Ruft man sich Weihnachtsfilme der vergangenen Jahre oder Jahrzehnte ins Gedächtnis zurück, wird einem wahrscheinlich kaum einer einfallen, bei dem ausschließlich Afroamerikaner im Fokus stehen, was für sich betrachtet schon bedenklich ist. Noch bedenklicher hinsichtlich „Holiday Rush“ ist allerdings, dass ihn einzig und allein dieser Umstand ein wenig von der Masse übriger Weihnachtsfilme unterscheidet.
New York, kurz vor Weihnachten: Der beliebte Radio-DJ Rush (Romany Malco) und seine Produzentin Roxy (Sonequa Martin-Green) werden entlassen. Rush, seit fünf Jahren Witwer, hat Mühe, seinen vier verwöhnten Kids die neue Situation beizubringen und sie zum Umzug ins Haus ihrer Tante Jo (Darlene Love) zu bewegen. Doch dann hat Roxy die Idee, jenen Sender zu kaufen, der den beiden einst zum Erfolg verhalf…
Das Weihnachtswunder mit Hindernissen folgt den überaus gängigen Genrekonventionen: Schicksalsschlag mit zahlreichen Einzelproblemen, dann der Hoffnungsschimmer, welcher kurz vor der Realisierung beinahe zu platzen droht. Leider wird man mit den wesentlichen Figuren nur schwerlich warm, denn Rush kommt anfangs reichlich arrogant rüber, während die verzogenen Kids alles andere als Sympathien schüren. Tante Jo hätten ein paar flotte Sprüche gewiss gut zu Gesicht gestanden, doch da kommt genauso wenig wie von den zwei Bösewichtern. Einzig der Enthusiasmus und das positiven Denken von Roxy sorgen für ein wenig Elan.
Denn mit dem Aufbau einer zweiten Radiokarriere beschäftigt sich die Geschichte nur sehr oberflächlich, sie dient vielmehr als Aufhänger für das Durchkauen familiärer Probleme, einschließlich einer noch nicht abgeschlossenen Trauerbewältigung. Diesbezüglich driftet der Stoff früh ins Kitschige ab, als die verstorbene Ehefrau, umgeben von einem goldenen Glitzerrand, als Ratgeberin erscheint. Anderweitig ist Regisseur Leslie Small merklich darum bemüht, möglichst wenig traditionelle Weihnachtsklänge einfließen zu lassen, es sei denn man empfindet „Christmas in Hollis“ von Run DMC als anheimelnd.
Zudem wirken die Bemühungen viel zu zaghaft, etwas Humor einfließen zu lassen. Zwar üben sich einige Nebenfiguren im Overacting, doch viele Dialoge wirken arg aufgesetzt und unglaubwürdig, während Situationskomik fast gar nicht vorhanden ist. Überzeugender kommen eher traurig stimmende Momente rüber, etwa als Rush ein Weihnachtsvideo mit seiner Ehefrau sichtet. Und immerhin wird die Kernbotschaft einigermaßen überzeugend vermittelt, sich in einer Krisensituation auf seine Wurzeln zu besinnen, wobei familiärer Zusammenhalt natürlich eine wesentliche Rolle spielt.
Letztlich bringen die Mimen zu wenig Präsenz mit, speziell die jüngeren performen zeitweilig deutlich neben der Spur. Handwerklich befindet sich die Produktion auf durchschnittlichem TV-Niveau, die den Geist der Weihnacht nur in Ansätzen streift, denn die Chose bleibt unterm Schnitt zu harmlos, zu vorhersehbar und vor allem mangelt es am notwendigen Charme.
4 von 10