Review

Kontemporärer Trash – THE ASYLUM (7)

CLOWN

(CLOWN)

Eric Forsberg, USA 2019

Vorsicht – dieses Review enthält SPOILER!

Am 26. August 2019 kam in den Vereinigten Staaten mit Es Kapitel 2 (It: Chapter Two) der zweite Teil von Andy Muschiettis groß angelegter Neuverfilmung des Stephen-King-Klassikers „Es“ in die Kinos – und nur einen Tag später erschien ein Film mit dem Titel Clown und einem auffallend ähnlichen Plakat ... Na klar – Clown (nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen, 2008 und 2014 entstandenen Werken von Robert Newman und Eli Roth sowie einer Reihe von Kurzfilmen dieses Titels) ist ein weiterer Mockbuster meiner kalifornischen Lieblings-Schundbude „The Asylum“, entstanden unter der Regie von Eric Forsberg, der als Skriptautor solcher Granaten wie Mega Piranha, Ghost Shark, Troy The Odyssey, Arachnoquake oder Krieg der Welten 2: Die nächste Angriffswelle und Regisseur von Mega Piranha schon einiges für dieses Studio geleistet hat (auch das Skript zum Über-Heuler Allmighty Thor geht in letzter Instanz auf sein Konto). Gute Voraussetzungen also für einen gepflegten Trash-Abend – sollte man zumindest meinen ...

Irgendwann in den Neunzigern: In einem abgelegenen Wüstenkaff, das aus ungefähr einem Haus und einer Tankstelle besteht, gastiert ein Zirkus (eigentlich eher ein Jahrmarkt), ist aber nicht wirklich willkommen: Offenbar infolge religiöser Verblendung meucheln die Einwohner des Nests (vertreten durch zwei Männer) sämtliche Zirkusleute dahin. Nur ein kleiner Junge kann den wahnsinnigen Christen entkommen – und wir ahnen natürlich, wozu das führen wird.

Fünfundzwanzig Jahre später fahren acht von Anfang an zuverlässig nervende Spät-Teenies (oder Früh-Twenties) mit ihren Autos zu einem Rockfestival und sind blöd genug, um sich während einer Pinkelpause in unser Wüstenkaff zu verirren. Das ist längst verlassen, aber das riesige Zirkuszelt, welches eine Art Geisterbahn beziehungsweise ein Gruselkabinett beherbergt, steht noch geheimnisvoll herum ... und ja, erwartungsgemäß sind die acht jugendlichen Pappnasen (darunter vier Pappnäsinnen) auch blöd genug, um in dieses Geisterbahnzelt einzutreten. Wie blöd das war, bemerken sie recht schnell: Erstens verlaufen sie sich schon nach drei Schritten und finden nicht mehr zurück ans Tageslicht, und zweitens beginnt ein irrer Clown mit ganz bösen Absichten Jagd auf sie zu machen. Einmal darf man raten, wer das ist ...

Mehr muss zur Handlung nicht gesagt werden, und viel mehr ist auch nicht vorhanden – das Konzept von Clown ist wirklich sehr, sehr überschaubar. Ungeachtet dessen beginnt der Film beachtlich: Die ersten zwanzig Minuten einschließlich des Eintreffens der acht Jugendlichen im verlassenen Wüstenkaff sind durchaus atmosphärisch, zumal der Streifen verblüffenderweise im Breitwandformat vorliegt und daher auch einige starke Bilder liefert. In dieser Startphase wirkt Clown definitiv nicht wie ein Asylum-Film (prasseldämliche Teenies als Kanonenfutter gibt es schließlich auch in anderen Produktionen – die hat Asylum-Chef David Michael Latt nicht gepachtet).

Nach ein paar Minuten im Gruselkabinett geht dem Skript und damit auch diesem Film jedoch recht flott die Puste aus – die Dialoge pegeln sich auf das immergleiche sinnfreie Geschwafel ein („Wir müssen hier raus!“ – „Ich geh da nicht lang!“ – „Aber ich gehe!“ – „Und ich komme mit!“ – „Gut, dann komme ich auch mit!“) und unsere jungen Dumpfbacken irren im Halbdunkel durch allerlei blau und rot beleuchtete Pappmaché-Gänge oder zwischen ein paar Gittern und immer wieder an der Außenwand der Geisterbahn entlang (Letzteres ist wichtig!), während der Titelheld es leider nicht allzu eilig hat, ihnen den Garaus zu machen und lieber irgendwelche bekloppten Lautsprecherdurchsagen abspielt („Willkommen im Grrruselkabinett ...!“). Und so irren die einen und trödelt der andere, und das Geirre und Getrödel wird von Sekunde zu Sekunde öder, bis endlich die ersten ernsthaften Attacken des Clowns zu verzeichnen sind und auch die Dialoge einen veränderten Charakter annehmen („Wo ist denn Sarah?“ – „Hast du Gordy gesehen?“ – „Sally ist verschwunden!“ – „Weißt du, wo Kody ist?“).

In der Schlussphase wird es dann tatsächlich noch richtig fies und blutig, was sogar die Frage nach der Freigabe dieses Films aufwirft (die DVD hat eine FSK-18-Einstufung, ohne dass irgendwelche Trailer anderer Filme dafür verantwortlich sein können, während die vorliegende ungekürzte Tele-5-Fassung mit einer 16er-Freigabe gesendet wurde). Das Ruder herumreißen können freilich auch die garstigen letzten Minuten nicht mehr, weil dem Skript auch in dieser Phase zündende Ideen fehlen und es letztlich nur noch auf Zeit spielt, indem es einige scheinbar Dahingemeuchelte doch noch ewig weiterleben lässt. Ärgerlich ist zudem, dass man ausgerechnet die beiden lästigsten Pappnäsinnen aus der Dumpfbackenclique bis zum Ende am Hals hat. Dieses Ende gibt sich dann verstörend unspektakulär: Der Film hört einfach urplötzlich mit einem Standbild auf. Angesichts dessen, dass er sich vorher gefühlt stundenlang nahezu inhaltsfrei und ohne Eile vorangeschleppt hat, ist das schon bizarr. Vermutlich wollten alle Beteiligten nur noch Feierabend haben. An dem hat man freilich auch als Zuschauer ein gesteigertes Interesse, denn des allzu ausführlich zelebrierten und hirnlosen Herumgestolpers durch ein paar dunkle Geisterbahngänge ist man längst überdrüssig – wobei erschwerend hinzukommt, dass hier auch Trash-Freunde in die Röhre schauen: In Sachen unfreiwilliger Humor hat Clown herzlich wenig zu bieten.

Damit bliebe zu überlegen, aus welchem Blickwinkel dieser Streifen überhaupt einen Wert hat. Nun, als ernst zu nehmender Horror-Thriller wäre er vielleicht sogar phasenweise brauchbar, wenn seine Handlung nicht durch ein fundamentales Problem zur Lächerlichkeit degradiert würde – und damit bin ich wieder bei der Außenwand des „Grrruselkabinetts“. Die besteht nämlich aus relativ dünnen Holzbrettern, die mit zwei Finger breiten Lücken nebeneinander genagelt wurden, weshalb ich über die gesamte Laufzeit hinweg von der Frage genervt und abgelenkt wurde, wann zum Kuckuck endlich einmal jemand mit einem beherzten Fußtritt diese traurigen Bretter durchlatscht. Aber das tut niemand – lieber laufen unsere jugendlichen Dumpfbacken selbst in größter Lebensgefahr weiterhin planlos die immergleichen Gänge entlang und lassen sich fein der Reihe nach niedermachen. In diesem Punkt ist Clown also doch Trash – wie auch in Sachen Schauspielkunst. Als titelgebender Clown (der übrigens den famosen Namen „Thoth“ trägt ...) ist Dave Klec zu sehen, und er ist der Einzige, der sich hier einigermaßen ordentlich aus der Affäre zieht – dass er beständig mehr oder weniger am Overacten ist, kann man als Erfordernis seiner Rolle akzeptieren. Die acht Jungdarsteller will man derweil nicht wirklich gesehen haben – sicher, ihre Vorstellungen unterscheiden sich durchaus in einem gewissen Rahmen (ein junger Mann namens Adam Elshar ist halbwegs erträglich, seine Kollegin Micavrie Amaia dafür umso scheußlicher), aber im Großen und Ganzen kann (und möchte ...) man sie allesamt in die gleiche Tonne werfen.

Völlig verzichtet werden muss indes auf die beliebten miesen Rechnertrickeffekte der Marke Asylum – das blutige Geschmodder der letzten halben Stunde wurde per Hand realisiert. Es sieht mal besser und mal schlechter aus, ist aber immerhin nie völlig daneben geraten. Im visuellen Bereich geht es mit Clown allerdings heftig bergab, nachdem die Handlung ins Innere des Zirkuszelts beziehungsweise ins „Grrruselkabinett“ verlegt worden ist: Von diesem Zeitpunkt an sorgt eine schlechte Beleuchtung für Verdruss, und das Breitwandformat ist auch komplett nutzlos geworden. Der Score hingegen macht seine Sache recht ordentlich. Er stammt von Chris Cano, Mikel Shane Prather sowie (uncreditiert) Craig Anthony Perkins und ist bemüht, mit der Handlung und den Bildern zu korrespondieren – was zu einigen ruhigen und durchaus atmosphärischen Motiven führt und einem das zu befürchtende Allerwelts-Dauergedudel erspart. Hatte Chris Ridenhour Urlaub?

Egal – unter dem Strich ist Eric Forsbergs Clown nichts Halbes und nichts Ganzes, sprich trotz seines guten Einstiegs nur ein billiger Mockbuster, der einige bekannte Motive des Slasher-Horrors abarbeitet, dabei aber immer wieder recht einfältig auf der Stelle tritt und überdies entschieden zu glatt und zu solide wirkt, um wenigstens Ramsch-Liebhaber für sich einzunehmen. Für mich war die Zeit mit ihm noch kein Ärgernis, aber auch kein Erlebnis, das über meine Komplettisten-Ambitionen hinaus von Wert sein könnte. Festgehalten werden muss abschließend nur noch einmal, dass Clown einer der am wenigsten trashigen Asylum-Streifen ever ist – inwieweit man das begrüßen oder verdammen sollte, will ich hier und heute nicht verhandeln.

(04/21)

Objektiv 4 von 10 Punkten.





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