Mord à la Carte, dessen zugrundeliegender Roman "Dreizehn bei Tisch" ursprünglich 1933 erschienen und nur ein Jahr später auch im Deutschen als Übersetzung veröffentlicht worden ist, wurde bis dato bereits einmal verfilmt und später und hiernach auch als Folge in Spielfilmlänge für Agatha Christie's Poirot und deren überhaupt ausdauernde Staffelung formuliert. Hier selber ist ebenfalls ein Format als Fernsehfilm vorhanden, eine Produktion der amerikanischen CBS Entertainment und der Warner Bros. Television, die das Werk auch anschließend vertrieben haben; als Regisseur dessen wurde mit Lou Antonio ein damals schon und heute noch zwar aktiver Mann, aber ein recht unbeschriebenes Blatt mit gängigerweise vielerlei Erfahrungen für die kleine Mattscheibe und deren Krimi-Vertreter um Detektiv Rockford, Cannon, McMillian & Wife und Co. gewählt. Ein Routinier ohne großartige inszenatorische Auffälligkeiten, was im Grunde aber auch für den Vorgänger Guy Hamilton gilt, und wo beide dem Material vertrauen und der Ruhe und dem Verzicht:
Bei einer Livesendung am britischen Fernsehen wird dem ebenfalls anwesenden, da durch seinen 'Adjutanten' Captain Arthur Hastings [ Jonathan Cecil ] dazu 'gezwungenen' Hercule Poirot [ Peter Ustinov ] der im Kino den Leinwandhelden mimenden Bryan Martin [ Lee Horsley ] vorgestellt, sowie zu Martins Verblüffung die Kleindarstellerin Carlotta Adams [ Faye Dunaway ], die mit entsprechender Aufmachung und Verstellung seiner für den neuen Aktionfilm engagierten berühmten Partnerin Jane Wilkinson [ auch Faye Dunaway ] zum Verwechseln ähnlich sieht. Beide, Poirot und Martin sind kurz darauf auch bei einer Dinnerparty der tatsächlichen Wilkinson eingeladen, wo Poirot prompt zwei Aufträge erhält.
"Das Gedächtnis des Publikums ist kurz. Schon fielen das Interesse und die Aufregung, die die Ermordung von George Alfred Vincent Marsh, des vierten Lord Edgware, entfachtete, der Vergessenheit anheim. Und trotzdem hat kein anderes Ereignis je so viel Staub aufgewirbelt.
Mein Freund Hercule Poirot wurde öffentlich nie in Verbindung mit diesem Fall genannt, was - ich muss dies hinzufügen - seinen eigenen Wünschen entsprach. Ihm passte es nicht, in Erscheinung zu treten. Die Ehre des Erfolges heimste daher ein anderer ein, und das war Poirots Absicht. Überdies betrachtete er von seinem ganz privaten Standpunkt aus den Fall als einer seiner Nieten. Er schwört auch heute noch, dass ihn lediglich die zufällige Bemerkung eines gänzlich fremden Passanten auf die richtige Fährte gebracht habe."
Die Besetzung um noch zusätzlich David Suchet, Bill Nighy, Amanda Pays, Diane Keen oder Benedict Taylor macht dabei tatsächlich auch schon und noch was her, vertraute Gesichter von früher und auch für später, Namen mit Bekanntheitsgrad, die für Eindruck schinden und mit positiven, da vielversprechenden Kognitionen, Konnotationen, Konditionen und Kombinationen bestückt sind. Neben der Autorin und deren guten Ruf und die Sicherheit der Erzeugnisse galten auch immer die Wahl der Darsteller als mit entscheidend für die Beliebtheit, ersteres und auch letzteres hat sich dann auch die serielle Ergänzung oder doch Konkurrenz um Mord ist ihr Hobby zu eigen gemacht, die die Stars der Woche um die Hauptdarstellerin platziert. Zur gleichen Zeit spielt man auch, also in den Achtzigern, hier übrigens eher trostlos bis deprimierend, wird nicht etwa in die glorreiche Vergangenheit gegangen und kein Period Piece bemüht. Ein Start in einer Talkshow zur Primetime ist es stattdessen, womit man eröffnet, ein Fernsehdetektiv ist auch dabei, welcher den Zuschauern eher unter dem Namen Matt Houston bekannt ist, eine Art Magnum für Arme ist und hier auf den Namen Bryan Martin hört. Von der Talkshow geht es direkt zu einer kleinen Dinnerparty, die dann möglicherweise gleich zwei Kriminalfälle andeuten könnte, oder auch gar keinen, so sicher ist das da noch nicht.
Sowieso dauert es eine Weile, bis die Grundzüge einer eminenten und delinquenten Geschichte klarer werden, wird sich eingangs in Mutmaßlichen und Mysteriösen bewegt und verbal aneinander eher abgetastet als tatsächlich vorgestellt. Der Film dabei auch deutlich eine Nummer kleiner als selbst der eher missglückte Mord im Spiegel, teilweise aber genauso seltsam gespielt und ausgedrückt und auch wirkend - wie gefangen in oder unter einer Blase, teilweise auch vom kühlen Wetter erdrückt und mit dem Eindruck einer fortschreitenden Reduktion von ehemaligem Reichtum beschlagen, große Bauten wirken nun noch durch die Vergänglichkeit und einige Fakes wie die große Bibliothek, die nur Fassade und das Ganze ein Türmuster zu einem kahlen Park ist - wobei hier trotz aller Blässe und Unschärfe das vorherrschend Bordeauxfarbene in der Wohnung und dort auch der Kleidung von Poirot besser zur Geltung kommt als die seltsame grell-bleiche Gestaltung dort. Eine Actionszene gibt es auch, zwei sogar eine stuntintensive selbstverständlich, a) eine Flucht über Häuserdächer und die Fassaden vor dem Feuer eines Maschinengewehres hinab und b) eine explosive Einlage direkt vor dem Hintergrund der voluminösen Tower Bridge; was natürlich am Filmset vom Matt Houston nur passiert und nicht Bestandteil des sonst redefreudigen Krimis selber ist. Davor und danach purzeln die Leichen und dann wird auch atemlos ermittelt. Genügend Motive und Alibis für ein dutzend Morde sind vorhanden, ganz so schlimm und ausufernd wird es dann hoffentlich doch nicht.
Entscheidend ist dann fast weniger die Erzählung selber, die auch mehrere Verdächtigungen zwar, aber doch nicht genügend interessantes Personal dafür aufweist, sondern die Behandlung einer Art Mischgesellschaft aus Amerikanismus und Britischem im Film selber und durch ihm, eine komische Gekünsteltheit zwischen Sein und Schein, auf die bspw. der männliche Filmstar selber hinweist (“In Amerika mache ich alle meine Stunts selbst“, während er hier keinen Finger rührt), ein affektiertes und nicht reflektiertes Getue mit einigen nebensächlichen Gedränge (Massenszenen auf Partys, am Set, bei einer Modellagentur hinter den Kulissen, bei der Vorbereitung zu einer Fuchsjagd, im Büro kurz vor einer Präsentation bei Scotland Yard etc.), bei denen die meisten Menschen nur Statisten und Staffage sind und vielleicht vier, fünf Figuren nur mittendrin.