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Der Ausbruch der Pest im mittelalterlichen Europa sorgte schon bald dafür, daß die ohnehin abergläubischen Bewohner nach Ursachen und Sündenböcken suchten - so auch in einem kleinen walisischen Dorf, wo der rote Tod ein paar der Bauern dahingerafft hatte. Obwohl ihre Mutter ebenfalls infiziert ist, scheint Alice (Rebecca Acock) gegen die Pest immun zu sein. Und da sie auch noch das einzige junge Mädchen weit und breit ist, schürt dies den Argwohn der anderen Dorfbewohner: besonders der Pfarrer (Rhys Meredith) bezichtigt sie, eine Hexe zu sein, nachdem sie dessen Angebot, bei ihm zu wohnen (und ihm beizuwohnen) ausschlägt.
Nachdem ihre kranke Mutter kurzerhand erdolcht wurde, muß Alice, die stets schweigt (obwohl sie durchaus sprechen kann) allerlei Hexenprüfungen bestehen, zuerst bei einer Wasserprobe und später mit einem glühenden Stein. Wenigstens eine Dorfbewohnerin erbarmt sich ihrer und befreit die 16-Jährige heimlich, die daraufhin in den Wald flieht. Dort trifft sie auf einen heilkundigen Einsiedler, mit dem sie sich anfreundet und dessen Wissen sie sich anzueignen versucht, denn sie hat mit den Dorfbewohnern noch ein Hühnchen zu rupfen...

Das Thema Hexen(-verfolgung) und Teufelsbesessenheit gab es schon zuhauf auf der Leinwand, und der walisische Amateurstreifen The Cleansing fügt dem auch nichts Neues hinzu, was nicht weiter schlimm wäre, würde das Drehbuch wenigstens einen in sich stimmigen Handlungsablauf hergeben. Das tut es aber leider überhaupt nicht, stattdessen dilettiert die Regie mit viel zu wenigen, dafür viel zu modern wirkenden Darstellern herum, denen das Bemühen, ihre Rollen mit Leben zu erfüllen, zwar anzumerken ist, die aber dennoch zu keiner Zeit überzeugend "mittelalterlich" auftreten und daher kaum das Publikum zu interessieren vermögen. Die sich in den Dialogen äußernde, neuzeitliche Kirchkritik kommt dann schon überhaupt nicht mehr zum Tragen.

Schon als man die Mutter (im Umschnitt) erdolcht und einfach zu den anderen Pestopfern wirft, stellt sich die Frage, inwiefern man damit die Seuche auszurotten sich vorstellt, da die Toten mitten im Dorf herumliegen. Dann folgt der Auftritt des wortgewaltigen (aber viel zu jungen) Priesters, der Alice ein paar Äpfel gibt und sie dabei auffordert, sich ihm hinzugeben - wtf? Ganz schlimm wird es aber bei der sogenannten Wasserprobe, die darin besteht, daß zwei Dorfbewohner das Mädchen in einem Bach festhalten. Ja, an den Armen festhalten, nicht etwa mit Gewalt unter Wasser tauchen. Denn das macht Alice selber, sie geht sichtlich selbst mit dem Kopf unter Wasser, jedesmal wenn der Priester am Ufer das Kommando dazu gibt - wer dirigiert eigentlich solche erbarmungswürdig schlechten Inszenierungen? Jedenfalls ist es ab dort mit jeglicher Spannung vorbei, auch wenn ein brüllend laut ausgesteuerter, hochdramatischer Score das Publikum vom Gegenteil überzeugen will...

Es wird nicht die einzige Szene bleiben, bei der man den Streifen vorzeitig abdrehen will: ein wenig später ist Alice, die man locker an einem Kreuz ohne Scheiterhaufen angebunden hatte, dann getürmt und im finsteren Wald unterwegs, als ihr plötzlich jemand einen Lappen über die Nase legt und sie ohnmächtig wird. Chloroform war damals noch nicht erfunden, aber der Einsiedler (Simon Nehan) hat irgendein anderes Zeug dafür, wie er später erzählt. Überhaupt erzählt er sehr gerne von sich, scheint richtig froh zu sein, daß da ein junges Mädel angelaufen kommt, die ihm auch zuhört. Naja, er hat sie auch mit warmem Essen verköstigt: "Das ist Rehfleisch" meint er dazu, auch wenns verdächtig nach Suppe ausschaut und mit flachem Löffel gelutscht wird.

Dann allerdings kommt der Oberhammer: ein junger Schwarzer betritt die Szenerie, haut erst den Einsiedler um und wird dafür dann von Alice zu Tisch gebeten - wtf?? Der junge Bursche in Deichmann-Stiefeletten und einer großen, um den Hals eintätowierten Kette (was es damals nicht alles im Mittelalter gab!) erweist sich dann als noch geschwätziger als der Einsiedler. Nein, ernst nehmen kann man diesen Schwachsinn wirklich nicht.

Wer sich diesen merkwürdigen Streifen zwischen Mystery und Drama bis zum Ende gibt, darf dann zwar noch ein bißchen handgemachtes Gemetzel zum Schluß mitnehmen, muß sich zuvor aber quälend lange mit einer unausgegorenen Mischung aus bedeutungsschwangeren Sätzen und inszenatorischem Gestümper auseinandersetzen. Die 3 Punkte gibt es ausschließlich für die bedauernswerten Darsteller, die engagiert zu Werke gehen, gegen das miserable Drehbuch aber zu keiner Zeit ankommen.

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