<!--StartFragment -->Rückwirkend betrachtet waren die Zeiten knapp nach Millennium, vielleicht bis hin zu den Jahren 2003/04 noch relativ günstig ausgestattet für den Galan preiswert produzierter und entsprechend auch so aussehender Actionware eher Dritter Klasse. Nicht nur, dass die Leute tatsächlich noch aktiv am Produzieren waren, auch schien man sich zumindest als Minimum darum zu bemühen, einen gewissen Reiz in und für ihre Werke zu entlocken. Kurz vor dem Ausfall in die Unsichtbarkeit und der industriellen Verwandlung in das heutige Nichts wurde tatsächlich noch einmal vergleichsweise flächendeckend in Sonderschichten geschuftet, mit der no-budget The New Option Reihe gerade eine fast das volle Dutzend sprengende Videosaga als Exemplar all des Guten und des Schlechten in dieser Subart auf den Markt geworfen und mit gleicher Entschiedenheit auch jede sonstige Chance an geschäftlicher Nahsicht gesucht und genutzt.
A Fight to the Finish, vom damals mit überaus aktiven Tony Leung Hung-wah als kreative Unsicherheit mit Drang zur Simultankomödie umgesetzt, erinnert dabei als grauenhaftes Modell der Realität umso deutlicher, warum man trotz aller gerechtfertigten Verklärung und dem Nachtrauern längst vergangener und so in naher Zukunft nicht mehr wiederholbarer Zeiten sich nicht mit jäher Begeisterung auf das Verloren gegangene stürzen sollte. Im Grunde ist der Film aus dem Optical Media Production Ltd. / Times Production Ltd. Fundus zwar sensationell aufgemacht, verweist in seinem Alternativtitel gar auf Beast Cops und hält in Vorschau und Kontext mehrere Male das Milieu um First Option und Co. bereit, kann allerdings außer Ansätzen und der rein ideellen Rückschau im Aufnehmen von Argumentationslinien nichts von den Versprechungen bieten und stellt sich anders als die versprochene SDU-Action auch vielmehr als überaus seichter Thriller mit unnötigem Drameneinschlag dar. Ein besserer Fernsehfilm, disponierbar und flexibel, der trotz einer gewissen zu registrierenden Lebhaftigkeit keinerlei Maßgabe einer Stärke vorzuweisen hat und vor allem mit seinen auf ewig zu wiederkommenden Vorstellungen auch zu Recht in der grauen Anonymität verschwunden ist. Die leitenden Gesichtspunkte für eine um Aufmerksamkeit heischende und diese Ausrufezeichen auch vollführende Inszenierung sind zwar gegeben, aber weder das Talent dafür noch das Geld dahinter:
Nachdem eine Räuberbande um Y.E. [ Lilian Chan ] und Boy [ Ray Chin ] eine Wechselstube ausgenommen und anschließend einen Bus entführt haben, sind sie nunmehr in einem verlassenen Gebäude verschanzt; der zuständige Ermittler Officer Mak [ Teddy Lin ] wartet angesichts der zunehmend brenzligen Lage händeringend auf Ankunft und Eingriff der SDU. Bei dem Einsatz kann Truppenführer Mike [ schlecht gedubbt, aber nichtdestotrotz mit Chinglish radebrechend: Michael Wong ] auch die Geiseln befreien, allerdings erschießt sein Kamerad Moon [ schmückendes Beiwerk: Ken Wong ] aus Spaß an der Freude einen wehrlosen Gangster, den Bruder von Y.E.
Nicht nur, dass die Polizei jetzt intern ermittelt, auch pirschen sich die flüchtigen Y.E. und Boy an die Spezialeinheit und speziell ihre Familienmitglieder heran, was auch Mikes Frau Mandy [ Pinky Cheung ] und ihre Tochter Von sowie Teammitglied Alan [ Horace Lee ] und seine Schwester Queenie teuer zu stehen kommt.
Der Prolog als die erste größere [und bis dahin noch nicht absehbar auch einzige annähernd auf Krawall gebürstete] Szene zäumt bereits das Pferd von hinten auf und gibt somit schnell bekannt, dass die exklusive Hoffnung auf etwaig Spektakuläres als eher düsteres Prospekt ohne Anwartschaft auf Erfüllung aufgegeben werden muss. Weder sieht man den Überfall noch den weiteren Verlauf auf den Straßen der Stadt, sondern wird allein durch das anwesende Reporterteam und die wartende Einsatzleitung über den bisherigen Vorfall informiert. Das Stürmen des sichtlich heruntergekommenen Gebäudes und das Klären des Entführungsfalles selber werden dann nicht weiter ausgeblendet, stellen sich als einziger wirklicher Schusswechsel für die nächsten 90 Minuten aber eher als schon willkommener Notbehelf denn als wirkliche Vergütung für das noch kommende Palaver dar; ein wenig Funkenregen, Querschläger und umstürzende Möbel als Surrogat einer entscheidend antreibenden Choreographie, mehr Rohkost als die gewünschte Extraportion Fleisch und weitab von Hochkonjunktur.
Wahrlich ausschweifende Dinge, selbst im posierenden Hang nach der allgemeinen Sinnlichkeit von Waffe und Uniform und damit eine Fortsetzung des gegenwärtigen Getöses folgt danach gar nicht mehr; vielmehr wird sich neben dem Stalking der Geflohenen zumeist auf die familiäre Situation der bald Bedrohten eingelassen, ohne dabei Geschmack für Dialoge, Beurteilung der Relevanz oder Begeisterung für die Gesprächsszenen überhaupt zu entwickeln. Mike steckt inmitten der Scheidung und muss sich nicht nur die traurigen Augen der Tochter [die um gute zehn Jahre kindischer spielt als sie tatsächlich ist], sondern auch die anklagenden Debatten seiner Noch-Frau und den Ärger mit dem die Selbstjustiz propagierenden Moon gefallen lassen; während sich der Rest der Elite dem fröhlichen Faulenzen in einer scheinbar eigens für sie reservierten Bar und dort dem zahlreich vorhandenen Heineken hingibt. Sowieso ist eine gewisse Stagnation und somit hergestellte Kunstlosigkeit bis ganz zum Ende unweigerlich ersichtlich, auch wenn Regisseur Leung dies mit einer scheinbaren Beweglichkeit innerhalb der einzelnen Szenen mühsam zu vermeiden sucht, die die anhaltende Flaute durch die Vergegenwärtigung des zeitlich und räumlich Entfernten aber fast noch aktenkundiger macht. Die Einstellungen und ihre Gegebenheiten wiederholen sich nämlich ständig.
Mike und seine Frau führen über die Woche verteilt mehrere Plaudereien und Rücksprachen, die allesamt in selber Kleidung, an dem selben Ort und mit selber Aufnahme absolviert werden; die Untergrenze an Koordination und Interaktion. Das gilt identisch für die versuchte Einflussnahme von Officer Mak, der ebenfalls immer nur in die deckungsgleiche Szenerie ein- und dort logischerweise auf die gleiche Fragmentarisierung trifft.
So richtig ernüchternd wird der Zugriff allerdings durch mehrfache äußerst banale Gespräche über Gott und die unergründliche Wege des Lebens, die noch mit einer Küchenpsychologie und anderen Sermonweisheiten ausgefüllt werden, und der breit aus gewalzte Showdown, in sowohl schauspielerischem als auch dramaturgischem Offenbarungseid. Zwischen einer erneuten Entführung, der folgenden Erpressung bis hin zur Endschlacht samt Bombenentschärfung vergehen im Film geschlagene zwölf Stunden, die einzig damit verbracht werden, in einer stillgelegten Fabrik in Yau Tong in aller Ausführlichkeit wie die Katze um den heißen Brei und so am Rande von Parodie und/oder Anarchoklamauk entlangzuschleichen.