen der Bisse, Fledermausschwarm gegen die Vampire, Schatten einer Mühle als Kreuz usw.) punkten konnten bleibt die Stunde wenn Dracula kommt dahinter zurück.
Sicher; genügend Bava Fans werden mich für meine harte Meinung verdammen. Aber positive Rezensionen gibt es ja dafür hier genug,
Man kann Bava sicher das ein oder andere positiv anrechnen, aber für mich ist das hier weder ein Meistwerwek noch ein größer Wurf. Ich sehe auch nicht wo er hier Maßstäbe gesetzt hätte für Werke anderer Künstler.
Und dabei habe ich bei meiner Bewertung selbst noch ein Stück die Nostalgiebrille auf.
Viele werden den Film schon wegen seiner trögen Story um Vampirallerlei und dem schwarz-weiß verdammen (ich persönlich bin schwarz-weiß Fan, aber das entspricht nun mal nicht der Mainstreammeinung).
Letztlich ist er wegen einzelner Gewaltspitzen auch lange nicht so familienkonform wie vieles von Hammer, das man heute getrost als gothische Märchenfilme sehen kann, aber auch bei weitem nicht anrüchig genug um wirklich noch als Horrorfilm zu punkten. Es bleibt ein Bastard -nicht Fisch, nicht Fleisch, den man anscheinend verehrt oder wie in meinem Fall halt nicht.