Review

Auf dem Hawthorne College geht gar seltsames vor sich, denn in jüngster Zeit verschwinden immer wieder Studentinnen spurlos, nachdem sie mysteriöse Text-Nachrichten auf ihren Handys erhalten haben, die da unter dem Namen des College-Gründers Calvin Hawthorne abgeschickt wurden. Die junge Riley Stone, die immer noch darunter leidet, von dem Kopf der "Delta Kappa Omicron"-Bruderschaft vergewaltigt worden zu sein, schwebt ebenso wie die anderen Girls der "Mu Kappa Epsilon"-Sorority bald schon in akuter Lebensgefahr. Schließlich kommt man dahinter, dass der Chauvi-Professor Gelson - der bei seinen Studentinnen aufgrund seiner sexistischen Unterrichts-Methoden verhasst ist und gegen den man sogar eine Petition ins Leben gerufen hat, um ihn beruflich abzusägen - mittels einer schwarzen Flüssigkeit, die aus einer Büste des in okkulten Dingen bewanderten Hawthorne tropft, bei seinen männlichen Schülern eine magische Gehirnwäsche vollzieht und diese zu gewalttätigen Frauenhassern umpolt... Wer bislang dachte, dass Glen Morgans splatteriges 2006er-Remake von Bob Clarks Genre-Klassiker "Black Christmas" (oder wie er hierzulande heißt: "Jessy - Die Treppe in den Tod") inhaltlich mal etwas dürftig und Handlungs-mäßig nach guter, alter Slasherfilm-Manier ganz schön doof gewesen wäre (okay... war es ja auch!), der darf sich auf eine böse Überraschung gefasst machen: Der eh schon prinzipiell durch und durch überflüssige dritte "Black Chrismas" von 2019 kommt nämlich direkt mal als hart-wokes, feministisches Möchtegern-Manifest daher, das sich nicht mal mehr wirklich besonders viel Mühe gibt, das Genre noch halbwegs passabel zu bedienen, sondern sich das Deckmäntelchen eines Horrorfilms nur noch überstreift, um gegen patriarchalische Machtstrukturen und die Unterdrückung der modernen Frau zu wettern. Ideologisch passt er damit bereits vom dem Film vorangestelten Zitat über den veranstalteten, permanenten Dialog-Sermon genau auf die Linie jener Message, die da seit einigen Jahren von Hollywood propagiert wird... mit finanziell wie auch künstlerisch mal eher *ähem* "überschaubarem" Erfolg, denn für jeden "Barbie", der anderthalb Milliarden am Box-Office einfährt, gibt es gefühlt zwei Dutzend Streifen wie diesen, die in jeder Beziehung scheitern und schnell in der breiten Masse untergehen, ohne dabei filmgeschichtlich irgendwelche Spuren zu hinterlassen. Aber es kommt noch schlimmer: Selbst was das reine Handwerk anbelangt, kann Sophia Takals Streifen nicht groß auftrumpfen, denn in flachen Bildern spult sich da eine auf jeder Ebene gänzlich spannungslose Geschichte vor dem Zuschauer ab, die inszenatorisch noch unter TV-Niveau rumdümpelt (Ausnahme: der eine Moment, den man aus "Der Exorzist III" abkopiert hat) und nicht mal niedere Bedürfnisse als popeliger Campus-Slasher befriedigt. Da lobt man sich im direkten Vergleich doch das Glen Morgan-Remake... komplett debil und over-directed, aber schmissig! Die wenigen Anklänge an das Original, die die Verwendung des Titels "Black Christmas" überhaupt rechtfertigen, sind da natürlich auch nur oberflächlich und beschränken sich hauptsächlich auf das Setting... man hätte den Film auch sonstwie nennen können, es hätte wirklich keinen Unterschied gemacht. Statt beim guten, alten Psychopathen-Kino verortet man das Ganze aufgrund der Art, auf die die Geschichte da zum Schluss hin inhaltlich entgleist, nämlich eher bei solchen Teenie-Schoten wie "Dich kriegen wir auch noch!" oder "Das Böse ist überall"... und selbst die haben ihren nicht besonders deepen Subtext noch besser verpackt und nicht nur mit dem erhobenen Zeigefinger gewedelt. Die Absicht, Kritik an jener Rape-Culture zu üben, wie sie an US-Colleges dank depperter Fraternities ja wohl tatsächlich existiert, mag da im Ansatz noch lobenswert sein, letzten Endes schiesst man dabei aber doch ungebremst übers Ziel hinaus: Das präsentierte, misandrische Szenario, bei dem mal wieder alle weißen Kerle fiese Möpps sind und Schwanzträger generell höchstens geduldet werden, wenn sie einer Minderheit angehören oder Weicheier sind, von denen keierlei Gefahr ausgeht (ich will die bösen B- und C-Wörter nicht benutzen!), ist an Peinlichkeit mal echt fast nicht zu überbieten... zumal man letzten Endes nicht mal eine klare Aussage auf die Reihe kriegt, denn sind alle Männer jetzt bitteschön von Natur aus Schweine, weil sie halt rummännern, oder doch nur, weil sie durch schwarzmagischen Schlabber von "außen" beeinflusst werden? In den Augen der Macherinnen ist das wohl eh wurscht, denn am Ende werden ja eh alle abgefackelt, soviel zu 'ner differenzierten Weltsicht. Ach ja, vollkommen harmlos in den Mord-Szenen - und das nicht nur im Vergleich zu der Gore-Keule, die die 2006er-Remake geschwungen hat - ist die Scheisse dank PG-13-Rating (merklich runtergeschnitten von einer ursprünglich längeren Fassung mit intendiertem R-Rating) natürlich auch noch. So schwenkt dieser "Black Christmas" zwar die Fahne seiner Agenda hoch erhoben vor sich her, scheitert aber doch so kolossal auf allen relevanten Ebenen, dass Takal & Co ihrer Sache einen Bärendienst erwiesen haben. Fazit: Als unfreiwillige Parodie eigentlich zum Totlachen, wenn's nicht so traurig wäre...

1/10

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