Valencia, die drittgrößte Stadt Spaniens, liegt im Osten des Landes an der Küste ist wurde dereinst auf sumpfigem Gebiet errichtet. Dieser Sumpf und das daraus hervorsprießende Schilf dienen dem erfolgreichen Schriftsteller Q (Pedro Alonso) als Metapher für die dort ansässige korrupte Gesellschaft, zu der er selbst viele Jahre gehörte. Mittlerweile aber hat er begonnen, einzelne Mitglieder dieser feinen Gesellschaft aus dem Verkehr zu ziehen, um aus ihren Biographien Stoff für seine Romane zu gewinnen - derzeit hat er es auf einen korrupten ex-Politiker (José Ángel Egido als Ferrán Carreteo) abgesehen, der an einer Wirtschaftsuni doziert und immer noch als Bindeglied zwischen Unterwelt und Politik fungiert. Q entführt diesen und sperrt ihn in einem abgelegenen kleinen Haus am Meer ein, wo er sich eine zeitlang dessen Geschichten anhört, bevor er ihn erschießt.
Das Problem dabei ist weniger eine ohnehin nur halbherzig ermittelnde Polizei, als vielmehr eine weibliche Patin, die die Dienste des Entführten immer noch benötigt und ihren besten Mann, den kompromisslosen Killer Falconetti (Nacho Fresneda) auf die Spur des Verschwundenen ansetzt...
Basierend auf einem Roman entwirft Regisseur Marc Vigil mit seinem Thriller El silencio del pantano ein wenig schmeichelhaftes Bild einer spanischen Metropole, wo die Vernetzung von Gewaltkriminalität und Politik so umfassend erscheint, daß man zu niemandem Vertrauen fassen kann: alle haben Dreck am Stecken, und der den Filmbeginn als Voice-over einführende Autor natürlich genauso. Warum und wie der aus Haus des Geldes bekannte Pedro Alonso allerdings zu dem wurde, was er ist, bleibt im Dunklen, stattdessen bestreiten eine alternde Clan-Chefin (Carmina Barrios) und ihre rechte Hand den Hauptteil des Films.
Und jener Falconetti ist dann auch der bemerkenswerteste Charakter des ganzen Films, denn der Schläger mit dem vernarbten Gesicht sorgt mit seiner kompromisslosen Art für die Highlights: stets mit einem Brecheisen bewaffnet, erledigt er seine Aufträge ohne mit der Wimper zu zucken, muß dabei aber auch selbst einstecken. Gleich zu Beginn seines Auftritts macht er zwei afrikanische Drogendealer, die in seinem Revier dealen, kurzerhand platt. Später erfährt man, daß er auf einem Auge blind ist - ein Souvenir seines prügelnden Vaters, den er irgendwann vom Balkon geschmissen hat. Gegen die Figur des Falconetti bleibt der nach außen hin galant bzw. unbeteiligt lächelnd auftretende Schriftsteller nicht nur aufgrund seiner erstaunlich geringen Screentime blaß, auch wenn er dem Auftragskiller in Sachen Gewalt nicht viel nachsteht - beispielsweise, wenn er einem schwatzhaften Taxifahrer mal eben den Schädel zertrümmert. Daß sich diese beiden Charaktäre ganz am Ende gegenüberstehen, kann man vorhersehen - die allerletzte Szene des Films, die überhaupt nicht zum Vorhergegangenen passt, dagegen nicht. Sie läßt - wohl ganz bewußt so abgedreht - Raum für Spekulationen, ob nicht ein Teil der Handlung nur der Phantasie des Autors entsprungen sein mag.
Und hier setzt auch die Kritik an dem insgesamt temporeich und ohne größere Längen durcherzählten Thriller an: mangels weiterer Hintergrundinfos wirkt Das Schweigen des Sumpfes nur wie eine einzelne Episode aus einer ganzen Staffel, die sich mit der Unterwelt Valencias beschäftigt - zwar wird die Story zuende erzählt und eine Fortsetzung somit ausgeschlossen, dennoch fehlen hier grundlegende Bausteine, wie der Werdegang des Schriftstellers, die Machenschaften des Wirtschaftswissenschaften lehrenden ex-Politikers oder die Rolle der amtierenden Bürgermeisterin. Macht trotz Punktabzug auch für die seltsame Schlußszene summa summarum immer noch solide 6,49 Punkte für den gewalttätigen ostspanischen Sumpf.