Review
von Leimbacher-Mario
Denn sie wusste nicht, was sie tut
Das „Suspiria“-Remake hat es beispielsweise geschafft, an sein Original nahezu heranzureichen, ohne es zu kopieren, ja indem es in vielerlei Hinsicht sogar komplett gegensätzliche Wege und Stile und Themen eingeschlagen hat. Und ein Remake, dass etwas wagt und vielleicht sogar provoziert, ist mir immer noch lieber als eine seelenlose Kopie. Und das versucht der neue „Black Christmas“ auch - scheitert dabei allerdings spektakulär dämlich über fast jede Treppenstufe, die er versucht zu nehmen... Erzählt wird aus der nicht wirklich besinnlichen Vorweihnachtszeit auf einem Campus, an dem - so weit, so realistisch - meist die Männer das Sagen und die Vorherrschaft zu haben scheinen. Vergewaltigungen und Erniedrigungen des „schwachen Geschlechts“ inklusive. Doch als auf einmal maskierte Kapuzenmänner mit Langbögen (!) durch die Verbindungsgebäude spuken und Studentinnen umlegen, scheint es den Ladies langsam zu bunt zu werden...
„Black Christmas“ (2019) ist ein Flop. Durch und durch, nicht nur im Vergleich zum meisterlichen Original von 1974. Ja sogar im Gegensatz zum ersten (soliden) Remake aus dem letzten Jahrzehnt. Imogen Poots kann man noch als Lichtblick sehen, der Score hat auch seine Momente und zeitweise sieht das Ganze recht hübsch aus, etwa im Intro mit blutroten Schriftzügen. Zudem sitzen ein paar Hommagen an das Original und andere Horror-Filetstücke („Exorzist III“ !). Aber ansonsten ist das frustrierend schlecht. Das gut gewollte, aktuelle, polarisierende und reizende Thema ist nice, dem Slashergenre einen femininen Spiegel vorhalten und Twist geben zu wollen, ist alle Ehre wert. Aber soo verdammt mies ausgeführt, dass einem selbst das oft unfreiwillig hervorgerufene Lachen im Hals stecken bleibt. Die Gorespitzen scheinen entschärft, Spannung geht dem beliebigen Schneetreiben völlig ab und vor allem schafft es der Film, seinen Ansatz und seine Message komplett, und ich meine wirklich KOMPLETT, zu unterlaufen und sogar ins Gegenteil umzukehren. Die austauschbaren, seelenlosen „Damen“ sind es nicht wert, ihnen die Daumen zu drücken oder die Oberhand oder nur Emanzipation zu wünschen, die Twists sind lächerlich und der „Feminismus“ kommt derart dämlich, ätzend, dumm auf die Nase, dass es körperlich fast weh tut. Anstelle einer Ode an die Kraft von Frauen und eine Ermutigung an die aktuelle Girls-Generation, ist Regisseurin Sophia Takal eher ein Schlag in deren Gesicht gelungen. Absolut schrecklich. Obendrauf kommen dann noch Anfängerfehler wie eine wackelige Kamera, ein gehetzter dritter Akt und daneben gesetzte Rückblenden, Backstories, leere Charakterzeichnungen. All das ergibt eine tadellose Katastrophe. Wer echte Powerfrauen im Horrorbereich sehen will, guckt „You're Next“ oder den neuen „Halloween“ oder gar „Girls With Balls“ auf Netflix. Und da geht es immerhin um zickige Volleyballerinnen gegen französische Rednecks. Alles besser als diese schwarze Weihnacht, die es mir immer mehr eiskalt den Nacken runterlaufen lässt, umso mehr ich über sie nachdenke. Ganz klar einer für die Worst of 2019-Liste!
Fazit: einer der dünnsten, dümmsten und schwächsten Slasher der Dekade. Gute Absichten - voll gegen die Wand gefahren. Dagegen wirkt selbst die '06er Version wie ein Meisterwerk. Verblendet, ungeschickt, talentfrei. Brustimplantate für den Slasher. Ziemlich peinlich und schlimm. Selbst als Guilty Pleasure unbrauchbar. Geht gar nicht. Wer den mag, sollte sich nie mehr Slasherfan schimpfen.