Danielle und Philip lernen sich bei einer Quizshow kennen, die Liebesnacht endet am nächsten Tag mit dem brutalen Mord an Philip. Danielle verdächtigt ihre Zwillingsschwester Dominique, während ihr die Journalistin Grace Collier auf der Spur ist. Obwohl die durch ein Fenster den Mord sah, glaubt ihr niemand, zumal die Leiche verschwunden scheint. Die Polizei ist ihr demnach keine große Hilfe und so fahndet die ehrgeizige Reporterin auf eigene Faust und gerät an die unglaubliche Geschichte zweier siamesischer Zwillinge. Die Vertuschung des blutrünstigen Mordes scheint nahezu perfekt inszeniert zu sein, mit einer Prise schwarzem Humors gewürzt lässt Brian de Palma die Entsorgung z.B. und die leidenschaftslosen Ermittlungen der Polizei per Split Screen parallel verlaufen. Nicht nur dort offenbart sich „Sisters“ als große Hommage an den Altmeister Alfred Hitchcock, Verweise auf „Psycho, „Das Fenster Zum Hof“ oder „Cocktail Für Eine Leiche“ finden sich in aller Deutlichkeit. Neben dem Kriminalplot kommt erst allmählich das phantastische Element um die Blanchion Zwillinge zum tragen, wobei dem aufmerksamen Zuschauer schon früh einiges suspekt sein wird: Danielle erhält ihr seelisches Gleichgewicht offenbar mittels Tabletten aufrecht und ihre Schwester, sofern es sie denn gibt, ist nie zu sehen, nur zu hören, womit wir wieder beim Meilenstein „Psycho“ wären. Dieses Verunsicherungsspiel verdichtet de Palma besonders im letzten Drittel zu einem Albtraum zwischen Nervenheilanstalt und Seelentrennung, neben der eindrucksvollen Performance von Margot Kidder als undurchsichtige Danielle tritt auch deren Ex-Mann in den Vordergrund. Sein verstörender Auftritt in einer S/W-Rückblende des Loisel Instituts erinnert mit den abnormalen Darstellern als Patienten an Tod Brownings Klassiker „Freaks“, die Querverweise und die Stilsicherheit, mit der Brian de Palma seinen ersten Genrespielfilm noch vor dem ebenfalls großartigen „Carrie“ drehte, sind die bewusst gewählten Stärken. Trotz damals relativ geringem Budget lässt „Sisters“ kaum Wünsche in technischer Hinsicht offen, im Vergleich zu David Cronenbergs „Die Unzertrennlichen“ mit seiner sehr persönlichen Dramatik zwischen den Zwillingen steht hier das Mysterium weiter im Vordergrund, erst das wenig erquickende Finale löst manche, wenn auch nicht jede Frage auf. Was beiden gemeinsam bleibt ist das Grundthema der Dualität, als Einheit und in Zerrissenheit und da funktioniert diese Perle ebenso gut, wie als Thriller ohne Längen. Abgerundet wird das gute Bild vom Score Bernard Herrmanns, der schon zuvor die berühmten Klänge für „Psycho“ einspielte.
Fazit: Großartiger Thriller eines aufkommenden Regiemeisters, der sich sehr, sehr tief vor seinem Vorbild Alfred Hitchcock verbeugt. 7/10 Punkten