Die frühen Filme von B-Prügelroutinier Olivier Gruner ließen anfangs die Hoffnung aufkeimen, dass sich aus ihm ein achtbarer B-Star vom Schlage eines Gary Daniels entwickeln würde. Die Zusammenarbeiten mit Albert Pyun („Nemesis“) und Isaac Florentine („Savate“) waren jedenfalls vielversprechend. Von da an ging es dann aber leider sehr schnell bergab. Erst mutierte er unter Avi Nesher, der den Vorgänger des besprochenen „Mercenary II: Thick & Thin“ inszenierte und hier als Produzent tätig war, zum durchgeknallten Neandertaler „Savage“ und dann wurde der auch noch von Phillip J. Roth und den Jungs von U.F.O. – Entertainment für „Velocity Trap“ aufgegriffen. Damit war dann auch essig mit einer erfolgreichen Karriere.
„Mercenary II: Thick & Thin“ schließt nun nahtlos an die unterdurchschnittlichen Machwerke, in denen Gruner sich zumeist leider rumzutreiben pflegt, an. Allzu deutlich zielt Phillipe Moras („Back in Business“, „Precious Find") Inszenierung auf eine Fernsehauswertung hin, denn die im B-Genre von Fans so geliebte, exzessive Gewaltdarstellung fällt schon mal völlig flach. Blutige Shootouts? Brechende, knackende Knochen? Brutale Kauleistenmassur? Fehlanzeige! Wobei Gruner doch für letzteres geradezu prädestiniert ist. Ordentlich austeilen kann er zwar, darf er hier aber nicht.
Stattdessen verdingt er sich zusammen mit zwei Kollegen als Söldner. Angeheuert von der Unternehmerin Patricia Van Lier (Claudia Christian, „Babylon 5“, „Half Past Dead“), macht er auf eine Dschungelkalypse auf, um ihren Buchhalter Charlie Love (Robert Townsend) aus den Fängen des fiesen Drogenlords Holden zu retten. Das klappt soweit auch, nur leider stellt sich Charlie als ein plapperndes Imitat von Eddie Murphy heraus, das gar nicht gerettet werden will und von nun auf lautes Krakelen abonniert ist. Den leicht zu reizenden Zuschauern dürfte hier bereits die Matte brennen, da diese Dauerberieselung debiler Sprüche und hyperaktiver Zappelleien eigentlich nur dazu führt, dass wir hoffen, dass Gruner dem Deppen bald mal Maulschellen verpasst und zwar beidseitig.
Während sich durch den Wald kalauert wird, offenbart sich ein Konstrukt gar höllisch infernaler Intelligenz, aus dem wir gesteckt kriegen, dass Van Lier in Wirklichkeit ein hundsgemeines Miststück ist, das Love gern beseitigen will. Bald hat das ungleiche Duo nicht nur Holden, sondern auch die Schergen Van Liers am Arsch kleben und flüchtet quer durch den Busch.
Nun ist „Mercenary II: Thick & Thin“ nicht so ein Ärgernis, wie man es zu oft im B-Sektor antrifft, doch ein unterhaltender B-Actioner sieht ganz anders aus. Geballert wird reichlich, aber leider nur handelsüblich, unspektakulär und dem Massenprinzip zuträglich. Soll heißen: Es ist viel Feuer im Busch, nur zünden tut hier nix. Mehr als das Prädikat solide kommt dabei jedenfalls nicht rum.
Während kleine Mätzchen, wie der sich (mal eben während der Verfolgung) einen Schrein seines kleinen Sohn (Gruner, der Unhold) bastelnden und drauflosbetenden Holden, durchaus mal Spaß machen, riss mein Geduldsfaden dann endgültig ab, als Love und Hawk (also Gruner) bei Hanf anbauenden Eingeborenen unterkommen, deren Häuptling beleidigen und dann per Abfackeln einiger Hanfblätter wieder für Friede, Freude, Eierkuchen sorgen.
Natürlich richtet sich dann zum Schluss wieder alles zum Guten, die Richtigen überleben, die Falschen sterben und für einen gepflegten Mittelfingerabschied ist dann auch noch Platz. Das macht aber nicht vergessen, dass man es bei „Mercenary II: Thick & Thin“ insgesamt nur mit einem mäßigen Ereignis, dass nicht eine wirklich erinnerungswürdige Szene, aber dafür sehr viel Nervpotential besitzt, zu tun hat. Wer sich jedenfalls mal so richtig reizen lassen möchte, der kann ja die Scheißlaberattacke von Robert Townsend mal 90 Minuten goutieren. Mir reicht dieses eine Mal jedenfalls.
Fazit:
Unspektakulärer, solide inszenierter B-Actioner, der Olivier Gruner komplett verschenkt und mit seinem nervigen Partner Robert Townsend bei mir wirklich keine Punkte sammeln konnte. Eher etwas für die, die alles aus dem Genre sehen wollen und müssen.