Da die Pest im 14. Jahrhundert weltweit verbreitet war und auch nicht vor kleinen, abgelegenen Dörfern Halt machte, konnte sich Regisseur Antony Smith ein wenig zurücklehnen und die Ausstattung auf ein Minimum begrenzen. Die Atmosphäre verfehlt ihre Wirkung nicht, allerdings benötigt die Geschichte eine zu lange Vorlaufzeit.
Die sechszehnjährige Alice (Rebecca Acock) lebt in einem kleinen Dorf in Wales und hat soeben ihre Mutter verloren. Der lokale Priester und das Oberhaupt der kleinen Gemeinschaft hat ein Auge auf das schweigsame Mädchen geworfen, doch als er auf eindeutige Ablehnung stößt, bezichtigt er Alice der Hexerei. Während ihrer Flucht durch den Wald gerät das Mädchen an einen Heilkundler und Einsiedler…
Einige Parallelen zum britischen „The Witch“ sind durchaus festzustellen, denn die Erzählung verläuft in beiden Fällen eher ruhig und setzt auf Atmosphäre, während sich der Horror recht langsam einschleicht. Die oftmals stumm wirkende Alice erntet rasch Mitgefühl und Sympathie, da ihr Fall den Machtmissbrauch der Kirche in einer kritischen Zeit thematisiert und untermauert, wie leicht sich einfach gestrickte Leute um den Finger wickeln lassen.
Folgerichtig blüht das Mädchen beim Heilkundler ein wenig auf und intensiviert die Lehren über Heilkräuter und Pflanzen, während im Dorf noch einige Zeit leichte Unruhen herrschen.
Etwaige Horroreinlagen sucht man lange Zeit vergebens, obgleich es zum Finale deutlich griffiger zugeht. Hier rund da sind Schwerthiebe, Kehlenschnitt und abgetrennte Hand auszumachen, immerhin handgemacht.
Regisseur Smith kann sich primär auf seine Hauptdarstellerin Acock verlassen, die mit einer enormen Präsenz und vielen feinen Nuancen zu überzeugen vermag. Schließlich stellt sich latent die Frage, ob Alice nicht doch mit dem Teufel im Bunde steht oder aufgrund ihres Umfeldes ein wenig fehlgeleitet handelt. Weniger überzeugend fällt indes die Kulisse des kleinen Dorfes aus, die entfernt an Freilichtmuseum erinnert. Die Kostüme sind deutlich besser geraten und auch der weitgehend zurückhaltend eingesetzte Score trifft die jeweiligen Stimmungen recht gut.
Leider verschenkt die Erzählung zwischen Pest, Hexenwahn und Coming-of-Age das Potential für mehr Spannung, zumal der Showdown etwas zu hastig abgearbeitet wird. Was bleibt, ist ein ruhig erzähltes Mystery-Drama mit ordentlichem Handwerk, soliden Darstellern und einer beklemmenden Grundstimmung, bei dem die Horror-Anteile recht gering ausfallen und eventuell falsche Erwartungen schüren könnten.
Knapp
6 von 10