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Werwolffilme können auf eine lange Tradition zurückblicken, denn bereits in den 30ern gab es neben Frankenstein und Dracula erste Erfolgswerke. Doch viele Jahrzehnte später reicht es nicht mehr, wenn ein Lykanthrop ein paar Leute jagt, um final mit einer Silberkugel besiegt zu werden. Das dachte sich wohl auch Autor und Langfilmdebütant Michael Caissie.

Direkt nach dem Umzug in ein abgelegenes Landhaus mit Obstplantage heißt es für die drei Schwestern um Juliet (Katrina Bowden) aufgrund Abwesenheit ihrer Eltern: Party! Diese wird erweitert von drei Ganoven, die eigentlich den Zaster im Haus in ihren Besitz bringen wollen. Als schließlich noch der örtliche Sheriff (Thomas Jane) vorbeischaut, scheint die Situation zu eskalieren…

Nach der holprig inszenierten Exposition, wonach ein Serienkiller (Sean Patrick Flanery) sein Opfer um die Ecke bringt, dieses auf besagter Obstplantage verbuddeln will, um letztlich selbst das Opfer einer monströsen Kreatur zu werden, ist die Freude auf ein blutiges Werwolftreiben bereits ein wenig getrübt.

Überdies schleichen sich im Verlauf überdeutliche Anzeichen ein, die einen Twist vorbereiten, was in der wenig subtilen Art bereits nach einer halben Stunde dazu führt, den großen Knall komplett zu erahnen. Mit Werwolftreiben hat die Chose lange Zeit nicht zu tun, denn zwischen Serienkiller, Umzug und Home Invasion gibt es noch nicht einmal die obligatorischen Namenlosopfer.

Stattdessen gibt es merkwürdig anmutende Dialoge, eine Katrina Bowden, die, Jahrgang 1988, nun wahrlich nicht mehr als aufmüpfige Teenagertochter durchgeht und einige Außenaufnahmen mit nächtlichem Nebel im Obstgarten, was zumindest in Ansätzen ein wenig Atmosphäre zutage fördert.

Indes ist so etwas wie ein Werwolf stets recht kurz durchs Gelände huschend zu sehen und erst in den letzten Minuten wird man einigen praktischen Effekten ansichtig, welche allenfalls zweckdienlich ausfallen. Dazugehörige Gewalteinlagen fallen ebenfalls mau aus: Im ersten Drittel gibt es eine Messerklinge in einer Hand, später nur Fleischwunden als Resultat und kurze, blutige Ritze im Halbdunkeln.

Darstellerisch reißt sich ebenfalls niemand ein Bein aus, denn Flanery taucht ausschließlich im Opener auf, während Thomas Jane nur Routine abspult. Obgleich fehlbesetzt, liefert Bowden noch die beste Performance. Zumindest ist kein Totalausfall zu vermelden, was bei der durchwachsenen Synchro schon wieder anders aussieht.

Mit Spannung und Action hat die vorliegende Angelegenheit wenig zu tun und Werwolffreunde dürften gar völlig enttäuscht werden. Zwar gestaltet sich die Pointe auf dem Papier pfiffig, doch eben jene ist weit im Vorfeld absehbar, wodurch der Spaß an dem Treiben eindeutig zu kurz kommt.
3,5 von 10

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