*** Der Text enthält Spoiler ***
Ursprünglich sollte Colin Trevorrow den finalen Film der Sequel-Trilogie inszenieren. 2017 zog er sich aus dem Projekt allerdings zurück wegen kreativer Differenzen. Also setzte man wie bei „The Force Awakens“ (2015) J. J. Abrams wieder auf den Regiestuhl und dieser wurde mit der Aufgabe betraut, Disneys Trilogie zu einem Abschluss zu bringen. Wobei das nun vorliegende Produkt noch Elemente von Trevorrows Entwurf beinhaltet, den er mit Derek Connolly verfasste. Abrams und Chris Terrio stellten das Skript fertig, was vermutlich nicht so einfach war. Denn das, was Rian Johnson mit „The Last Jedi“ (2017) hinterlassen hatte, musste nun aufgeklaubt und zu Ende gebracht werden. Überdies sollte die Anhängerschaft besänftigt werden und so ist das Ergebnis ein zerfahrener Abschluss einer ebensolchen Trilogie, angereichert mit Fanservice und Recycling. Dabei grenzt sich „The Rise of Skywalker“ einerseits von „The Last Jedi“ ab, vergeigt aber selbst mehr als genug.
Bis es dazu kommt gibt es allerdings ein letztes Mal den gewohnten Beginn. Der blauen Schrift auf schwarzem Grund folgt die kurze Stille, bevor der Titelschriftzug aufleuchtet und das musikalische Hauptthema einem verheißungsvoll entgegendröhnt. Der einsetzende Lauftext gibt umgehend Preis, dass der totgeglaubte Imperator Palpatine wieder da ist. Rey arbeitet weiter an ihrer Ausbildung zur Jedi und Kylo Ren macht sich auf die Suche nach dem Auferstandenen, um ihn aus Eigeninteresse aus dem Weg zu räumen.
Damit hat es sich aber schnell, denn kaum trifft Ren auf Palpatine, erklärt der ihm was über Snoke und überzeugt Ren davon, Rey zu beseitigen. Und übrigens war er es die ganze Zeit, der Ren beeinflusst hat und hinter der First Order stand. Und man kommt nicht umhin zu bemerken, dass Abrams es hier verdammt eilig hat. Es gibt viel zu erklären und geradezubiegen, nur dafür scheint „Episode IX“ zu existieren. Denn in diesem Tempo geht es weiter, weil der Film offene Fäden aus gleich zwei Vorgängern zusammenführen muss, den direkten Vorgänger dabei ersetzen sowie fortführen will und dazu noch den erzählerischen Kleber dazwischen liefern darf.
„Somehow Palpatine returned“ hat sich zurecht zu einem Meme und der zusammengefassten Planlosigkeit dieser Trilogie entwickelt. Nun kann man anführen, dass der Imperator auch schon zuvor im früheren Expanded Universe / Legends zurückkehrte (Beispiel „Dark Empire“). So hingerotzt wie hier ist das in Filmform allerdings schwer zu schlucken. Dazu fehlt ein Aufbau, der zu dieser Situation führt. So wird kurz seitens der Kollegen um Poe Dameron spekuliert und das Thema ist erledigt. Kommt eben davon, wenn man den in „Episode VII“ aufgebauten Schurken im Nachfolger beseitigt und irgendwas aus dem Hut zaubern muss, weil hier jede(r) meint, die eigene Vision der Reihe aufzwängen zu müssen. Man konnte George Lucas einiges vorwerfen, aber er hatte ein Konzept und eine durchdachte Idee, wohin die Reise gehen soll. Das geht der Sequel-Trilogie nun einmal ab, was sich von Film zu Film mehr offenbarte.
Abrams und Johnson werfen sich während der Trilogie filmisch die Mittelfinger zu und verbringen nicht wenig Zeit damit, Vorangegangenes umzugestalten. Da wirft nun Rey das Lichtschwert, doch nun fängt es Luke mit „A Jedi's weapon deserves more respect“. Kylo Ren bekommt seine Maske wieder zusammengesetzt, das Holdo-Manöver wird abgetan. Es ist schon pathologisch wie sehr man hier bemüht ist, aufzuräumen. Das schlägt sich auch im Erzählrhythmus nieder. Teilweise schneidet man in so kurzen Abständen hin und her, dass sich Szenen kaum entfalten können.
Wie schon im Vorgänger versucht man mit einem zeitlich festgelegten Zeitraum Dringlichkeit zu schaffen. Das Szenario ist ja nicht schlimm genug, da braucht es noch die Erwähnung, wie viele Stunden noch übrig sind. Das sind Kleinigkeiten in der Erzählung, aber sie spiegeln für mich die Verzweiflung wieder, mit der man in diese sich abhetzende Abfolge von Plotpunkten noch etwas wie Dramatik einbauen wollte. Dies erreicht man aber eher über Bindung an Figuren. Doch auch dafür hat „The Rise of Skywalker“ keine Zeit.
Der einzig wirklich emotionale Moment ist Chewies Reaktion auf Leias Tod. Diese zehn Sekunden geht der Film ans Herz. Vielleicht noch etwas länger, wenn Ben Solo und Kylo Ren miteinander ringen, symbolisiert durch das Gespräch mit Han, das manch Vergangenes zitiert und als innerer Monolog funktioniert.
Weniger klappt es mit dem Gefühl im Finale mit dem Sterbe-Rettungs-Sterbe-Ballett zwischen Ben und Rey oder wenn sich zwischen ihnen ein ins Skript gezwungener Kuss vollzieht. Jedwede funktionierende romantische Entwicklung muss mir da entgangen sein. Wenn sich am Ende Rey, Finn und Poe nach der gewonnenen Schlacht in den Armen liegen ist da kein triumphierendes oder erleichtertes Gefühl. Für die Verbindung der drei Figuren, die hier im letzten Teil das erste Mal zusammenarbeiten, hat die Trilogie einfach zu wenig getan.
Das Finale zuvor ist im Groben wieder eine Spiegelung von „Episode VI“, die man auch schon im Vorgänger hatte. Drinnen geht es um die helle und dunkle Seite, draußen gibt es das Kampfgetümmel, das sich Luke, äh Rey anschauen muss, während der Imperator redet. Dazu gibt es hier nicht nur einen Todesstern, sondern quasi Tausende, sodass wieder irgendwo Ziel X ausgeschaltet werden muss.
Einiges ist wieder zum Kopfschütteln. Das Gespringe mit der Lichtgeschwindigkeit durch Poe ist völlig drüber, Chewies vermeintlicher Tod ist ein billiger Kniff, Lichtschwert per Macht an den Kollegen schicken wirkt hier schon routiniert. Was hier wieder alles etabliert wird, lässt die Macht als beliebige Hilfskraft für alles erscheinen. Ein allmächtiger Zaubertrick, der Drehbuchprobleme löst. Die Figuren sind hier übermächtig und werden vor keine Probleme gestellt, die sich nicht in kürzester Zeit per glücklicher Fügung quasi von selbst lösen. Es tauchen immer die richtigen Leute zur richtigen Zeit am richtigen Ort auf und man findet alles was man braucht ohne viel Aufwand. Informationen und Mittel fliegen den Figuren zu, Machtgeister greifen in die Realität ein, alles geht und wird dadurch beliebig. Spannend ist da nichts mehr. Lebenskraft übertragen, kein Problem. Wenn das Qui-Gon gewusst hätte. Palpatine lässt alle Schiffe „abblitzen“, man wähnt sich im MCU.
Der Humor wirkt auch wieder zu oft wie aus diesem und wie schon in „The Last Jedi“ brauche ich dieses Durchbrechen von emotionalen Szenen einfach nicht in diesem Franchise. Das interessiert die Macher nicht, kreative Gleichschaltung verkauft an mehr Zielgruppen. Da muss diese Einrad-Quengelware D-O nach C-3POs selbsternanntem letzten Blick auf seine Freunde natürlich auch noch „Sad!“ sagen, damit es auch der Letzte kapiert. Dazu kommt diverses Gekabbel zwischen den Figuren, die hier stellenweise auffallend geschwätzig sind. In der Menge ist mir das dann zu albern.
Zwischendurch kümmert sich der Film dann tatsächlich mal darum, noch etwas zu erzählen. Weil er es muss und hier versucht er wenigstens, ein paar lose Fäden zu verbinden. Dies mündet wieder in einer Art Schnitzeljagd über mehrere Planeten hinweg und greift auch wieder die Frage nach Reys Herkunft und Identität auf. Und hier liefert das Skript dann tatsächlich mal eine Antwort. Mit der man dann leben muss. Dass sich Rey in der letzten Szene einen anderen Nachnamen gibt, rechtfertigt für Disney vermutlich den Namen „Skywalker Saga“. Ungläubig sieht man sich das Abenteuer so beenden.
Ein paar neue Orte gönnt man dem Publikum auch hier. Wobei mit Pasaana die x-te Sandkugel präsentiert wird. Immerhin ist die Festivität dort nett anzusehen. Kijimi ist da doch um einiges stimmiger und sieht richtig gut aus. Und gibt es auch hier wieder eine Cantina-Szene, so wirkt sie weit weniger aufdringlich eingefangen als in den Vorgängern und bietet sogar einen unverzichtbaren Mitarbeiter als Barkeeper. Der Mond Kef Bir bietet eine phantastische Aussicht auf die Trümmer des zweiten Todessterns (warum auch immer was von dem übrig ist). Ebenso chic ist die Sith-Festung auf Exegol, ein schön schauriger Ort, von dem ich gerne noch mehr gesehen hätte (ohne Stroboskop). Der dortige Thron geht auf eine Konzeptzeichnung von Ralph McQuarrie zurück, der diese schon für „Return of the Jedi“ (1983) schuf. Man darf McQuarries Einfluss auf die visuelle Gestaltung der gesamten Reihe nicht unterschlagen und es ist schön zu sehen, dass seine Designs bis hierhin überdauert haben und genutzt wurden.
Für mich sieht „The Rise of Skywalker“ insgesamt besser aus als „The Last Jedi“. Natürlich gibt es insbesondere im Finale wieder überbordend viel CGI und Kylo Rens Raum auf seinem Schiff sieht nach billigem Plastik aus. Aber viele Designs, insbesondere auf Kijimi und Exegol, sind chic und es ist schade, dass nicht mehr Zeit blieb, diese Welten zu erforschen.
Auch im finalen Film der Reihe mag man sich über Rey wundern, wozu sie alles fähig ist. Das war schon kurz nach dem Beginn ihrer Reise bemerkenswert, es steigerte sich von Film zu Film. Hier zumindest scheint etwas Zeit vergangen zu sein und sie ging bei Leia in die Lehre. Es verblüfft dennoch, wie überlegen ihre Fähigkeiten selbst gegenüber manch großer Gestalt aus der Vergangenheit zu sein scheinen. Und ich dachte immer, sowas braucht eine längere Ausbildung. Man schiebt es wohl einfach auf ihre Herkunft. Das ist praktisch, rechtfertigt das aber nicht. Außer man akzeptiert, das Abstammung alleine ausreicht – was allen bislang erklärten Konzepten der Machtnutzung und des Erlernens zuwiderläuft. Immerhin darf sie sich in diesem Teil der Reihe auch mit ihrer dunkleren Seite auseinandersetzen. Also kurz, für mehr ist keine Zeit. Keine Reflexion, lieber Heilkräfte etablieren. Und natürlich spürt sie eine stärkere Verbindung zu den Skywalkers, wie auch die Machtgeister am Ende nochmal für die hinterste Reihe verdeutlichen sollen. Die letzte Szene inklusive Namensänderung ist dennoch lächerlich. Daisy Ridley selbst braucht sich da aber nicht viel vorwerfen. Sie spielt durch die Trilogie hindurch nahbar und sympathisch, die Figur selbst bleibt nur recht unspannend.
Mitleid gibt es da eher für Finn bzw. das, was man bei der Steilvorlage mit der Figur gemacht hat. John Boyega war selbst damit auch nicht sonderlich glücklich und das ist leicht nachzuvollziehen. Es steckte viel Potenzial in diesem Deserteur. Im letzten Film wird er überwiegend mitgeschleift, wobei er schon im vorigen Teil der Reihe nicht viel zu tun hatte und man seine Vergangenheit nie erzählerisch ausgenutzt hat. Dass nun noch Machtsensitivität angedeutet wird kommt spät und ist letztlich irrelevant. Der Charakter wurde nicht genutzt.
Etwas mehr bekommt wieder Poe Dameron (Oscar Isaac) zu tun, der offenbar mal mit Spice gehandelt hat. Bei so vielen Wüstenplaneten kein Wunder. Seine Führungsrolle nach Leias Ableben fühlt sich eher an, als ob man nicht noch einen neuen Charakter präsentieren wollte. Seine Interaktionen mit Zorii (Keri Russell) sind mitunter charmant, die Dame dreht allerdings ihre Ansichten überraschend schnell und ist generell auch bald wieder vergessen.
Dass Carrie Fisher für die Dreharbeiten nicht mehr zur Verfügung stand, stellte die Macher vor ein Problem, sollte sie doch einen größeren Part im Abschlussfilm übernehmen. So kann ich dem erzählerischen Workaround nicht böse sein, auch wenn man sieht, dass ihre Auftritte nicht immer perfekt in die Szene passen. Verwendet wurden dabei ungenutzte Aufnahmen aus „The Force Awakens“ und letztlich ist das die bessere Lösung als sie einfach komplett aus dem Film zu nehmen oder nachzubesetzen. So bekommt sie noch ein paar Szenen und darf sich, soweit es eben die Umstände zulassen, würdevoll aus der Saga verabschieden.
Verabschiedet hatte sich zuletzt schon Luke Skywalker (Mark Hamill), der hier aber nochmal als Machtgeist zurückkehrt. Und wie beim Rest des Films möchte man auch hier wohl die Meute an Fans beruhigen und lässt ihn als weiseren Jedi-Meister auftreten. Das kann Rose Tico (Kelly Marie Tran) nicht von sich behaupten, denn anstatt die Figur dieses Mal einfach besser zu schreiben, schiebt man sie in den Hintergrund. Chewbacca (Joonas Suotao) bekommt endlich seine Medaille nachgereicht und dazu noch die emotionalste Stelle im gesamten Film. Fürs Fan-Herz gibt es noch ein paar Auftritte von Lando Calrissian (Billy Dee Williams) und ist es auch schön, ihn nochmal im Millennium Falcon zu sehen, so finde ich seine letzte Szene mit Jennah (Naomie Ackie) merkwürdig. Das kann ich auch über Maz Kanata sagen, die immer noch schräg aussieht und die Antwort auf ihre „gute Frage für eine andere Zeit“ aus „The Force Awakens“ wohl mit ins Grab nimmt.
Bei den Droiden bekommt C-3PO (Anthony Daniels) eine etwas prominentere Rolle, R2-D2 (Hassan Taj und Lee Towersey) bleibt Randfigur und BB-8 bekommt mit D-O ein verzichtbares Spielzeug an die Seite gestellt. Da ist mir Babu Frik doch lieber, der mir mit seinem Gruß aus dem Cockpit im Finale immer ein Grinsen aufs Gesicht zaubert.
Manche Prominenz tummelt sich gegen Ende auf der Tonspur wenn allerlei Figuren wie Obi-Wan Kenobi, Yoda, Ahsoka Tano oder Qui-Gon Jinn an Rey ihre Stärke verleihen wollen. Inhaltlich beknackt, immerhin schön anzuhören.
Die Suche nach Identität verbindet Rey mit Kylo Ren (Adam Driver), dieser macht hier eine Wandlung durch. Der Hin- und Hergerissene findet auf die helle Seite zurück und bekommt somit eine kleine Erlösungsgeschichte. Driver darf hier endlich eine etwas gefestigte Version der Figur spielen und wie an so vielem in der Sequel-Trilogie macht sich auch an Rens Figur fest, wie viele Chancen man verpasst hat. Aufgrund seiner Zerrissenheit war das ein idealer Charakter, um mit ihm eine gewisse dramatische Tiefe in die Erzählung zu bringen. Dazu kam es leider nicht, letztlich zieht man ihn noch schnell auf die helle Seite zurück und er darf sogar eins mit der Macht werden. Vader lässt grüßen. Letztlich wirkt das sehr bemüht, weil Ren sich nie dessen Stellenwert erarbeitet hat. Die Szene mit Han in seinen Gedanken ist einer der wenigen gelungenen Charaktermomente.
Der Bantha im Raum ist natürlich die Rückkehr von Ian McDiarmid als Sheev Palpatine. Der kennt seine Rolle schon aus den beiden vorigen Trilogien und an seiner Darstellung liegt es nicht, dass dieser (bis dato) finale Eintrag in die Reihe so ein zerfahrener Klumpatsch ist. McDiarmids Stimme alleine bringt schon wieder mehr Bedrohlichkeit aufs Tableau als die gesamte First Order in zwei Filmen zuvor, nur kann die von ihm dargestellte Figur das Gefühl eines Platzhalters nie ablegen.
General Hux (Domhnall Gleeson) wird hier als Spion mit eigennützig-trotzigen Motiven entlarvt und bis man durchdenkt, wer nun auf diesen dämlichen Twist gekommen ist, ist er auch schon beseitigt. Hux war nie ein interessanter Charakter, er war ein Spielball für seine Chefs sowie die Macher der Filme und bleibt als Witzfigur in Erinnerung.
Im letzten Film etabliert man dann tatsächlich (nach Canady im Vorgänger) noch einen ernsthaften Offizier der Bösewichte, jemanden wie General Pryde (Richard E. Grant) hätte es wirklich öfter geben dürfen. Grant passt in so eine Rolle auch perfekt rein und ich habe seine paar Auftritte schon alleine deswegen genießen können, weil er sich darstellerisch aus der Masse an nichtssagenden Figuren hier heraushebt.
Der Rest der dunklen Seite wie der Assassine Ochi oder die Knights of Ren bleiben eher unauffällig. Letztere wurden ja schon in „Episode VII“ erwähnt, aber man erfährt auch über diese nichts und am Ende sind es einfach ein paar gesichtslose Typen, die von Ben Solo beseitigt werden. Gesichtslos weil behelmt sind auch einige Promis von Ed Sheeran bis Karl Urban, die irgendwo zu „sehen“ sind.
Die First Order an sich wirkt hier etwas aufgeräumter und nicht mehr so albern wie in den beiden Filmen zuvor. Das Gesamtbild ändert das aber nicht mehr, auch das Update in die Final Order (letzte Bestellung? Anm. d. Red.) nicht. Das Imperium war da ein ganz anderer Antagonist, der im Gedächtnis bleibt. Das in der Sequel-Trilogie präsentierte Derivat konnte ich schwerlich ernst nehmen.
Im Mittelpunkt des Krawalls steht natürlich das Finale und hier packt der Computer ganze Flotten auf die Leinwand. Die Gefechte sind explosiv, wirken aber auch artifiziell ob ihrer Herkunft. Letztlich randalieren die Widerstandskämpfer auf dem Firmenparkplatz der Final Order. Für den Abschluss der Reihe ist das nicht mitreißend genug und als Höhepunkt lieferte „Return of the Jedi“ (1983) auf allen Ebenen mehr.
Hin und wieder wird das Lichtschwert gezückt, in Erinnerung bleibt am ehesten das Duell zwischen Rey und Kylo Ren in den tosenden Wellen vor der Kulisse des zerstörten Todessterns. Ungeachtet Rens Frisur bietet die Sequenz ansprechende Bilder, mit „The Phantom Menace“ (1999) oder „Revenge of the Sith“ (2005) können es diese aber nicht aufnehmen. Ben gegen die Knights of Ren fetzt nicht so richtig, da geht auch zu viel im Strobolicht unter. Aufgrund des hohen Tempos fühlt man sich eh durchweg bombardiert. Hier mal ein Feuergefecht, eine Verfolgung, ein Duell. Was die visuellen Effekte selbst angeht, so sind diese meist ansehnlich. Dass es auch immer wieder praktische Effekte zu sehen gibt, auch beim Kreaturendesign, ist da einen positiven Gedanken wert.
Wie bei jedem Film der Hauptreihe liefert auch hier John Williams die musikalische Untermalung. Und nach dem nicht so begeisternden Score zu „The Last Jedi“ gefällt mir die Musik zu „The Rise of Skywalker“ doch wieder besser. In so einem Finale darf und muss natürlich zitiert werden und so finden sich aus vielen anderen Teilen der Reihe Themen wieder. Der Score hört sich insgesamt runder an und bietet einige starke Stücke wie „A New Hope“ und „Farewell“.
Dazu erzählt Williams auch wieder auf der Tonspur mit. Reys finstere Gedanken über Palpatine resultieren in einer eigens instrumentierten Version des „Emperor's Throne Room“, wie auch Kylo Rens Thema anders klingt, wenn er gegen Ende als Ben Solo agiert. Die Reflexion der Figuren über die Musik hat Williams durch alle neun Teile getragen. Mit der Filmmusik zu „Star Wars“ hat er etwas über die Jahrzehnte geschaffen, das unvergleichlich ist und vor Williams verneige ich mich ungeachtet der Qualität des jeweiligen Teils der Filmreihe immer wieder aufs Neue.
„Irony, Sir.“
Das ist er also, der große Abschluss. Der Abschluss einer Saga, die schon beendet war. Der Abschluss einer Trilogie, die ich in dieser Art nicht schätzen kann. „The Rise of Skywalker“ klaubt alles auf, was die Vorgänger haben liegen lassen und versucht sich an Schadensbegrenzung. Und wirkt dabei wie Fanfiction. Abrams versucht, den Vorgänger zumindest in Teilen zu widerrufen und zurückzudrehen. Das sieht immerhin visuell oft gut aus und dabei drückt er ziemlich aufs Tempo. Letzteres muss er einfach, ob er will oder nicht, und tut sich damit keinen Gefallen. Erzählung und Figuren hetzen von einem Wegpunkt zum nächsten, da muss einiges abgehakt und Fanservice kredenzt werden, um alle bei Laune zu halten. Doch hat das Werk so keinen Raum zum Atmen. Palpatines Rückkehr ist in dieser Art und Weise eine kreative Bankrotterklärung. Eine Notlösung, die keine Lösung darstellt, weil man die Trilogie zu diesem Zeitpunkt schon in den Sand gesetzt hat. Nach Rian Johnsons Trip konnte Abrams nicht alles retten, dennoch fühlt sich das hier wie eine filmische Entschuldigung für „The Last Jedi“ an.
Letztlich nehmen sich beide nicht viel - aus verschiedenen Gründen. Zugegeben, „The Rise of Skywalker“ ist irgendwie unterhaltsamer, aber auch auf seine eigene Art kaputt.
Den „Binary Sunset“ hat er sich nicht verdient.
— Zur Sequel-Trilogie —
Ein „Was wäre, wenn“ ist müßig, ich schaue einfach auf das präsentierte Ergebnis. Und das ist mau. War der Auftakt mit „The Force Awakens“ noch ein unterhaltsames Abenteuer, das sich unverhohlen aus der eigenen Vergangenheit bediente, so offenbarte sich mit „The Last Jedi“ und „The Rise of Skywalker“ eine nicht durchdachte und ohne kreative Vision durchgezogene Produktion. Bei allen Vorwürfen in Richtung George Lucas, aber der Mann hatte eine Idee, einen roten Faden und er wusste, wo er hinwollte. Das geht dieser Disney-Trilogie ab, die im Schlingerkurs Ideen aufbaut, um sie fallenzulassen oder wieder zu revidieren. So entstand eine Trilogie, die sich in ihrer Gesamtheit für mich nicht nach „Star Wars“ anfühlt. Es sind Filme, die sich an Themen daraus bedienen und in eine Beliebigkeit abdriften.
Seit Jahren ist Disney damit beschäftigt, die selbst geschaffenen Lücken zu füllen. Durch Serien und andere Inhalte auf dem Streamingdienst des Konzerns. Dieses retrograde Erklären ist jedes Mal aufs neue ein Eingeständnis des erzählerischen Scheiterns. Dabei hätte es genug spannende Vorlagen gegeben, die sich angeboten hätten.
Hier wirkt es so, als hätte man den jeweils nächsten Film aufgrund der Reaktionen auf den vorigen konzipiert. Eine große Marktforschungsanalyse zum Produkt, das man verkaufen will. Mir jedenfalls fehlt hier das Herz, das Gefühl, das mich abholt und mit den Figuren mitfiebern lässt. Dabei sind manche toll angelegt, doch macht man aus ihnen nichts. Dafür bringt man alte Charaktere zurück und hat es dabei geschafft, dass Luke, Leia und Han keine einzige gemeinsame Szene haben. Das Ganze dann als Teil der „Skywalker Saga“ zu betiteln ist Augenwischerei und hanebüchen. Diese endete mit „Return of the Jedi“. Die Sequel-Trilogie ist ein Anhängsel ohne Nachwirkung.
Sie fühlt sich überflüssig an, fügt dem Universum nichts Elementares hinzu und am Ende ist man wieder dort, wo man früher schon war. Die tonale Änderung im Vergleich zu den Episoden I bis VI wirkt fremd, der Humor erinnert zu oft an die Welle von Comicverfilmungen vom gleichen Konzern. Die Schurken sind nicht bedrohlich oder charismatisch. Die Figuren sind aufgrund des fehlenden Konzepts inkonsistent geschrieben, ihr dramaturgisches Potenzial wird nicht genutzt. Konflikte werden schnell aufgelöst, es gibt zu viele glückliche Zufälle und jeder Film will dem vorigen seine Fehler aufzeigen.
Eine vertane Chance.