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New York: Der junge Phillip Woode und die angehende Schauspielerin Danielle Breton lernen sich als Teilnehmer einer Fernseh-Show kennen und verbringen im Anschluss an die Aufzeichnung die Nacht miteinander... und das, obwohl Danielles merkwürdiger Ex-Mann Emil den beiden den ganzen Abend lang hinterherspioniert hat. Am nächsten Morgen hört Phillip zunächst ein Streitgespräch mit an, dass Danielle lautstark mit ihrer Zwillingsschwester Dominique führt und erfährt anschließend, dass seine Eroberung Geburtstag hat. Als er die Schwestern mit einem Geburtstagskuchen überraschen will, wird er allem Anschein nach von Dominique mit einem Küchenmesser erstochen. Den Mord beobachtet zufällig die Kolumnistin Grace Collier, die in dem gegenüberliegenden Mietshaus wohnt und prompt die Polizei verständigt. Danielle konnte derweil mit Hilfe ihres Ex-Mannes sämtliche Spuren der Tat beseitigen und die Leiche verstecken, so dass die Polizei-Beamten der Geschichte der Collier keinen Glauben schenken. Diese engagiert daraufhin den Privat-Detektiv Larch, der Beweise ranschaffen soll, dass tatsächlich ein Verbrechen geschehen ist. Bei ihren Nachforschungen kommt heraus, dass es sich bei den Brenton-Schwestern um einen der berühmtesten Fällen von siamesischen Zwillingen gehandelt hat... und dass Dominique damals bei der Trennung auf dem Operations-Tisch gestorben ist... Nach einigen frühen Counterculture-Komödien stellt "Die Schwestern des Bösen" einen Schlüsselfilm im Œuvre von Brian De Palma dar, der hier erstmalig Thriller-Terrain betritt und sich dabei prompt als legitimer Erbe Alfred Hitchcocks outet, denn innerhalb der ebenso spannenden wie wendungsreichen Handlung werden zahlreiche Anleihen bei "Psycho", "Das Fenster zum Hof" und "Cocktail für eine Leiche" doch recht augenscheinlich - aber nicht aufdringlich! - verarbeitet. Anders als Hitchcock schreckt De Palma an zwei Stellen aber auch nicht vor dem Einsatz ziemlich blutiger Schock-Effekte zurück, welche da direkt dem Horror-Genre entstammen und das Ganze als ebenso handfesten wie zeitgemäßen Vertreter seiner Gattung kennzeichnen, der mit seinen graphischen Effekten in der Ära nach "Die Nacht der lebenden Toten" bestehen kann. Die wenig plausible Geschichte, die von der psychologischen Warte aus betrachtet aber ausreichend beleuchtet wird und so an Glaubwürdigkeit gewinnt, entpuppt sich da schlussendlich als ziemlich bizarrer Zwillings-Horror und damit irgendwie als ein früher Bruder im Geiste und Vorläufer von sowohl Frank Henenlotters "Basket Case - Der unheimliche Zwilling" als auch David Cronenbergs "Die Unzertrennlichen". Handwerklich ist Brian De Palma hier bereits früh ziemlich weit oben auf und kann mittels einer ausgefeilten Inszenierung, die sich vornehmlich durch einen immerzu passenden Einsatz filmischer Stilmittel auszeichent (besonders gelungen: Die mehrminütige Split-Screen-Sequenz mit der Tatort-Reinigung und dem Verschwindenlassen der Leiche) den Zuschauer bisweilen sogar vergessen lassen, dass das Ganze im Grunde genommen doch nur ein recht billiges B-Movie ist... allerdings eines von der Sorte, die einen über die gesamte Laufzeit unter Strom hält. Abgerundet wird "Die Schwestern des Bösen" von durch die Bank passablen Darsteller-Leistungen... insbesondere von Margot Kidder in der Titel-Doppel-Rolle, die sich neben dem vorliegenden Streifen ja auch mit Bob Clarks 1974er-Klassiker "Jessy - Die Treppe in den Tod" sowie dem Spukhaus-Langweiler "Amityville Horror" in die Annalen des 70er-Jahre-Genrefilms eingeschrieben hat. Okay, zugegeben: Neben De Palmas absoluten Meisterwerken, die da noch folgen sollten, kann "Die Schwestern des Bösen" zwar rückblickend betrachtet bestehen, mit diesen aber natürlich nicht wirklich mithalten... aber so einen überschätzten Streifen wie "Blow Out - Der Tod löscht alle Spuren" schlägt er auch heute noch um Längen! Fazit: Ein hübsch fieses Psycho-Thriller-Kleinod der 70er.

8/10

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