Review

Schweigen und Schreie 


Das ist wohl einer der größten Gaps zwischen Publikum und Kritikern seit langem, 
war/ist hier etwa eine Seite dumm, überheblich oder (wohl noch schlimmer) befangen?

Oder ist der massiv entschleunigte, hyperrealistische Thriller über den Alltag einer Assistentin eines fiesen Filmproduzenten, 
einfach schwer zu vermarkten, verstehen und zu bringen an den Endkonsumenten?! 

Ist auch egal, „The Assistant“ hat viele Vorzüge und erstaunliche Details, 
kein Wunder, dass Regiedebütantin Kitty Green vor'm Filmen monatelang Interviews führte um jeden Preis. 

Hier ziehen sich messerscharfer Schrecken und Unbehagen aus ganz vielen Kleinigkeiten und der Stille, 
doch das scheint vielen einfach zu wenig und zu subtil zu sein, erst recht wenn man aus der Mitte nimmt 'ne zufällige Mille. 

Doch auch ich fragte mich manchmal, ob da nicht mehr hätte gehen können oder müssen, 
selbst wenn man natürlich auch nicht direkt jeder Offensichtlichkeit und jedem Klischee muss den Hintern küssen. 

Denn trotz etwas blasser, aber insgesamt sehr strukturierter und hübscher Bilder, 
habe ich's dann für einen großen Coup scheinbar doch gerne etwas lauter und wilder. 

Dennoch muss ich diesem akuten Stilgemälde unserer Zeit Respekt zollen, 
möchte man einen solchen Film machen, muss man das wohl richtig heftig und ausdauernd wollen. 

Außerdem fällt Protagonistin Julia Garner mal wieder durchaus auf als massives Talent, 
selbst wenn das natürlich nur wenig davon abhält, dass die Hälfte Details und Enthüllungen verpennt. 

Hier werden keine Fragen gestellt, noch weniger Antworten gegeben, 
doch allein für sein (zu extremes?) mutiges Understatement kriegt dieser Indie meinen dezenten Segen. 

Fazit: der subtilste Horrorfilm ever?! Mehr als nur der inoffizielle „Weinstein“- und „MeToo“-Film. Und gleichzeitig auch so viel weniger (als er sein könnte)... Ein von Minimalismus und Subtilität geprägter, sehr ruhiger, detaillierter und durchdachter, intelligenter, lethargischer und anti-mondäner, fast schon (zu?) emotionsloser Kommentar zu einem der lautesten Themenkomplexe der letzten Jahre, zu Macht, Machtstrukturen und Machtlosigkeit. Interessant und respektabel. Wie eingeschlafene Füße in Champagner. 

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