Review
von Leimbacher-Mario
Killing Chanukka
„Happy Times“ lässt ein feierliches Familientreffen bei wohl stimulierteren Juden völlig aus dem Ruder laufen, als langsam aber sicher kleine, untergründige Sticheleien hochkochen und sich zu äußerst fiesen Ausläufern und Auseinandersetzungen aufbrauen…
Im Stile von „Silent Night“ oder „Ready or Not“ - nur etwas jüdischer, dezenter, intimer und sympathischer. So könnte man „Happy Times“ bezeichnen und kleinen Geheimtipp aus dem mittleren Osten nennen, bei dem man sich durchaus wundern darf, warum er nie auf größeren deutschen Filmfestivals aufgeführt wurde. Dann ist’s halt nun im Heimkino eine minimale Entdeckung. Das bitte natürlich mit Einschränkungen und gedrosselten Erwartungen, was auch meine Wertung zeigen sollte. Aber falsch macht der geneigte Genregoregucker bei diesem flotten Neunzigminüter sicher wenig. Die Israelis nehmen sich selbst samt vieler Klischees und auch schwerer Themen völlig ungeniert auf die Schippe. Samt Grenzen, Krieg, Volkstraumata, Religion und unterschwelliger Wut. Das Augenzwinkern funktioniert und wirkt frisch. Erst recht aus deutscher Sicht, da wir uns (historisch bedingt und verständlicherweise) nicht mal annähernd trauen würde, einen Film über eine jüdische Familie derart anzugehen. Es kann durchaus mal böse und blutig werden. Das Timing für Cringe und Comedy sitzt größtenteils. Und wie mit der einzigen Sympathieträgerin im Film umgegangen wird bzw. wie sie kurz vor dem letzten Drittel und der endgültigen Eskalation aus der Chose „entlassen wird“, ist köstlich und erinnert fast etwas an „Scream“. Natürlich weiß man schnell, dass das für kaum jemanden glimpflich ausgehen wird und für echte Jubelstürme hätte es für mich gegen Ende vielleicht noch verrückter und over the top werden dürfen. Doch im Grunde hatte ich ein durchgehendes, leicht diabolisches Grinsen im Gesicht und eine gute Zeit.
Fazit: blutiges und bissiges Familientreffen aus Israel. Jüdische Schmerzen sitzen tief.