Review

Das Fenster zum Psycho

Lange bevor echte Filmnerds regelmäßig selbst zu gefeierten Regisseuren wurden (ala Quentin Tarantino oder Damian Chazelle), gab es Brian De Palma - ein Hardcore-Fan von Hitchcock, Giallos & Horrorfilmen, der wie niemand Anderes blutdurchnässte Hommagen an seine Vorbilder formte. "Sisters" kann man Vorspiel, zu dem was da noch kommen sollte, nennen, wirkt jedoch schon erstaunlich kreativ, vielschichtig, trickreich. Er erinnert an eine psychedelische Mischung aus "Psycho", "Freaks" & "Rear Window". Außerdem sicher eine der größten Inspirationen für den damals aufkommenden David Cronenberg & seinen Bodyhorror. "Sisters" ist Horror des Körpers & des Geistes. Dazu noch verdammt lustig & pointiert. Der trippige Thriller handelt von einer Frau, die im Apartment gegenüber einem grausamen Mord beobachtet. Viel Blut, eine verschwundene Leiche & ein tödlicher Zwilling - ein Mysterium, das nicht gut ausgehen kann...

De Palma liebt es den Hut zu ziehen, hier in mehrfacher Hinsicht (& nicht zum letzten Mal) vor allem vor "Psycho". Sein eigener Stil ist jedoch unverkennbar & er ist alles andere als ein billiger Kopierer. Eher der beste Hommage-Regie-Künstler aller Zeiten. Sein "Sisters" ist ein faszinierender Film, in dem er schon ziemlich nah an seine Nische rutschte. Gerade die SplitScreen-Sequenzen waren extrem spannend & die (wenigen) Gewaltausbrüche schlagen hart ein. Wirklich eine gemeine Killerin - gerade als Mann zuckt man da schonmal zusammen! Zwischendurch gibt es immer mal wieder Hänger, die spätestens im sehr experimentellen & alptraumhaften Finale vergessen sind. Das der abwechslungsreiche Ami-Giallo nur 90 Minuten geht, meint man trotzdem nicht - das die Zeit verflogen ist, würde ich nicht gerade behaupten. Zu zäh zwischendurch. "Sisters" ist ein einschneidendes Frühwerk & gerade für Hitchcock-Fans ein weiteres De Palma-Muss - dreckig, krank, roh. Seine besten Zeiten lagen aber noch eindeutig vor ihm.

Besondere Pluspunkte sammelt der Film durch kleine Details, die viel zur seltsamen Stimmung beitragen. Da wäre die Musik von Hitchcock-Hofkomponist Bernard Hermann, die das zweischneidige Geschehen spitzfindig & extrem passend unterlegt. Dazu William Finley als einer der gruseligsten Stalker & verrückten Wissenschaftler überhaupt. Margot Kidder mit einer ganz speziellen Doppelrolle & französischem Akzent bietet ihm allerdings gut Paroli. Und wem das noch nicht reicht, der kriegt einen wunderbar verstörend Fötus-Vorspann, eine der lustigsten finalen Einstellungen im Thriller-Genre & den Beweis, dass ein ausgewachsener Mann, in eine Klappcouch passt. Stark & verstörend rohes 70er-Kino, dass die Vergangenheit anhimmelt und gleichzeitig in die Zukunft deutete. Slasher, Psychothriller, schwarze Komödie - "Die Schwestern des Bösen" ist edelstes Bahnhofskino, das tief ins Unterbewusstsein eindringt & seine verwirrende Message hinterlässt. There is no body, because there is no murder!!! Ja ne, is klar!

Fazit: "Sisters" manifestiert De Palmas unverkennbaren Hommage-Style & ist sein wichtigstes Frühwerk. Gerade wenn man die Vorbilder kennt & liebt, ein besonderer Spaß, selbst wenn dann die ein oder andere Überraschung früher klar sein dürfte. Ein spaßiger Mix aus Hitchcock & Cronenberg - freakiger Psychothriller mit zwei Seiten.

Details
Ähnliche Filme