Mittlerweile verschlug es den gebürtigen Nürnberger Marcel Walz nach Los Angeles. Vielleicht, weil er nach einigen Versuchen im deutschen Independent-Horror auf keinen grünen Zweig kam. Vorliegendes Werk, im weitesten Sinn Großraum Home Invasion, untermauert in einigen Belangen warum das so ist.
Franzi und Nick befinden sich auf ihrer gesponserten Hochzeitsreise auf Mallorca und haben soeben eine großräumige Finca bezogen. Nach einigen Erkundungen im Ort entdecken sie eine Schmiererei auf dem Spiegel, eine Nacht drauf geht das Grauen in den Räumen um…
Die erste Hälfte der gerade einmal 77 Minuten wird so ziemlich in den Sand gesetzt. Zwar kommt das junge Glück einigermaßen sympathisch rüber, doch rund ein Drittel der Dialoge geht im Zuge des schwachen Handkameramikrofons schlichtweg unter. Nachvertonung: Fehlanzeige. Ausgiebig wird festgehalten, was junge Paare im Urlaub so unaufregendes erleben: Die Finca erkunden, den hauseigenen Pool testen und ein paar Ausflugsziele abgrasen. So hätte es die Stippvisite eines Lost Place gar nicht gebraucht, zumal hier nichts Unheimliches anzutreffen ist. Erst mit der Begegnung eines Harlekins am Stadtrand wird ein kleines, böses Vorzeichen gesetzt, denn man ahnt bereits, dass die Erscheinung später noch eine Rolle spielen dürfte.
Als der Killer schließlich aktiv wird, vermag zumindest dessen Erscheinungsbild zu überzeugen, was nicht nur die Maske, sondern auch das rote Blinken der Kamera in seinem Augenbereich unterstreicht. Die Glöckchen deuten zwar eine unmittelbare Nähe an, doch hier sind die Opfer so verpeilt, dass sie es glatt überhören würden. Ohnehin gibt es irrationale Verhaltensweisen am laufenden Band, denn anstatt den Weg ins Freie anzutreten oder sich zumindest notdürftig zu bewaffnen, werden die offensichtlichsten Verstecke im Gebäude anvisiert. Gut, dass der Killer auch nicht allzu helle scheint.
Entsprechend kommt nur ansatzweise Spannung auf und auch die Gewalteinlagen halten sich auffallend zurück. Den etwas ausgedehnten Epilog hätte es, trotz kleiner Seitenhiebe auf Internetforen und Sensationsgier ebenfalls nicht gebraucht, denn eine pfiffige Pointe sieht ein wenig anders aus.
Zwar wird das Stilmittel der mitgeführten Handkamera in der zweiten Hälfte weitgehend beiseite gelegt, doch trotz des einigermaßen tauglichen Timings zeigen sich kameratechnische Unsicherheiten. Der Score ist indes ordentlich abgestimmt und auch die Mimen liefern okaye Leistungen. Ein minimales Plus bildet letztlich die Kulisse auf der Ferieninsel, die aufgrund des Sujets allerdings nur partiell zur Geltung kommt.
Am Ende stellt sich unweigerlich die Frage, was an der Horrorkomödie lustig gewesen sein soll, wenn nicht einmal ansatzweise die todernste Stimmung aufgelockert wird und das Spiel mit einigen Genreklischees ohne Pointe bleibt. Als Slasher zu unblutig, minimalistisch und tempoarm, im Endeffekt geradezu unspektakulär.
3,5 von 10