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Das Leben ist bitterer Ernst. Schließlich kommt niemand von uns lebend heraus. Der Sport wiederum ist ein Spiel, eine Art Modell des Lebens ohne ernsthafte Konsequenzen. Schreitet allerdings die Kommerzialisierung des Sports weit genug voran, wird aus dem Spiel bitterer Ernst. Das gilt vor allem für den guten alten amerikanischen Sport, der für so manchen aufrechten Amerikaner das ganze Leben ist.

Diese Art von Antinomien sind gerade im Polizei- und Ermittlerfilm weit verbreitet. Der Cop ist für das Böse empfänglich, vertritt aber das Gute. Er repräsentiert das Gesetz und überschreitet es zugleich. Vor allem aber ist er das Spiegelbild des Killers, den er jagt. Sie sind zwei Persönlichkeiten der gleichen schizophrenen Person, die stets am selben Ort zu Werke geht. Im Grunde ist es nur die Zeit, die ihr Handeln unterscheidet: In der Nacht wird die Tat begangen, am Tage wird sie ermittelt.

Das 1989er Police Procedural „Final Game“, im Original „Night Game“, benannt nach abendlichen Sportveranstaltungen, die gegenüber dem klassischen Sonntagnachmittag-Event über besondere atmosphärische Eigenschaften verfügen, nutzt diese Tag-Nacht-Dichotomie, die so vielen seiner Artverwanden ohnehin immanent ist, ganz explizit als Konzept. Ein Killer ist nachts im texanischen Galveston unterwegs, und wie sich im weiteren Verlauf herausstellt, fallen seine Morde wohl nicht ganz zufällig mit den abendlichen Siegen der Houston Astros auf, angeführt von Baseball-As Sil Baretto (Alex Garcia).

Es ist Roy Scheider, der in diesem Szenario den Detective spielt, einen ehemaligen Spieler der Minor League Baseball, der auch heute noch mit den Astros mitfiebert; wenn es nicht für den Stadionbesuch reicht, dann zumindest für die Übertragung im Autoradio auf dem Weg zum nächsten Tatort. Dass der Detective Mike Seaver heißt, genauso wie eine Figur aus einer berühmten Sitcom jener Zeit, soll nicht in die Irre führen; man kommt nicht umhin, immer noch die Schatten seiner damals bereits 14 Jahre alten Paraderolle des Chiefs Martin Brody aus „Der Weiße Hai“ wiederzuerkennen. Schließlich fiel auch in Steven Spielbergs Blockbuster-Blaupause die erste Attacke in die nächtlichen Stunden. Hier wie dort darf Scheider die Scherben, beziehungsweise die fleischlichen Überreste, am nächsten Tag bei Tageslicht begutachten.

Unterstützt von seinem routinierten Star, der das indirekte Typecasting mit einer Leistung quittiert, die irgendwo zwischen cool und teilnahmslos rangiert, je nachdem, wie man es sehen möchte, zieht Regisseur Peter Masterson den Tageszeitenwechsel formal diszipliniert durch. Dabei liefert er sämtliche Basics ab, die benötigt werden, um den Fall zur Auflösung zu treiben. In der Dunkelheit spielt er mit sämtlichen Stereotypen des Slasherfilms, wenn er weibliche Opfer aus dem geselligen Nachtleben am Pier isoliert und an eigens dafür hergerichteten Lost Places ein Katz- und Mausspiel mit einem Killer inszeniert, welcher zunächst bewusst im Halbdunkel verborgen bleibt, um im letzten Akt als Weirdo aus dem Lehrbuch auf Vollkonfrontation zu gehen.

Mit dem Morgenkaffee beginnt dann jeweils der Handlungsstrang um Scheider, bei dem sich die Autoren mit auffälliger Sorgfalt um eine vielschichtige Darstellung seines Liebeslebens bemühen. Es ist nicht schwer auszurechnen, dass es seine Verlobte Roxy (Karen Young) ist, die am langsam sich zuspitzenden Ende dieser spielfilmlangen Parallelmontage auf der Checkliste des Wahnsinnigen landen wird.

Bei polizeilichen Befragungen in den Milieus der Befragten bekommt der Kameramann reichlich Gelegenheit, den noch nicht allzu überfilmten Flecken der USA in aller Vielfalt zu portraitieren (ursprünglich war das für Polizeigeschichten nur allzu bekannte San Francisco als Handlungsort auserkoren). Tatsächlich gelingt es „Final Game“ auch am Tage, einigermaßen interessant zu erscheinen. Nicht etwa, weil es dort besonders idyllisch oder gar spektakulär wäre, sondern weil die Drehorte um Galveston und Houston den nötigen Hauch Unverbrauchtheit verströmen. Die Kuppel des Astrodome, mit der der Film öffnet und endet, ist da nur die Sahnehaube.

Mit dem markanten Tag-Nacht-Konzept, dem halbwegs frischen Setting, der vermeintlich stilsicheren Inszenierung und dem charismatischen, aber wenig motiviert wirkenden Star in der Hauptrolle lässt sich der formelhafte Aufbau natürlich trotzdem nur unzureichend kaschieren. Gewürzt wird das Prozedere mit ominösen Fotos, ironischen bis zynischen Humorspitzen und anderen eingestreuten Zutaten, wie sie typisch für diesen Schlag Film sind. Überraschungslos hangelt sich das Skript von einem Spieltag zum nächsten, um seine Häkchen zu setzen. Es ist weniger Scheider, der dieser Produktion Klasse verleiht, sondern vielmehr die Produktion, die dem Ruf des Darstellers zusetzt. Als dann endlich mit offenen Karten gespielt wird und Tag und Nacht miteinander in einem Gerangel aus Faustschlägen, Hakenhieben und Pistolenkugeln kollidieren, hat das nicht unbedingt etwas Befriedigendes an sich, sondern eher etwas Erlösendes.

Wo nämlich eigentlich ein psychologischer Thriller eine Katharsis in Gang setzen müsste, liefert „Final Game“ in der Auflösung lediglich unkoordinierte Wackiness, die über das Profil des so mühsam aufgebauten Detective ebenso wenig auszusagen weiß wie über das des Killers. Ein Roy Scheider im Standby-Modus kann eben kaum verhindern, dass der Epilog im Stadion verpufft wie die Eindrücke aus einem bedeutungslosen Freundschaftsspiel. Aus dem gelösten „Hasch mich, ich bin der Mörder“-Spiel werden einfach keine Lehren für das Leben gezogen… außer, dass man sich nun endlich wieder mit voller Aufmerksamkeit dem Baseball widmen kann.

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