Medizinische Grenzgänger aus den Achtzigern? „Flatliners“ dürfte diesbezüglich einer der ersten Gedanken sein und so versetzt Regisseur Phillip Guzman seinen Horror-Thriller in jene Dekade, in der Ringelpullover, C-64 und Kassettenaufnahmen noch Standard waren.
1986: Als ein Experiment von vier jungen Studenten unter der Leitung von Dr. Emma Whatley schief geht, versuchen sie es unter Eigenregie im verwaisten Gebäude erneut: 200 Stunden Schlafentzug sollen mithilfe eines Medikaments dazu führen, danach keinen Schlaf mehr zu benötigen. Doch bereits zur Halbzeit werden die Probanten von beängstigenden Erscheinungen heimgesucht…
Schon beim Vorgänger von Guzman „Dead Awake“ ging es um das breit gefächerte Gebiet von Träumen und Schlafparalyse, was jedoch unzureichend umgesetzt wurde. Auch hier wird man nur schwer mit den wenigen Figuren warm, welche kaum eine Motivation für das Experiment mitbringen und teils zu wenig engagiert wirken, um die Tortur des Schlafentzuges über sich ergehen zu lassen. Die Prämisse, ohne entsprechenden Schlaf mehr Zeit bei den gleichen kognitiven Fähigkeiten zu haben, steht von vornherein auf recht wackeligen Beinen, da Schlaf bekanntlich die beste Medizin ist und die Psyche ohne Träume einiges nicht so recht verarbeiten kann und schlimmstenfalls verdrängt. Immerhin geht man auf entsprechende Nebenwirkungen ein.
Leider spielt sich das Geschehen in nur wenigen, weitgehend karg ausgestatteten Räumlichkeiten ab, die bis auf ein paar Relikte der Achtziger nicht viel hergeben. Stattdessen gibt es einige Videoschnipsel der dokumentierenden Probanten, was stets ein wenig Drive aus dem ohnehin nicht allzu flott erzählten Stoff nimmt. Leidlich interessanter kommen letztlich in Nebel gehüllte Geistererscheinungen daher, die per CGI okay umgesetzt sind. Warum wer mit welchen nebulösen Bedrohungen konfrontiert wird, erscheint indes recht willkürlich.
Während der Score um Bands wie Pet Shop Boys, Duran Duran und Bananarama gute Laune verbreitet, geht diese innerhalb der Protagonisten stets zurück, was nicht selten mit kleinen und größeren Selbstverletzungen einhergeht. Zunächst wirken die Begleiterscheinungen nachvollziehbar, wenn nach rund 80 Stunden Wachzustand eine verzerrte Wahrnehmung zu kurzen Schreckmomenten führt und ein Besenstiel mit Perücke etwas gänzlich anderes suggeriert. Doch nachfolgend bleibt die Dringlichkeit jener Verzerrungen ein wenig aus, mal abgesehen von mangelnder Kommunikation innerhalb der Gruppe und der beinahe ausbleibenden Dokumentation, welche anfangs deutlich mehr Raum einnahm.
Zwar wird in den finalen Minuten das Tempo deutlich angezogen und die Nebelfiguren agieren häufiger, doch unterm Strich bleibt das Unterfangen unmotiviert und einfallslos, die letzten Einstellungen sind in vielen Belangen vorhersehbar.
Das Acting fällt brauchbar aus, handwerklich wird ein passables Niveau geliefert, doch aus der starken Ausgangsstellung wird deutlich zu wenig herausgeholt, denn speziell im Mittelteil könnte eine Mütze voll Schlaf die Quittung des gelangweilten Betrachters sein.
4 von 10