Review

Aus nicht ganz nachvollziehbaren Gründen hat Hong Kong wie kein anderes Land seine Spezialeinheiten so lieb wie nur irgend möglich, gestattete den unterschiedlichsten Formen der Verbrechensbekämpfung seit jeher seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu und umwarb die Besten der Besten noch dazu mit der modifikablen Materie ureigener Propagandamittel. Die Lehre von der zusammengewürfelten Gemeinschaft als ein rein ideeller Faktor, die sich gegen innere Schwächen und Zwänge ebenso zusammen rauft wie nach einigen Reibereien vor allem auch gegen den Feind von Außen hat nicht erst seit City Hero [ 1985 ] die Tradition gepflegt und die Reflexion prästabilierter Harmonie erbaut, bewahrte ab da an ein knappes Jahrzehnt lang die Hochphase des speziellen Subgenres. Die Geschichten darauf und danach sind im Grundsatz alle dieselben, ein Inbegriff von unbedingt gebietenden Gesetzen, eventuell nur in der Erweiterung oder umgekehrt auch der Beschränkung dramaturgischer Motive, in dem entweder mehr Wert auf die Charakterisierung gelegt oder diese gleich vollends unter den Tisch gekehrt wird. Während Titel wie Proud and Confident oder First Option das von vornherein festgefahrene Prinzip der möglichen Wechselwirkung mit einem Zusatzmaß an gegebener Aktion aushebeln, versuchen es Andere über die emotionale Dramatik, die dann meist mit einem gesteigerten Soap - Anteil von Familienwerten und Moral fundamentiert wird. Als nicht tragfähiger Hebel erweist sich wieder einmal die Einbringung oder gar die vorherrschende Beachtung von Komik.

Denn, anders als es das Cover und eventuell, aber dort nicht gezwungenermaßen auch die Besetzung weismachen will, handelt es sich bei dem vorliegenden Versuch nicht um einen weiteren slam bang Vertreter, der erst im Training die Übungswaffen und dann im finalen Einsatz die scharfe Munition für sich sprechen lässt. Zwar wird gerade zu Beginn das ganz schwere Kriegsgerät aufgefahren, mit vor der Küste patrouillierender Marine ebenso hantiert wie im Steigflug von Kampfjets und Hubschraubern, und auch aus aller Langeweile oder doch Protz ein Panzermanöver angeschnitten, dient dies aber nur zur Vorstellung der Figuren. Wenn der gemeine Drogenhändler seine schmierigen Hände nach der wehr- und schutzlosen Bevölkerung ausstreckt, müssen eben andere Seite auf- und schon mal die Elite der Streitkräfte für die ausdrückliche Verteidigung des inneren Landes abgezogen werden. Ein Ganzes aus notwendigen Substanzen, aber dennoch kein Definitivartikel:

Als der Kriminelle Li En - tsi [ Frankie Chan ] die vorherrschende Stellung im Drogenhandel an sich reißt, und dabei gleich vier Mitstreitern in rascher Folge des Licht ausknipst, fühlt sich sogar das Verteidigungsministerium zum Einschreiten bemüssigt und stellt mit Hilfe und unter Aufsicht von Colonel Wu Ta - chuan [ Norman Chu ] ein partikuläres Herr aus befähigten oder zumindest talentierten Individuen zusammen. Darunter befinden sich mit den Kindheitsfreunden Chow Chuen - chua [ Andy Lau ] und Eng Di - an [ Tony Leung Chiu - wai ] auch zwei Gruppenkasper, die mit großer Klappe und Schalk im Kopf Sich und den Anderen in der Einheit wie Liang Wei - ming [ Ben Lam ] oder Lam Kuo - chia [ Lee Chi-hei ] nur unnötig das Leben schwer machen. Trotz geeigneten Voraussetzungen, aber eben mit mangelnder Profession wird Chow kurz vor Beendigung der Theorie gar vom Dienst entlassen; stöckelt allerdings mit der Zufallsbekanntschaft Miu Nu [ Fennie Yuen ] flugs in die Arme vom Umtriebigen Li, dessen Schwester sie ist. Auch unwissend von der Herkunft Chows sind seine neuen Mitarbeiter [ Miu Kiu-wai & Shing Fui-on ] von dem Neuankömmling wenig begeistert.

Hauptaugenmerk liegt trotz einer durchaus guten Paarung auch mit anderen Darstellern und einer schon gewissen Teamfähigkeit der Schauspieler untereinander natürlich trotzdem nur auf Andy Lau in geschlossener und offener Beziehung; der seine damals üblich gewohnte Persona des unbekümmerten Hallodris auch hier in der gegenwärtig anwesenden Komödiengesellschaft vermehrt zum Tragen bringt. Nur gehandicapped durch ein wenig dienliches Dubbing, welches allerdings auch den weiteren Subjekten im bewussten Rollen- und Verkleidungsspiel zu Lasten fällt. Grund für die ungewohnte und trotz der notgedrungenen Brauchbarkeit niemals ideale Nachsynchronisation durchweg signifikanter Stimmen dürfte der ungebräuchliche Dreh auf Taiwan und Taipeh insbesondere gewesen sein; was den anfänglichen Enormeinsatz allerlei Militärgerätschaften prompt mit erklärt. Wenn schon Regisseur Kevin Chu Yen-Ping seine im Grunde identisch aufgebauten und entsprechend auch so betitelten Armee-Klamotten wie Forever Friends [ 1996 ] oder Naughty Boys & Soldiers [ 1997 ] mit Apparatur von Premiumqualität aus der sechstgrößten Armee der Welt ausstatten kann, kann dass der hiesige Kollege Eric Tsang erst recht und schon lange. Zur Großoffensive oder gar dem Abschuss kommt es hierbei natürlich ebenso wenig; symptomatisch für Konstitution und Organisation des eher auf den Nonsensehumor setzenden und nur dem ersten Anschein nach üppig dimensionierten Filmes wird die schnelle materialistische Aufrüstung sowie das allgemeine Waffengehabe samt der soldatischen Rangordnung und operativen Befehlston ebenso schnell wieder aufgelöst und zugunsten allerlei harmloser Scherze zuweilen auch ad absurdum geführt.

Scharf geschnittenes Streufeuer wird erst final zur Potenzierung der dramatischen Situation im Nebeneinander von Ernst und Grotesk eingebracht; drei flinke Actionszenen allesamt in den letzten zwanzig Minuten, die mit Hilfe der schmissigen Choreographie [ von Blacky Ko, Frankie Chan, Lam Maan-Cheung ] dann doch die Fäden der mit launigen Zufällen gespickten Handlung zusammenschweißen können. Das Schussgefecht auf nächtlicher Straße, die anschließende wortwörtliche Sprengung einer Geburtstagsfeier in straffällig gewordenen Kreisen und der Gun Fu Showdown im bond-artigen Hauptquartiersbunker ist noch mit der angenehmste Teil des ansonsten reichlich beliebigen, ohne Identitätskern geprägten und auch angesichts der Besetzung vor und hinter der Kamera seltsam die Möglichkeiten verjubelnden Filmes; neben dem Abweichen des sonstig taktischen Pfades von Vaterlandsliebe, Aufopferung dafür und anschließend vergönnter Selbstrettung. Denn all das, was normalerweise nach den vermeintlichen Regeln von Pflicht, Treu und Weisheit agitiert, popularisiert, deklamiert und so weithin sichtbar auf einen Sockel gestellt und hoch gehalten wird, ist im ansässigen Abenteuerspielplatz mehrere Nummer kleiner gehalten, mehr oder minder gelungen der Lächerlichkeit preisgegeben oder wird ganz außen vorgelassen. Statt dem Dogma von Maximen gibt es sympathisch erscheinenden Wortwitz, der vielleicht nicht gleich die linguistische Krönung eloquenter Bonmots darstellt, aber auf ausreichend spitzfindige Art und Weise und mit der nötigen Selbstironie kundgetan wird. Visuell ist das Alles noch eine Spur einfacher, damit verständlicher, aber auch niveauloser präsentiert; strikt gehaltene Knüppel-auf-dem-Sack Gags, in denen die anhänglichen Beteiligten ohne Schaden zu nehmen Fäuste, Kuchen, Farbbeutel oder andere Dinge ins Gesicht kriegen, und dabei Mühe haben, nicht zu sehr in Übermut oder gar comigaler Vermessenheit auszuarten.

Dass diese allgemein durchscheinende Sorglosigkeit, der man trotz aller der Pflicht vergessenen Flüchtigkeit gar nicht richtig böse sein kann, auf der anderen Seite durchaus auch die kleinen Ansätze zum Nerven besitzt, beweist dann eindrücklich Neuzugang Fennie Yuen. Die, als eh schon unbeliebten, da dem Tempo abträglichen love interest gesetzt, mit ihrer übertrieben kindisch-zappligen Art einbegriffen einem ungezügelten Firlefanzgetue weder sich noch ihrem männlichen Anhängsel noch dem Zuschauer einen großartigen Gefallen tut.

Details
Ähnliche Filme