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Als der Schweizer Stetson [ Giuliano Gemma ] den Sheriff Edward James Gideon [ Eli Wallach ] beraubt, hat er nicht nur einen hartnäckigen Verfolger auf der Fährte, sondern gerät bei der Flucht auch in den Zug zweier Japaner, die das kaiserliche Pony Shin-Me beschützen sollen. Der Zug wird allerdings prompt von Indianern überfallen, das Pony geklaut und gegen ein Lösegeld von einer Million Dollar angeboten. Während Sheriff Gideon, auch Jack der Schwarze genannt, das Geld überbringen soll, heftig sich der Aushilfssamurai Sakura [ Tomas Milian ] aus hehren Gründen an seine Ferse, Stetson aus Geldgier. Ein heftiger Streit um die Geldkassette entbrennt...

Mit der Anspielung auf präfabrizierte Motive eindeutig auf Leones Zwei glorreiche Halunken abzielender Westernklamauk; die Verweisung erfolgt nicht nur inhaltlichen Nachahmung, sondern sowohl im Originaltitel Il Bianco, il giallo, il nero als auch im US Titel The White, the Yellow, and the Black. Einzig die Deutschen haben’s nicht so ganz kapiert, dafür klappt es allerdings mehr mit der Synchronisation.
Diese streut ein Kalauer nach dem anderen raus - Schindmähre statt Shin-Me usw. -, wobei ein guter Prozentteil durchaus erfolgreich sein Ziel findet, aber man die selbst im Film angesprochene Formel „Ein Scherz wird nicht komischer, wenn man ihn dauernd wiederholt“ nicht ganz beachtet. Vor allem das radebrechende Geschwafel des Japaners geht einem mit fortwährender Dauer manchmal sehr unangenehm auf die Nerven, vor allem weil auch immer ein „oh“ und „ha“ untergeschoben wird.

Auch die Tatsache, dass man keinen richtigen Asiaten genommen hat, sondern sich mit einem lächerlich verkleideten Milian abgefunden hat, war vielleicht etwas zuviel des Guten, da der Humor jetzt wirklich ständig aus Übertreibung der Situation resultiert. Übermut verleitet bekanntlich zu riskanten Handlungen. Auch hier wird dann jeder möglicher Effekt ausgenutzt, so müssen die drei unfreiwilligen Genossen sich später in Frauenklamotten tummeln und an andere Kerle ranschmeissen. Auch einige Furzgags werden bemüht, die dem Film leider so gar keine Klasse wie beispielsweise den Nobody – Streifen verleihen.
Auf diesen wird übrigens auch Bezug genommen, allerdings nur als Erwähnung: In der einleitenden Schimpftirade von Gideons Frau mischen sich in rasanter Weise mehrere Genregrössen: Django, Ringo, Mercenario - Der Gefürchtete, Spiel mir das Lied vom Tod sowie die erwähnten Halunken und Nobody; zusätzlich kommt noch Die Sieben Samurai hinzu.

Stetson ist aber mehr reiner Klamauk statt eine Hommage; nicht so wirklich konsensfähig und auch nicht intellektuell. Trotz des Bezuges auf das Leone – Werk und die Nutzung von Eli Wallach hält sich der Film nicht zwingend an das konkrete Original fest und veranstaltet weder eine reine Kontrafaktur noch eine Entlarvung etwaiger stilistischer Manierismen und Konventionen.
Corbucci reiht eine absurde Situation an die nächste und kümmert sich nicht um Realismus; die paradoxe Subsumtion der standardisierten Westernthemen funktioniert aufgrund seiner drastischen Simplizität auch ohne grosses Vorwissen für jedermann.
Deswegen hat der Film auch keine wirkliche Ausdrucksqualität, er wirkt recht schnell heruntergekurbelt und auch preiswert umgesetzt. Die Ästhetik ist bieder statt anarchistisch. Comichaftes Schauspiel allerorten.

Aber solange es lustig ist...

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