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Sparsam inszeniertes filmisches Kleinod, das dennoch schon alles aufzeigt, was de Palma später berühmt machte: sorgfältig geplante Kameraarbeit inklusive beeindruckender Split-Screen-Sequenzen, mörderische Spannung, blutige Morde und viele, viele Hitchcock-Zitate.

So darf man an einer Stelle das Einbahnstraßenschild aus VERTIGO bewundern, ein Mord und eine anschließende private Hausdurchsuchung werden durch ein Fenster beobachtet (DAS FENSTER ZUM HOF) und der gesamte Grundplot riecht nach PSYCHO mit vertauschten Geschlechtern. So wird die scheinbare Identifikationsfigur des Films nach einer halben Stunde von einer schizophrenen Killerin dahingemeuchelt, die sich im Wahn zwar nicht für ihre tote Mutter, dafür aber für ihre abgenabelte siamesische Schwester hält. Die blutige, mittlerweile schon berüchtigte Metzelei wird im Nachbarhaus von einer Journalistin beobachtet, die daraufhin die Ermittlungen aufnimmt - wäre bloß die Leiche irgendwo auffindbar (aber die ist gut versteckt - fast so gut wie in IMMER ÄRGER MIT HARRY...)

Trotz der vielen Zitate kocht de Palma wie gewohnt sein eigenes Süppchen und so bleibt die Spannung bis zum Finale in einem ziemlich irren Irrenhaus enorm spannend - auch wenn das ganze am Ende recht psycho-, pardon, psychedelische Züge annimmt. Zudem bricht de Palma die Erzählung immer wieder mit schwarzhumorigen Einfällen. So macht er sich am Anfang bereits 1972 über voyeuristische Tendenzen im Fernsehen lustig. Alles in allem zeigt SISTERS bereits überwiegend die Klasse eines (zwischenzeitlich) großartigen Regisseurs.

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