HK 2043:
Die Future Cops Ti Man [ Andy Lau ], Broom Man [ Jacky Cheung ], Sing [ Simon Yam ] und Lung [ Aaron Kwok ] haben den General [ Ken Lo ] verhaftet und bewachen ihn bis zu dessen Verhandlung vor dem Richter Yu Tin Hung.
Generals Schergen Kent [ Ekin Cheng ], Thai King [ Billy Chow ] und Toyota [ William Tuan ] planen, fünfzig Jahre in die Zeit zurückzureisen, um den damals 28jährigen Richter zu töten und so ein Urteil abzuwenden. Beide Gruppierungen begeben sich ins Jahr 1993 und suchen sich dort ihre Mitstreiter; während die Future Cops bei dem jungen Loser Chan Tai Hung [ Dicky Cheung ] unterkommen, wenden sich die Bösen an den Schulraudi Kei-On [ Andy Hui ]...
Das Wong Jing ein glühender Verehrer von Videospielen, Mangas und Animes ist, weiss man spätestens seit der wüsten Streetfighter – Variante in City Hunter, die die Darsteller Jackie Chan, Gary Daniels und Chingmy Yau für eine Weile in das Spiel und die Figuren versetzte. Dort trieb man weitgehend seinen Schabernack damit; Wongs Art der Hommage geht selten über eine verquere Parodie hinaus, die mehr eine Karikatur als eine Würdigung darstellt und mehr seine Art von Humor präsentiert als wirkliche Anleihen an das Original.
Der gleichjährige Future Cops vollzieht diese Art der Verbindung der verschiedenen Medien auf identische Art, allerdings in einem grösseren Projekt. Nicht nur eine weitgehend aussenstehende Szene, sondern durchaus den Handlungsablauf auslösend und auch bestimmend; die Figuren haben eine wichtige Funktion innerhalb des Geschehens. Die Anleihen sind wieder diekt beim Original genommen, allerdings natürlich ohne die Copyright – Rechte zu beachten [ was sich auch beim als Tekken – Film gedrehten Avenging Fist so vollzog ] und deswegen mit abgeänderten Rollennamen und zumindest im ausserasiatischen Raum auch differenzierenden Titel.
Trotzdem ist auch durch die „Verkleidung“ schnell deutlich, wer wen spielt und worauf man sich bezieht: Wieder ist es Streetfighter, ergänzt noch mit Dragonball sowie Doreamon und etwas, dass wahrscheinlich Alex Kidd darstellen soll, aber auch jedes andere jump‘n run ausmacht.
Davon werden jeweils spezifische Elemente übernommen und in ein gemeinsames Universum in Hongkong 1993 transportiert, was überraschend homogen funktioniert. Aber das wahrscheinlich nur aufgrund der Tatsache, dass sich das primäre Setting aus einer weiteren Inspirationsquelle bedient: Den Schulklamotten von Wong selber, die dieser vor allem ab 1991 nach dem Erfolg von Stephen Chows Fight back to School samt deren Fortsetzungen auf den Markt warf.
Die Grundidee [ Bob Giraldis Hiding Out, USA 1987 ] geht von der Tatsache aus, dass jemand, der die Schule bereits absolviert hat, aus irgendwelchen Gründen wieder an den Ort seiner Kindheit und Jugend zurück muss, natürlich Inkognito [ Deutscher Titel ]. Und als Aussenstehender und bereits Erfahrener die seit damals anhaltenden, da immer wiederkehrenden Strukturen dieses Lebensabschnittes besser verstehen und darauf reagieren kann.
Immer zur Stelle, wo man den Mammon holen kann, entstanden mit Truant Heroes und später Young Policemen in Love noch weitere Klone mit identischen Ausgangspunkten und Erzählmuster; Future Cops könnte man dann eben auch dazu zählen.
Die gleiche Formel wird nur leicht modifiziert, auch hier die Posten von Lehrer und Schüler eingenommen; von innen heraus infiltriert. Die Situationen kommen einem sehr vertraut vor und der Humor ist teilweise auch 1:1 übernommen bzw. geht auf den gleichen Grundsätzen von dem zurück, was Wong für lustig hält. Auch die Implementierung der Gags und establing shots sieht genauso aus wie immer, dazu kommen einige signifikante wiederholende Besetzungen [ Dennis Chan Kwok – san als Rektor ]; der Film ist im Hauptteil ein einziges déjà vu. Nur die Mutation davon.
Abwechslung bietet der Prolog in der Zukunft, der leider nur für wenige Minuten erfolgt. Der kurze Ausblick auf eine andere Zeit und ein anderes Genre weist ein im HK Kino fast komplett vernachlässigtes Schema auf; SciFi wird dort selbst als Ummantelung für Actionfilme nur seltenst genutzt und ist deswegen jedesmal ein Unikat, dass sich allein durch das Sujet schon von Massenware abgrenzen kann. Rasant wird mit einer futuristischen Verfolgungsjagd samt schwebenden Skateboards und Laserstrahlen aufgewartet; die ersten effektheischenden Explosionen später folgt aber schon der Auftritt der Future Cops. Die Szene dient neben der Aufstellung der Prämisse und der Einführung der Figuren auch der Vorstellung ihrer Eigenheiten. So kann Simon Yams Ah-Sing/Dhalsim nicht nur ständig mit dem Kopf in alle Richtungen wackeln, sondern auch Feuer speien und seine Gliedmassen in monströser Länge ausdehnen.
Andy Laus Ti Man/Balrog LaCerda ist Vega nachempfunden, Jacky Cheung gibt den Guile und Aaron Kwok stellt kurz Ryu dar, bevor er sein Cameo nur am Ende noch einmal einlegt. Auch die Bösewichter tauchen erst nach einer Stunde wieder auf; die zwischenliegende Zeitspanne wird mit Hänseleien und Reibereien an der St. Yuk Keung Secondary School sowie Neckspielchen zwischen den Geschwistern Chan Tai Hung und Chun Li [ Chingmy Yau ] verbracht.
Die Schule sowie die heimische Wohnung hält dann als abwechselnde Podien für die Nöte des Präpubertierenden Tai Hung her,in dessen Adoleszenz sich mehrere einzelne Krisen zu einer einzigen grossen zusammenwirken.
Die Drei aus der Zukunft treten dabei als Freund und Helfer auf, quasi als die Märchenfee, die sich der ansonsten kurz vorm Selbstmord stehende Pennäler so oft herbeigewünscht hat. Natürlich nicht als subtiles Drama oder verfilmter Ratgeber, sondern mit viel Slapstick, lautem gross out Humor und den Anspielungen auf die medialen Nebenbuhler. Auch auf die (Canto)Popkultur; so wird ein optisch sehr unattraktiver Scherge von Kei-On als Leon Lai Ming benannt, der auch noch zufällig der einzig Fehlende der vier Heavenly Sky Kings ist. Jacky Cheung wird in seiner Rolle natürlich auch Musiklehrer und performed einen seiner eigenen Songs vor der Klasse.
Witzig ist das aber meistens nur für den, der „Subtilität“ aus seinem Sprachschatz gestrichen hat; zu oft wird wortwörtlich mit Destruktion und Devastation gearbeitet, um einen Lacher zu erzielen. Die Phrasen „mit jemandem den Boden fegen“ und „den ganzen Kühlschrank auffuttern“ bekommen hier eine ganz neue Bedeutung; störend dabei vor allem, dass deutlichen Wert darauf gelegt wird, eine Reaktion auf die Pointe zu bekommen. Diese aufdringliche Hauruck - Methodik von Wong zieht hierbei verherrende Kreise. Man kennt es bereits, man sieht es auch ohne Erfahrung meilenweit kommen und hofft auf mal etwas Unerwartetes; was sich aber nicht erfüllt.
Die Nebensächlichkeiten wirken viel besser, weil eben keine allzu grosse Betonung daraufgelegt wird und man damit auch nicht gerechnet hat, weil mal kein Aufbau erfolgt.
Beispiel: Ti Man legt bäuchlings auf dem Bett und liest, tritt aber trotzdem mit den Füssen einen Basketball in dem im Rücken befindlichen Korb, ohne nur einmal aufzusehen.
Die Szene ist mehr oder minder blink it or you‘ll miss, als Übergang gedacht; erweckt aber gerade dadurch seine Wirkung, geradezu im Vorübergehen.
Der vorherrschende Humorpegel sieht die Action dann auch stark zurückgedrängt; erst mit den Auftauchen des bösen Triumvirats gehen die Effekte wieder über geworfene Wasserbomben und fallende Möbel hinaus. In einem Duell zwischen Guile und Ken(t) wird ein 24h Shop erst von innen und dann durch eine Explosion komplett zerlegt, und auf dem Parkplatz die Autos gegeneinander geschoben und geschmissen. Die Umsetzung ist dort durchweg gelungen, man bewahrt das Flair der Originale, und bewegt sich gleichzeitig mit realen Stunts nicht unweit gängiger HK – Action; die beiden Heroic Trio Filme sowie Roboforce wiesen eine ähnlich ansehnliche Durchführung der aufwendigen Szenen auf.
Zum Ende hin entgleiten dem Regisseur bzw denen in seinem Dienst stehenden Choreographen Ching Siu Tung, Deon Lam und Ma Yuk Shing aber alle Zügel: Das Finale ist eine wilde, wirre, bunte Mischung aus viel Styropor, Drähten, Lichtblitzen und vor allem Albernheiten; alles noch anstrengender gemacht durch massig Zeitraffer. Hierbei ist eindeutig die Obergrenze des Erträglichen erreicht; der Film macht letzten Endes nochmal einige Schritte zurück in der Bewertung, weil er da eben in der Gesamtheit aufzeigt, aus welchem Schrot und Korn er eigentlich gemacht ist. Vorher konnte er es in Einzelabschnitten ganz gut verdecken, aber wenn die Maskerade erst einmal ab ist, ist auch der Putz weg.
Übrigbleiben tut ein vor allem durch seine Starbesetzung und die ungewöhnliche Vermischung erstmal interessanter Film, der aber letztlich durch die Wongsche Machart einiges an Bonus einbüsst und den meisten ziemlich auf die Nerven fallen dürfte.