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Eskalationskomödien finden häufig an Weihnachten statt, dem vermeintlichen Fest der Liebe. Sobald beim Abendessen, vielleicht auch durch den zusätzlichen Genuss von Alkohol brisante Themen angesprochen werden, hängt der Familiensegen schief. Die Grundidee lässt sich natürlich auch auf ein Essen zum Sabbat übertragen, welches Regisseur Michael Mayer völlig aus dem Ruder laufen lässt.

Geschäftsmann Yossi lädt Familie, Freunde und Arbeitskollegen zum gemeinsamen Abendessen in seine Villa in LA ein. Als einer der Gäste gegen jüdische Traditionen stichelt, kippt die Stimmung, doch bei nur einem tödlichen Unfall wird es nicht bleiben…

Unterteilt in sieben Kapitel, dreht der Stoff recht früh an der verbalen, kurz darauf an der physischen Gewaltschraube und macht nicht vor Klischees und Vorurteilen halt. „Stammt die Kette aus Afrika?“ wird der einzige Gast mit afroamerikanischen Wurzeln gefragt und wer sich als Geschäftsmann nach Jahren der Treue nicht angemessen erkenntlich zeigt, könnte ebenfalls auf der Abschussliste landen. Kurzum: Von den zunächst neun Anwesenden werden nicht alle überleben.

Wer sich mit jüdischen Traditionen und Gepflogenheiten auskennt, dürfte wahrscheinlich noch mehr Freude an dem Treiben haben, welches sich kaum um detaillierte Figurenzeichnungen schert. Denn irgendwie hat nahezu jeder Dreck am Stecken oder zumindest einen wunden Punkt, der die Eskalationsspirale antreibt. Schadenfreude ist natürlich vorprogrammiert, wenn eine Toilette bewusst verstopft wird, Alltagsgegenstände wie Aschenbecher zweckentfremdet werden und alarmierte Cops mit fadenscheinigen Argumenten besänftigt werden müssen. Viele Dialoge kommen geschliffen scharf und bei der Kritik über mögliche Gründe des Kinderkriegens dürften sich einige Kinderlose die Hände reiben.

Natürlich sitzt nicht jede Slapstick-Einlage und obgleich die treffend besetzten Mimen ordentlich performen und mit sichtlicher Spielfreude dabei sind, kommen die letzten Szenen etwas überkonstruiert daher. Dennoch findet sich unterm Strich eine anspruchslose, jedoch rabenschwarze Komödie mit einigen blutigen Einlagen, die recht ereignisreich und kurzweilig ausfällt.
7 von 10

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