Star Wars Epsiode IX – Der Aufstieg Skywalkers
Nun ist es soweit. Die Saga findet ein Ende, wenn auch sicherlich nicht endgültig. Gleich vorneweg. Diese Review ist spoilerfrei, jedoch werde ich für die Besprechung relevante Handlungsdetails kurz erwähnen ohne zu viel zu verraten.
Episode VIII hat die Rebellion mit dem Rücken zur Wand zurückgelassen. Zweifellos ist etwas Zeit vergangen. Denn immerhin konnte man wieder eine kleine Flotte auf einem versteckten Stützpunkt zusammenstellen. Selbstverständlich ist der Millenium Falke ein Teil derselben. Wie wir zu Beginn erfahren, ist der Imperator Palpatine noch am Leben und will jetzt mit Kylo Rens Hilfe der Rebellion den Rest geben.
Rey, Finn und Poe machen sich auf den Weg, um den Imperator zu finden und zu vernichten. Soviel zur groben Handlung. Es muss nicht extra erwähnt werden, dass auch dieser Teil der Saga gewaltige Raumschlachten, Lichtschwertduelle und Machtspielereien bietet.
Kommen wir nach dem Vorgeplänkel zur eigentlichen Kritik. Da der Kinostart bereits mehr als eine Woche zurückliegt, komme ich nicht umhin, die Reaktionen auf den Film mit einzubeziehen. Dazu aber später mehr.
Es ist schön zu sehen, dass Rey, Poe und Finn diesmal zusammenarbeiten. Während die Gruppe in Episode 8 meist getrennt voneinander arbeitete, funktioniert man hier als Team. Das macht Lust auf mehr. Leider kommt hier Kelly Mary Trans ‚Rose‘ viel zu kurz. Dabei war sie in Epsiode VIII eine der wichtigsten Figuren.
Dabei ist die Story an sich recht simpel: Die Rebellion muss den Imperator vernichten, bevor er mit seiner Flotte zum vernichtenden Schlag gegen die Galaxis ausholten kann. Simpel, vielleicht einfallslos, aber auch effektiv.
Die Story mag dabei eher immer auf Nummer sicher gehen zu wollen, funktioniert jedoch ganz hervorragend und liefert genug Gründe für spektakulär inszenierte Momente. In seinen stärksten Momenten fühlt man sich in die Originalfilme zurückversetzt: Die Rebellion auf ihrem geheimen Stützpunkt, ein eigentlich simpler, aber schwer durchführbarer Plan und das gemeinsame Arbeiten als eingeschworenes Team. Abrams hat ein gutes Gespür für tolle Bilder und ergreifende Momente. Dabei schafft er es weitgehend eine gut laufende Dynamik aufzubauen, die bis zum Schluss nicht abbaut. Etwas, dass in Episode VII nicht so gut funktioniert hat, da man damit beschäftig war, alte Figuren zusammen mit den neuen auf die Leinwand zu bringen. Allenfalls der Anfang kommt etwas gehetzt und sprunghaft daher, dass in mir der Wunsch aufkommt, Abrams hätte sich für den Anfang etwas mehr Zeit genommen.
Im direkten Vergleich zu Episode VII läuft Episode IX dennoch deutlich runder. Und was ist mit Episode VIII?
Damit kommen wir zum zweiten Kritikpunkt. Schon bei George Lucas Prequel-Trilogie zeigte sich deutlich, dass Star Wars eine große, leidenschaftliche, zum Teil geradezu fanatische Fanbase hervorgebracht hatte. Es gilt unter vielen Fans das Totschlag-Argument: Die Original-Trilogie kann und darf nicht kritisiert und schon gar nicht verändert werden. Alles andere verrät die Originalfilme. Während für die Prequel-Trilogie einige Jahre ins Land gehen konnten, bleiben die harten Positionen vieler Fans noch immer unverrückbar. Noch erschwerend kommt hinzu, dass die alten Filme einen Legendenstatus erreicht haben, der jede objektive Kritik erschwert. Warum ich all das schreibe?
Die neue Trilogie wurde unter der Bedingung nicht zu erfüllender Erwartungen ins Leben gerufen. Sollten Fans sich nicht freuen? Sollte man meinen. Aber J.J. Abrams und der böse Disney-Konzern verraten Ideen und zerstören ganze Kindheiten.
Als J.J. Abrams seine Episode VII ins Kino brachte, warfen ihm viele vor, statt einer eigenständigen Geschichte einen Nostalgietrip geschafften zu haben, der wie ein Remake des ersten Filmes wirkte.
Als Rian Johnson seines Episode VIII ins Kino brachte, warfen ihm viele vor, dass sein Star Wars-Film zu anders sei und damit die alten Filme verrate. Und ganz nebenbei hat er dabei zahlreiche Kindheiten zerstört. Böser Johnson.
Und jetzt, nachdem Abrams seine Episode IX ins Kino brachte, warfen ihm viele vor, er würde die Ideen des Vorgängerfilms verraten und stattdessen mutlose Kurskorrekturen bringen, um die aufgebrachte Fanbase zu beruhigen.
Man kann es niemandem rechtmachen. Tatsächlich ist der Vorwurf der Mutlosigkeit nicht ganz unbegründet. Bei zu vielen Gelegenheiten mach Abrams nach einem kühnen Schritt entweder sofort oder später in der Handlung einen Rückzieher. Hier wäre es schlauer gewesen, diesen leicht missglückten Kunstgriff nicht wiederholt durchzuführen. Tatsächlich unternimmt Abrams nicht nur innerhalb seines Filmes immer wieder Kurskorrekturen, sondern auch in Bezug auf den Vorgänger. Dies wird vor allem auf Reys Eltern angewendet. Man kann von der neuen Geschichte halten, was man will. Ein Problem mit der gesamten Trilogie wird dabei jedoch offenbar:
Nur allzu deutlich wird in der Gesamtbetrachtung, dass die neue Trilogie nicht von Beginn an komplett durchgeplant war, sondern allenfalls in groben Zügen.
Eine in sich zusammenhängendere Erzählung wäre für das Gesamtergebnis besser gewesen.
Dass Palpatine nun als eigentlicher Puppenspieler hinter der Neuen Ordnung und der Erschaffung Kylo Rens offenbart wird, mag man gerne als hilflosen Versuch betrachten, dass abdriftende Schiff ‚Neue Star Wars Trilogie‘ wieder auf Kurs zu bringen. Und gerne wird hier weitschweifig unter Fans argumentiert, dass Palpatines Auftritt nicht nur unglaubwürdig sei, sondern zusätzlich Anakin Skywalkers/Darth Vaders Opfer am Ende von Episode VI entwerte. Dagegen habe ich zwei Gegenargumente:
Palpatine als böser Schatten im Hintergrund und seine erneute Konfrontation mit der Rebellion stellt keine neue Idee dar, die der böswillige Disneykonzern ins Leben gerufen hat. Stattdessen existiert diese Idee bereits im Comic ‚Das dunkle Imperium‘.
Anakins Opfer mag zwar letzten Endes nicht Palpatines endgültiges Ende bewirkt haben. Aber einerseits triumphierte Anakin über sein böses Alter Ego Darth Vader und zeigte damit, dass die Macht des Imperators eben doch endlich ist und andererseits bewirkte er damit einen neuen Frieden in der Galaxis sowie ein Wiederaufbau der Republik, wenn auch nur auf Zeit. Zu behaupten, Episode IX verrate damit Anakins Opfer halte ich für schlicht falsch.
Über diese Punkte könnte man jetzt sicher vortrefflich streiten. Und mittlerweile beschäftigen sich viele Schreiberlinge seitenweise mit Texten, die lang und breit die neue Trilogie auseinandernehmen.
Ein anderer Kritikpunkt, der häufig genannt wird, ist dass die Story wenig Sinn mache.
Aber mal ganz ehrlich: Selbst die Originalfilme stellten schon keine Meisterleistungen an Logik da:
Ein Ventilatorschacht als tödliche Schwachstelle einer gigantischen Raumstation? Kleine primitive Bärchen als ernsthafte Bedrohung? Ein riesiger Weltraumwurm, der ohne Sauerstoffzuvor in einem Asterioiden lebt und darauf warten muss, dass sich irgendwann vielleicht ein Raumschiff in seinen Leib verirrt, damit er was zu knabbern hat? Von der existierenden Atmosphäre in seinem Körper während seine Umwelt ein Vakuum darstellt, ganz zu schweigen. Außerdem möchte ich nicht der bedauernswerte Wartungstechniker sein, der sich um den Traktorstrahl des Todessterns kümmern muss. Die Zahl der Arbeitsunfälle muss da beträchtlich sein. Welcher Architekt würde sich so etwas wohl ausdenken?
Ich könnte diese Liste jetzt noch eine Weile fortführen. Mein Punkt ist: In Star Wars-Filmen ging es nie um ausgefeilte Storys, komplexe Charakterentwicklungen oder gar um hochwertige Dialoge. Es waren immer die Mischung aus Fantasy, Abenteuer und Science-Fiction Elementen, ein spannendes Universum, der klassische Kampf zwischen Gut und Böse, die mystische Macht der Jedi und alle Menschen und Kreaturen, die diese Welten mit all ihren Eigenheiten bevölkern. Zumindest für mich.
Genau diese Mischung funktioniert auch in Episode XI zufriedenstellend. Insgesamt betrachtet bringt J.J. Abrams die neue Trilogie zu einem befriedigenden Abschluss, auch wenn ich mir einen besseren Anfang und etwas mehr Mut bei den Story-Twists oder überhaupt ein in sich schlüssigeres Gesamtbild gewünscht hätte.
Ein paar Nachgedanken:
Ich denke, dass wie bei allen Filmen auch hier die Frage gestellt werden muss, wie man generell an Filme herangeht. Entweder gefällt mir ein Film, weil er als solcher funktioniert oder er gefällt mir nicht, weil dieses oder jenes nicht funktioniert.
Für andere geht es scheinbar in erster Linie um ihre eigenen Ideen und Ansichten über die Welt, Marke oder generell über die Wahrnehmung von Film, die scheinbar immer auf einen persönlich bezogen werden muss.
Was mir besonders bei Star Wars-Filmen auffällt, betrifft nicht nur die Leidenschaft, mit der viele Fans dem Franchise begegnen, sondern auch den beunruhigenden religiösen Eifer, der hier häufig zutage tritt. Hier geht es um Ideale, die nicht verraten werden dürfen und eine geradezu dogmatische Betrachtung der Originaltrilogie. Gruselig ist der ganze Hass, der im Netz ungefiltert ausgekotzt wird. Es ist unglaublich wie viele Menschen sich durch Rian Johnson, Disney oder auch Abrams persönlich angegriffen fühlen und mit Hass, Verachtung und Spott reagieren. Erinnert sich noch irgendjemand von diesen Leuten, wohin das führen kann, wenn man sich dem Hass und der Angst hingibt?
In der Welt von Star Wars gerät man auf die dunkle Seite der Macht. In der wirklichen Welt werden dadurch Demokratien zerstört.
Star Wars Episode IX hat eine große Geschichte abgeschlossen, die eigentlich schon abgeschlossen war. Man könnte nun um das Für und Wider einer neuen Trilogie diskutieren. Und sicher hat der Disneykonzern dabei auch beträchtliche Gewinne im Blick gehabt. Aber welche Produktionsfirma hat das nicht? Ich bekomme dabei immer den Eindruck, als wäre der Disneykonzern der einzige, der nicht gewinnorientiert arbeiten darf. Das nur so nebenbei.
Hätten wir die neue Trilogie wirklich gebraucht? Ehrlich? Meine Antwort darauf:
Und ob! Das wurde aber auch Zeit!