Seit Jahrhunderten träumen einige Individuen vom künstlich geschaffenen Menschen wie den Homunkulus oder später Frankenstein. Und die Technik ist weit vorangeschritten. Nicht wenige dürften sich allabendlich mit einem Sprachassistenten auseinandersetzen, wieder andere erwerben Sexpuppen für den Preis eines Mittelklassefahrzeugs. Eine „Cyber Bride“ wäre der nächste Schritt, der uns in hoffentlich jeder Hinsicht erspart bleibt.
Nach dem gewaltsamen Tod seiner Frau Angelique ist Rick untröstlich. Von seinem Nachbarn erhält er den Tipp, sich an die Firma Cyber Tech zu wenden, denn er besitzt mit Anna bereits einen vermeintlich gehorsamen Androiden. Zunächst ist Rick angetan von der Replikation seiner Geliebten, doch Angelique entwickelt schon bald ein verhängnisvolles Eigenleben…
Gewisse Parallelen zu „Friedhof der Kuscheltiere“ stechen früh ins Auge. Nur wird hier nicht der Körper des Verstorbenen ins Leben zurückgeholt, sondern es wird ein künstliches Ebenbild geschaffen. Die nachvollziehbare Motivation ist der Schmerz des Verlustes.
Lustig ist hingegen, wie der Android angeliefert wird: Der Techniker kommt mit einem nicht allzu großen Paket, packt erstmal die Extremitäten aus, die nichts anderes als Teile einer Schaufensterpuppe darstellen. Mit gutem Zureden und dem Bad in einer bestimmten Substanz kommen die menschlichen Eigenschaften von selbst. Eine Platine am Hals, die wahrscheinlich aus einem ollen UKW-Radio stammt, soll die CPU darstellen und schon erstrahlt Angelique mit starrem Blick in neuem Glanz.
Unterhaltsam gestaltet sich die Angelegenheit allerdings nur sehr bedingt, denn das geringe Budget schimmert an allen Ecken und Enden durch. Dass die weiblichen Androiden bewusst eindimensional performen, liegt auf der Hand, - alle anderen sind jedoch kaum besser. Die Kamera hätte zuweilen ein Stativ benötigt, denn selbst ruhige Momente sind oft arg verwackelt und nicht zuletzt gibt sich der Score erst gar keine Mühe, irgendwelche Akzente zu setzen. Bezeichnend für das inszenatorische Unvermögen ist der Überfall im Parkhaus, bei dem Angelique getötet wird. Der Angreifer trifft Rick mit einem Hammer am Kopf, welcher kurz darauf mit weit geöffneten, starren Augen am Boden liegt, während Angelique ohne Berührung einfach umkippt. Die Konsequenz drei Tage später: Rick hat eine nicht zu sehende Platzwunde am Kopf, Angelique muss beigesetzt werden.
Der Minimalismus durchzieht den kompletten Streifen, auch wenn es zwischendurch zu kurzen Gewalteinlagen wie Messerchen im Hals kommt. Die Sets sind karg ausgestattet, die wenigen Außenaufnahmen zeugen von einem üblen Timing und zu allem Überfluss wird auf Biegen und Brechen eine Art Twist konstruiert, der auf keiner Ebene einen Sinn ergibt.
Warum auf dem Cover eine Dame mit Astronautenhelm zu sehen ist, erschließt sich genauso wenig wie die Motivation der Androiden, sich kollektiv gegen ihre Besitzer zu wenden.
Spannende Momente ergeben sich folgerichtig nicht, Schauwerte sind hinsichtlich der teils amateurhaften Aufmachung auch keine zu finden. Einen „Ding-Dong-dollen Tag“, wie der Marketingleiter von Cyber Tech stets herausposaunt, hat man mit „Cyber Bride“ wahrlich nicht.
Knapp
3 von 10