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Inhalt:

Der manchurische Kaiser (Wang Wei) der Qing-Dynastie verfolgt einen geradezu teuflischen Plan: Er verpflichtet einen seiner Beamten (Ching Miu), seinen Sohn Wai Fung (David Chiang), der ein hervorragender KungFu-Fighter ist, als Spion für ihn arbeiten zu lassen.
Wai Fung soll in der Stadt Jiang Bei herausfinden, inwieweit das Haus Tien mit der gegen die Manchus rebellierenden Wu Yang Mansion kollaboriert, und dabei auch eine Pergamentrolle mit dem Plan des Komplotts gegen die Qing sicherstellen.

Der manchurische Kaiser gibt Wai Fung 3 Monate Zeit für die Ausführung des Auftrags, wenn diese vergehen, wird sein Vater degradiert. Sollen weitere 3 Monate vergehen, wird seine Familie arrestiert. Und wenn Wai Fung den Auftrag nicht innerhalb eines Jahres ausführen kann, wird seine Familie durch Zerstückelung hingerichtet.

Wai Fung erreicht Jiang Bei, und es gelingt ihm, listenreich wie er ist, das Vertrauen der Enkelin des Hauses Tien, Gi Gi (Cecilia Wong), zu erlangen, und ihr Hauslehrer zu werden.
Dem Haus Tien steht Gi Gi´s Großvater (Lau Kar Yung) vor, diesem zur Seite stehen seine Tochter (Lily Li), die Mutter Gi Gi´s ist, sowie seine Söhne Bao Jing (Wilson Tong), Bao Tung (Norman Chu) und Bao Chung (John Cheung).

Gi Gi ist eine ebenso schöne wie widerspenstige junge Frau..., ihr Wille zu lernen ist nicht gerade ausgeprägt, und ihr liebster Zeitvertreib ist KungFu.
Doch es gelingt Wai Fung, Gi Gi zum Lernen zu animieren..., und Gi Gi verliebt sich in ihren Hauslehrer.
Das Gefühl wird erwidert, und beide haben auch Sex miteinander.

Doch gelangt Bao Chung an das Geheimnis Wai Fung´s! Dies bedeutet sein Todesurteil. Doch Gi Gi eröffnet ihrem Großvater die Lage der Dinge, und fleht um das Leben Wai Fung´s!
Der Großvater gibt nach..., jedoch muss Wai Gi Gi heiraten, und darf das Haus Tien nie mehr verlassen.

Ein halbes Jahr vergeht..., und Wai´s Familie wurde derweil arrestiert. Wai Fung will mit Gi Gi zu seinen Eltern in die Hauptstadt, um letztendlich das Schlimmste abzuwenden.
Gi Gi kann das nicht verhindern, und sieht nur einen Ausweg: Sie müssen aus der Tien-Residenz flüchten...

Nach etlichen heftigen Kämpfen gegen ihren Onkel, bei denen sich auch ihre Mutter auf die Seite des Paares stellt, wird Gi Gi von ihren Großvater, der die letzte Hürde auf dieser Flucht darstellt, getötet!
Wai Fung gelingt, dabei seinen Tod vortäuschend, die Flucht aus der Tien-Residenz....

Auf dem Lande in Sicherheit, kennt Wai Fung nur noch ein Ziel: Rache!

Er beobachtet in der Hütte, in der er sich versteckt hält, einige Fang-Heuschrecken (sogenannte "Gottesanbeterinnen"). Er studiert das Verhalten dieser Tiere so genau, dass er daraus seinen eigenen KungFu-Kampfstil entwickelt...

In der Tien-Residenz nimmt Wai Fung sich die Söhne des Mörders seiner Frau vor...., einem nach dem anderen, bis es zum brutalen Show-Down mit Gi Gi´s Großvater, einem Meister der "Shadow Fist"-Technik, kommt....

Wai Fung, in seinem Herzen eigentlich ein Han-Chinese, gibt nunmehr keinen Pardon......

Fazit:

Wirklich sehr stark! Der Streifen "Shaolin mantis" ist ein von Meister-Regisseur Lau Kar Leung (Liu Chia Liang) klar durchstrukturierter, atmosphärisch dicht-stringent durchinszenierter KungFu-Reißer der Extraklasse, mit vielen ebenso tempo- wie abwechselungsreichen und intensiven KungFu-Fights gespickt.

Mir gefiel der Streifen ausgezeichnet. Es ist ein fesselndes Melodram, aber auch ein spannender Action-Streifen in einem. Lau Kar Leung beginnt seinen Film gleich mit 2 starken Fights. David Chiang muss sein Können dem manchurischen Kaiser demonstrieren, und hierzu 2 Kämpfe gegen die beiden Gast-Stars dieses Streifens, Lee Hoi San und Lau Kar Fei, überstehen.

Ein feuriges Opening, doch dann widmet sich Lau Kar Leung ganz dem behutsamen Story-Aufbau. Alles ist von Lau Kar Leung konzentriert konzipiert. Doch nehmen die Fights im Laufe des Films an Häufigkeit und Intensität zu, und alles mündet in ein gedehntes Action-Finale.

Und was sind das für fulminante Fights! Wie von Lau Kar Leung gewohnt, wird auf sorgfältig und spannend arrangierte Fights großen Wert gelegt. Kernige Schlag-Block-Schlag-KungFu-Duelle wechseln sich mit grandios in Szene gesetzten Waffen-Kämpfen ab, ob Sword-play oder Fights mit Stock bzw. 3-teiligem Nunchaku.

Der Film beinhaltet alles, was einen Klasse Eastern ausmacht. Eine spannende Rache-Story, auch mal Gefühl, pittoreske Schauplätze, ob im Studio oder draußen, knackige Kämpfe, ein  spielfreudiges Star-Aufgebot und hier auch originelle Trainings-Sequenzen.

Letztere sind hier schon von besonderer Art: David Chiang beobachtet die Tier-Gattung der "Gottesanbeterinnen", einer Fangschrecken-Art. Interessant ist hier eine raffinierte Aufnahme-Technik Lau Kar Leung´s. Er nimmt den Schatten David Chiang´s, der sich an der Wand abzeichnet, ganz für sich auf. Die Arm und Handbewegungen David´s sehen in diesem Schattenspiel doch tatsächlich wie die Bewegungsabläufe einer Fangschrecke aus.... unglaublich.
Lau bzw. David arbeiten in diesen Sequenzen mit echten, lebenden Tieren..., ganz schön groß die grünen Biesterchen..., David nimmt sie auch in die Hand. Das sind schon besondere Szenen...

Das ganze ist eh besonders. Denn auch hinsichtlich der Storyline geht hier Lau Kar Leung einen ganz eigenen Weg..., etwas wie ein Tabu-Bruch möchte ich sogar sagen, den Lau hier wagt.

Das Gut-Böse-Stereotyp aller Eastern wird hier ganz ungeniert aufgebrochen. Sind es sonst immer die Manchu gegen die sich ein Show-Down wendet, sind es diesmal die Han-Chinesen, die -von einem Han!- zur Rechenschaft gezogen werden, und dies ja letztendlich -wenn auch fallbezogen indirekt- im Auftrag des manchurischen Kaisers! Dies gab es meines Erachtens noch nie in einem Eastern!

So verlangt denn dieser Film schon ein gewisses Umdenken beim Zuschauer, dem geneigten Eastern-Fan, auch wenn sich in der finalen Sequenz ganz zum Schluss des Streifens, David gegen die Leibgarde des Kaisers wendet...
Das mag sicher nicht jedermann´s Sache sein..., man ist einfach anderes gewohnt, aber mir gefiel´s, weil es eben mal etwas völlig anderes war.

David stellt sein Rache-Gefühl für seine Frau Gi Gi (Cecilia Wong) über sein Denken als Han-Chinese, auch wenn dieses ganz zum Ende wieder durchkommt...., eigentlich unpatriotisch und eigennützig..., aber muss es denn immer patriotisch und uneigennützig in einem Eastern zugehen? Lau wagt es hier aus bestimmten Konventionen und Seh-Gewohnheiten auszubrechen, wie gesagt, mir gefiel´s.....

Bei den Darstellern ragt natürlich David Chiang heraus, er spielt die Hauptrolle und trägt den Streifen. Er spielt nicht nur äußerst solide und mimisch gekonnt, er fightet auch äußerst wendig und vielseitig. Auch mit dem äußerst schwierig zu handhabenden 3-teiligen Nunchaku weiß David gekonnt umzugehen.

Cecilia Wong, sie ist eine äußerst attraktive Darstellerin, und sie spielt hier wie ich finde absolut stark und fightet famos. Lily ist in diesem Film eher nur Staffage, doch ich bin wie immer auf neueste von ihrer Ausstrahlung, ihrer sehr starken Präsenz auf der Leinwand / dem Bildschirm fasziniert.

Lau Kar  Yung spielt den bärbeißigen Großvater Gi Gi´s gewohnt souverän und kampftechnisch gekonnt. Man merkt ihm an, hin und hergerissen zu sein zwischen dem Glück seiner Enkelin, welches er nicht zerstören will, und seiner Verantwortung gegenüber dem han-chinesischen Volk und dem Hause Tien, dem er vorsteht.

Seine Söhne (im Film), sie sind eine Riege der besonderen Art, jeder zeigt hier sein kungfu-technisches Können und seine darstellerischen Fähigkeiten, aus denen Regisseur Lau Kar Leung alles herauskitzelt: John Cheung, Wilson Tong und Norman Chu..., alle 3 von Lau Kar Leung genial besetzt.

Als dass das nicht schon überragend genug wäre, setzt der quirlige Regisseur noch einen drauf: Gaststars dieses Streifens sind Lau´s Adoptiv-Bruder Lau Kar Fei (Gordon Liu Chia Hui), über diesen brauche ich ja keinem Eastern-Fan mehr etwas zu sagen, er ist einer der absoluten SuperStars der Shaw Brothers, sowie Lee Hoi San, Shaw´s Kampf- und villain-Ass vom Dienst!

Ich habe alles gesagt. Jeder der sich für diesen Streifen interessiert, sollte sich sein eigenes Bild machen..., "Shaolin mantis" ist, ob seines beschriebenen Tabu-Bruchs unter den Eastern-Fans nicht unumstritten..., ich aber finde, das ist ein klasse Eastern...., und gebe 9/10 Punkte.

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