Sie sieht komisch aus, die Harley Quinn. Ein bisschen wie eine methamphetaminsüchtige Pipi Langstrumpf mit Tollwut. Das eigentlich hübsche Gesicht von Margot Robbie ist kaum zu erkennen unter dem pubertären Make-up, den geschmacklosen Tattoos, dem knalligem Lippenstift und dem schwachsinnigen Grinsen. Und sie macht, was sie will, die freche Anarcho-Göre. Unbehandelt ADHS-gestört und so lustig wie ein toter Vogel streunt sie durch die Großstadt. Sie kennt Hinz und Kunz, Krethi und Plethi und eben auch den Joker, weshalb sie im wahrsten Sinne des Wortes Narrenfreiheit genießt. Da ist niemand, der sich trauen würde, ihr zu verraten, wie völlig beknackt ihr Äußeres ist. Keiner, der sie für ihre nervtötende Art auf den Popo hauen oder für ihr hirntotes Geplapper erschießen würde. Als sich jedoch auf den Straßen herumspricht, dass der Joker mit ihr schlussgemacht hat, tauchen reihenweise Killer, Vergewaltiger und Psychopathen auf, die man allesamt als Zuschauer sympathischer findet als die Hauptfigur, um Harley Quinn das Fell über den Hohlkopf zu ziehen. Natürlich gelingt das niemandem, denn die vermutlich von einem Blinden frisierte Vogelscheuche flitzt ihren Verfolgern auf Rollschuhen davon, schlägt sich seitwärts in Marktstände oder verprügelt als in einen Farbtopf gefallene Barbie am Fließband Zwei-Meter-Typen. Je nachdem, wohin sie gerade Laune oder Rinderwahn treiben.
Nach nur wenigen Minuten Kino wird klar, dass man gerade mit ziemlicher Sicherheit den dümmsten Film des Jahres sieht. Nur wenn man auf Geschmack und Humor quasi allergisch reagiert (oder mit dem Leben abgeschlossen hat), lässt sich dieser neunzigminütige Quark erdulden, ohne in kataleptische Starre zu verfallen. Regisseurin Cathy Yan, die an ihre Arbeit offenbar den inszenatorischen Anspruch von Astro-TV stellt, vermag es zu keinem Moment, auch nur leidlich zu liefern. Kein Gag, der sitzt, kein Spaß, der lustig wäre, kein Dialog, der über „Berlin, Berlin"-Jargon hinausginge und keine Choreographien, die mehr böten als uninspirierten Showkampf. Wenn man einem sehr intelligenten Schimpansen den Auftrag gäbe, ein Drehbuch zu verfassen, dann könnte man trotzdem nicht erwarten, dass da mehr rauskommt als Affentheater. Und so ist es auch bei der auf kindertaugliche Soziopathin getrimmten Gaudi-Lise, der es immerhin gelingt, Doktortitel und Spatzenhirn unter einen Hut zu bringen.
Die kleine Truppe, die sich bald um die Titelfigur schart, ist rein weiblich. Da ist eine um ihre Karriere gebrachte, desillusionierte Polizistin (Rosie Perez), eine jugendliche Diebin (Ella Jay Basco), eine bogenschießende Rächerin (Mary Elizabeth Winstead) und weiß der Kuckuck, die Taube oder Wonderwoman noch wer. Und das ist kein Zufall, denn das ebenfalls überwiegend weibliche Produktionsteam verfolgt ein Ziel. Ein politisches. Man will mit der Männerwelt abrechnen. Mit Chauvinisten, Muskelbergen, Testosteron, Realität und Ungerechtigkeit. Dürfte man dieses sinnfreie Treiben um einen geklauten Diamanten, den ein frauenhassender Oberbösewicht (Ewan McGregor) wiederhaben möchte, irgendwie ernst nehmen, müsste man näher auf den gequälten Feminismus des Konzepts eingehen, doch so kann man das getrost sein lassen. Denn ein Film, der intellektuell so auffällig wie Popeye ist, darf sich erlauben, was er will und muss sich für seine Nöte und Komplexe nicht rechtfertigen. Hätte man sich allerdings qualitativ in der Klasse vergleichbarer Action-Klopper bewegt, die in schöner Regelmäßigkeit für ein eher männliches Publikum inszeniert werden - man hätte den Gefährtinnen ebenso gratuliert wie der „Atomic Blonde" (2017) oder einer „Peppermint" (2018). Es sind also nicht mangelndes Einfühlungsvermögen oder männliche Vorbehalte, die hier den Weg zum Film versperren, sondern eine dröge, höhepunktlose, miserabel inszenierte, gezwungen schrille und nur vorgeblich hippe Geschichte. Eine Geschichte, die ungefähr den Kultfaktor eines Rohrbruchs und das Flair von einem verstopften Abfluss hat.
Natürlich wäre es naheliegend, „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn" mit dem „Joker" zu vergleichen, also der ebenfalls dem DC-Kosmos entsprungenen letztjährigen Nicht-Comic-Verfilmung, die als intelligentes Drama angelegt war. Und doch sollte man diesen Vergleich tunlichst nicht anstellen, denn die beiden Filme sind weder kompatibel noch auf irgendeine Weise miteinander verwandt. Auch das Zielpublikum ist ein anderes. Hob Joaquin Phoenix als „Joker" auf intellektuelle Besprechung und soziologisch interessanten Diskurs ab, adressiert Margit Robbie mit ihrer Figur ein Publikum, das zu einem nicht unerheblichen Teil das Wort „Emanzipation" gar nicht erklären könnte. Nach „Suicide Squad" (2016), von dem Cathy Yans Film ein unerbetenes Spin-Off ist, hielten sich die Erwartungen für diesen erwartbar überdrehten Zirkus freilich in Grenzen. Und doch ist man, vor allem nüchtern, ernüchtert. Es ist jedenfalls in filmanalytischer Hinsicht lehrreich zu sehen, wie sehr tolle Mimen auf den Menschen auf dem Regiestuhl angewiesen sind. Ewan McGregor und Mary Elizabeth Winstead standen nämlich erst kürzlich viel vorzeigbarer gemeinsam vor der Kamera. Die dritte Staffel der Serie „Fargo" wurde von diesem Duo davor gerettet, mit den ersten beiden Seasons nicht mehr mithalten zu können. Ihr Einsatz war ein reines Vergnügen. Hier jedoch, unter den Fittichen Yans, wirkt ihr Spiel reizlos, leer und bezahlt. Auch Rosie Perez hatte vor nunmehr 23 Jahren mehr zu sagen zum Thema Gleichstellung. Als „Perdita Durango" (1997) lieferte sie den Beweis dafür, dass eine zierliche Frau von einem großen Mann (Javier Bardem) in Sachen Bedrohlichkeit durchaus nicht zwingend in den Schatten gestellt wird. Ihr Auftritt in dem zwar augenzwinkernden, aber recht brutalen Spartenfilm ging zu Recht in die Genregeschichte ein. Verglichen mit damals liefert Perez, vermutlich regieverschuldet, eine recht emotionslose Performance. Wie beim „Joker" wird bei den Krawalleinlagen übrigens weitgehend auf CGI verzichtet - eine immer öfter gesehene (positive) Entwicklung, die diesen missglückten Versuch, lustig sein zu wollen, aber auch nicht unterhaltsamer macht.
„Harley Quinn" ist eine Schlunze. Eine, die bezahlen für spießig, Steuerhinterziehung für eine Leistung, Höflichkeit für albern und Rücksichtnahme für langweilig hält. Und dann wundert sich der verwirrte Fratz heulend, dass sie „keiner mag". Selbst bei Kika-TV geht es erwachsener zu. Der gesamte Plot wirkt wie die neunzigminütige Kleinmädchenfantasie einer Alzheimerpatientin. Ein Gutes hat das sinnlose Blabla der Mädels, einen einzigen Lichtblick gibt es immerhin in diesem ansonsten geistig tief umnachteten Film: Will Smith spielt nicht mit. Danke dafür.