Review

Inhalt:

China, kurz nach der bürgerlichen Revolution von 1911. Fan Zhengyuan (Wong Yue) arbeitet für seinen Chef Master "Magic Fist" Chen Wu (Lau Kar Wing) als "Leichen-Hirte" in der Provinz Xiangxi. Das heißt, er und seine Mitarbeiter machen durch "Schwarze Magie" Tote, die außerhalb ihrer Heimat-Provinz verstarben, wieder insoweit "lebendig", als dass sie als hüpfende "Vampires", als Zombies sozusagen, "lebende Tote", durch das Land zu ihren Familien geführt werden können.

Es gelingt einem aus dem Gefängnis geflohenen Häftling, Zhang Jie (Lau Kar Fei aka Gordon Liu), sich unter die vorzubereitenden Leichen einzuschleichen. Zhang Jie landete unschuldig im Knast, dorthin brachte ihn der Gangster Zhou Qiantai (Lee Hoi Sang), der mit den Casino-Bossen Xu (Norman Chu) und Xiang (Wilson Tong) ´unter einer Decke steckt´. Zhang Jie will sich rächen! Auch Master Chen Wu war in die Angelegenheit verwickelt, auch er hat eine Rechnung mit den Gangstern offen.

Es gilt, einen Trupp von "lebenden Toten" in ihre Heimat zu führen, darunter Zhang Jie. Dazu stößt noch die Freundin von Fan, die aparte Fei-Fei (Cecilia Wong), die versucht zu helfen. Es kommt im Casino von Xu und Xiang zu einem ersten Kampf -Master Chen Wu ist ein notorischer Gambler- und Zhang Jie macht sich für Fan und Fei-Fei immer verdächtiger, etwas scheint mit diesem "lebenden Toten" nicht zu stimmen.

Indes ahnen die Gangster, insbesondere Zhou Qiantai, die drohende Gefahr, als der Trupp sich ihrer Region nähert. Xu kommt unter mysteriösen Umständen zu Tode. Zhang Jie gibt seine Tarnung auf, und es kommt zum Kampf. Zhang Jie hat gegen die Übermacht keine Chance, und wird gefangen genommen.

Doch Fan und Fei-Fei bieten Entsatz, und befreien Zhang, der nunmehr die Dinge aufklärt. Es kommt nunmehr zum Show-Down, und zwischen Fan und Zhang Jie auf der einen Seite, und Xiang und Zhou Qiantai auf der anderen, zum alles entscheidenden Kampf...!

Kritik:

Im Jahre 1979 drehte Regisseur und Kult-Kampfchoreograf Lau Kar Leung (aka Liu Chia-Liang) für die Studios der Shaw Brothers diesen "2. Teil" des zuvor von ihm entworfenen Streifens "Spiritual Boxer" (siehe mein Review auf dieser Webseite), der aber nicht direkt als Fortsetzung zu betrachten ist.

In teils typischen Kulissen und ebensolcher Shaw-Atmosphäre enstand ein vor allem im letzten Drittel äußerst temporeicher, insgesamt unterhaltsamer, zum Ende hin actiongeladener und komödialer Geister-KungFu-Film. Kein Top-Hit wie so viele der Eastern von Lau Kar Leung, aber quirlig-flotte Unterhaltung "für Zwischendurch" für den eingefleischten Shaw- und Easternfan. 

Lau Kar Leung brauchte diesmal etwas länger, um die Handlung seines Films aufzubauen, bis das alles mit der "Schwarzen Magie" und den "Lebenden Toten" die hüpfend "von A nach B" zu führen sind, erklärt ist, wie die Abläufe in diesem Magie-Studio, diesen Todeshallen, von statten gehen. Das sorgt am Anfang gar für Längen! Doch kann der quirlige Regisseur das dann natürlich mehr als wettmachen, und das Tempo in "The Shadow Boxing" ("Spiritual Boxer, Part II") zieht mächtig an, das letzte Drittel ist fast aberwitzig turbulent. Hinzukommt, dass hier die Fight-Dichte enorm zunimmt, sowie die Shaw-Atmosphäre, insbesondere im Endfight, einem Kampf-Ballett sondergleichen in im Studio nachempfundener, hell-surrealer Außen-Kulisse ala Shaw Brothers. Gerade da war dann der Fan der Shaw Brothers in seinem Element.

Es ist natürlich eine Geister-KungFu-Komödie, doch nicht doofer Nonsens soll hier für den Witz sorgen, eine solche Klamotte ist dieser Eastern nicht. Für Witz sollen die teils naiven Handlungen mit Overacting, das turbulente Tempo im Finale, und die Hektik im Geschehen selbst, sorgen. Man hat schon mehr gelacht, aber der Film ist ganz witzig geworden, als lustiger Streifen im Shaw-Kosmos. Auch die Shaw Brothers fuhren ja im Fahrwasser der Jackie Chan-Erfolge von 1978, als das KungFu-Genre seine Entwicklung hin zur parodistischen Persiflage einleitete.

Aber zum Glück: Die Story kriegt auch hier die Kurve, hin zum Ernsthafteren, denn es geht letztlich um Rache. Lau Kar Fei (aka Gordon Liu), seine Figur landete unschuldig im Knast, die "Zombie"-Agentur ist nur die Tarnung und das Sprungbrett für ihn und seine Rache. Und die Bösewichte, Lee Hoi Sang und Wilson Tong, sind argwöhnisch-ernst und verstehen keinen Spaß. So sind denn wieder die wichtigen Duftmarken gesetzt, auch diesen komödialen Eastern mit Fightaction und mehr Drama zu versehen. Wie bei Jackie Chan, so auch hier.

Weniger aber Lau Kar Fei -der 80% des Streifens stumm ist- als Wong Yue ist hier der "Anker" und lange Hauptakteur in diesem Eastern. Natürlich hat er ein komödiales Talent, ist hektisch veranlagt, aber eben quirlig-brodelnd over-actend, er macht das schon solide gekonnt. An seiner Seite Lau Kar Wing, als notorischer Spieler, eher gesetzt-cooler, und die Gambling-Szenen sind eine weitere Nuance in Lau Kar Leungs Werk. Fast noch wichtiger, fast eine Art weiblicher Side-Kick für Wong Yue, ist hier die ebenso hektisch agierende Cecilia Wong, die naiv-schreckhaft für weitere lustige Sequenzen sorgen soll.

Aber die wahren Stars sind hier natürlich Lau Kar Fei und die Villains Lee und Tong. Die bringen die Ernsthaftigkeit rein, das Rache-Schema. Lau Kar Fei, nach 2 Dritteln darf er "aufwachen", Glatze und blanker, muskulöser Oberkörper zuzüglich seines typischen Spiels, seiner Mimik. Ganz im Stil des Mönchs Yu Te aus der "36th Chambers"-Trilogie, die ihm ja zum Superstardom verhalf. Und sein dynamischer und trotzdem eleganter Kampfstil, klassisches, echtes KungFu, technisch versiert und einwandfrei. Im letzten Drittel dreht er auf, dazu die Shaw-Studio-Atmosphäre die -wie erwähnt- in sich in der finalen Phase verstärkt. Im Endfight, einem Kampf-Ballett, intensiviert sich das dann noch alles.

Wilson Tong, ein Villain-Ass, wie alle Genre-Kenner wissen. Dazu seine Fightskills. Aber Lee Hoi Sang ist der Haupt-Bösewicht, mit argwöhnischer Aura, nix Spaßverstehen. Das machen beide stark. Norman Chu gehört mit dazu, doch "stirbt" seine Figur -fast überraschend früh- vor dem Endkampf. 

Die KungFu-Action ist richtig gut, rasant-rassige KungFu-Fights mit Lau Kar Fei, auch Wong Yue überzeugt, und im letzten Drittel rockt ein Kampf-Ballet mit dynamischem Drive diesen Eastern ins Happy-End-Ziel. 

"The Shadow Boxing", hat eingangs leichte Schwächen und Längen, die Komik ist nicht immer gelungen, Lau Kar Leung hat selbst die Messlatte zuvor sehr hoch gelegt und bessere Filme gemacht, aber insgesamt ist das -vor allem im letzten Drittel- ein noch gutklassiger Eastern komödialer Art, und gefiel mir leicht besser als der "1. Teil". Und besser als der ja so hochgelobte und ähnlich gelagerte Film "Encounters of the Spooky Kind" (siehe mein Verriss auf dieser Webseite) von Sammo Hung, ist "The Shadow Boxing" ("Spiritual Boxer, Part II") allemal...!

7/10.

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