Dan [ Corey Yuen Kwai ] ist als Polizist und Mensch ein Versager, hat allerdings mit seinem Vater Ma [ Wu Ma ], dessen Bruder Louis [ Bill Tung ] und dessen Sohn Wah [ Andy Lau ] viel hilfreiches Vitamin B in der Familie, was ihm dann doch zu einem Job bei der heissersehnten CID verschafft. Dort verhaut er allerdings durch seine Trotteligkeit und Dummheit eine Polizeirazzia nach der anderen, darüber freut sich vor allem der Drogenboss Fai Ying [ Chin Siu Ho ]…
In the Blood gehört zu den am wenig bekanntesten Arbeiten in Corey Yuen Kwais Filmography; einzig die beiden Co – Regie credits bei Top Bet und Black Rose 2, die dann auch noch hauptsächlich Jeff Lau zugeschrieben werden, düften genausowenig Beachtung gefunden haben.
Angesichts allein der Daten auf dem Papier sollte das eigentlich ein Unding sein; so produzieren neben Golden Harvest auch Sammo Hungs eigene Firma Bo Ho Films Co., Ltd und die Castangaben lesen sich wie ein Who‘s Who der damaligen Zeit; selbst der Finanzier schaut auf ein Cameo vorbei.
Erstaunlicher ist dann nur noch die Tatsache, dass der Film noch nicht einmal gelungen ist; man hat durch die vorherrschende Unkenntnis beileibe nichts verpasst und schliesst mit dem Sichten nur eine Wissenslücke. Hinterher weiss man es eben immer besser.
Die Einsicht, dass auch ein Yuen Kwai nicht immer ein Goldenes Händchen bei der Realisierung seiner Filme und auch einiges an höchstenfalls Durchschnittlichem auf den Markt geworfen hat, ist zwar nicht neu, aber zumindest konnte man auf dem Actionsektor immer die vorhandenden Mankos wenigstens wieder etwas ausbügeln. Hierbei passt dann auch der Stoff dafür, aber entweder wollte man gar keinen Reisser drehen oder man hat sich wirklich nicht ins Zeug gelegt. Das verzogene Endergebnis ist dann auch nur so lange interessant, wie man sich etwas Gutes erhofft. Bis zur baldigen Schlussfolgerung, dass man nicht länger darauf warten braucht, weil da nichts mehr kommt.
Ungünstigerweise für Yuen hängt dies auch damit zusammen, dass er seine Figur selber in den Mittelpunkt der Handlung stellt und dafür beileibe nicht geeignet ist. Den schwarzen Peter kann man ihm im Exekutivbereich also gleich 2x zuschieben: Er deckt die Prioritäten einer gescheiten Regie nicht ab und merkt auch nicht, dass man im Fokus für die hier erforderliche Rolle schon etwas sympathisch wirken sollte.
Yuen tut das nicht, sondern erscheint grundsätzlich nur einfältig, grobkörnig, lamentierend, wehleidig, schusselig, ich – bezogen usw.usf.
Der Beginn gibt zwar noch einige Möglichkeiten vor; besonders die abwechselnden und später sogar parallelen Sequenzen der beiden Vater – Sohn – Gespanne im gleichen Revier deuten wegen der Unterschiedlichkeit der Familienmitglieder auf Einiges an potentiellen Situationen hin. Der Titel signalisiert erstmal einen Actionfilm, geht aber wohl in Richtung Blutsverwandtschaft oder „etwas im Blut liegen“; zumindest entscheidet man sich bei der Vielzahl der Optionen für ein versuchtes Drama [und gefühlte Tragödie], was mit seiner bleiernen Schwere und den zusätzlichen wenigen unlustigen Witzchen für eine nicht gerade erheiternde Stimmung sorgt. Über die Dauer schlägt sich Pessimismus nicht nur bei den Figuren breit und nach und nach werden einige auch recht gereizt, was man bei den ständigen Tiefschlägen allerdings auch sehr gut verstehen kann:
Dan steht am Ende der Fahnenstange und kommt nicht nur nicht weiter höher, sondern gehört selbst dort nicht hin: wenn er nicht mal die Dienst- von einer Spielzeugwaffe unterscheiden kann.
Ma ist kurz vor der Pension und hat berechtigte Angst davor, später von seinem Sohn abhängig zu werden.
Wah hat sichtlich keinen Bock mehr, von Dan alles verpatzt zu bekommen und sich dann alleine den Rüffel vom englischen Vorgesetzten abzuholen und so um seine eigene Karriere zu bringen.
Wie man schnell merkt, ist es wohl besser, Dan nicht als Freund zu haben; als Familienzubehör kann man ihm aber schlecht den Laufpass geben, was dieser durch einen beschämten kurzzeitlichen Auszug – reine Trotzreaktion - aus der elterlichen Wohnung dann von allein zu lösen versucht.
Dem Papa ist es aber zu früh, dass sein Sohn mit 40, 45 Jahren alleine auf den Beinen steht, in Folge kommt es dann zu einer bunten Mischung aus Rücktrittsgesuchen, Kündigungen, Abschiedsbriefen und Streitereien unter Männern sowie freigeschalteten Heulattacken.
Der bis zur Versöhnung aufgestaute Frust wird mit Alkohol betäubt, die Aggressionen auf dem Schießstand abgelassen, der dann auch häufiger als Treffpunkt der Parteien herhalten muss.
Dort findet dann auch die meiste Action statt; aber das Abholzen von Pappkameraden zählt nicht gerade zu den Angelegenheiten, die für Adrenalin sorgen.
Zu Gunsten der Privatprobleme ist die angeklatschte Gangsterstory sichtlich nur Beiwerk und wirkt auch genauso hingeschludert. Dort bietet man dann zwar tatsächlich die für Tempo und Aufregung passenden Situationen, bekommt aber trotzdem nur sporadisch mal etwas Rasanz herein und legt auch kaum Wert darauf. Neben dem materiellen Anziehen wird also auch in formeller Hinsicht eine stramme Geschichte verpasst; manchmal fragt sich wirklich, ob man den Regieangaben trauen darf.
Ein Handtaschenraub, ein Drogendeal am Hafen sowie einer in der Bowlinganlage sorgen zögerlich für die ersten „dann und wann“ Einsätze der Choreographen Chin Kar Lok, Meng Hoi und Yuen Wah. Alles ebenfalls keine Grosstaten; selbst wenn man noch gnädigerweise hinzufügt, dass alles recht klein vonstatten geht, diffus ausgeleuchtet ist und der Zuständige vom Toneffektschnitt seinen Job lausig macht.
Das Hauptproblem ist bis zum mal etwas ruppiger werdenden Drei – Mann - Showdown aber die Tatsache, dass Yuen selber in aktiveren Szenen furchtbar aussieht; anscheinend kann nicht jeder Choreograph die Dinge höchstpersönlich umsetzen. Andy Lau beherrscht dann nur die fakes moves, hier lenkt zusätzlich seine 80er Jahre Jogginghose von der Prise Aufmerksamkeit ab.
Chin Siu Ho in der seltenen bad guy Rolle ist verschwendet, aber kommt als Einziger neben Sammos Cameo noch am Besten aus der Affäre.
Glück für die Macher, dass der Film bisher eh nur auf Laserdisc erhältlich ist; der gnädige Mantel des Schweigens über diesem Projekt ist bei einem aussterbenden Medium ganz gut aufgehoben.