Review
von Leimbacher-Mario
Der Tramp auf seinem Kurzfilm-Höhepunkt
Charlie Chaplins "The Immigrant" von 1917, gilt als einer seiner größten Errungenschaften vor seinen Langfilmen - was ich absolut unterschreiben kann! In dem knapp 20 minütigen Kurzfilm, den es sogar gratis auf YouTube zu bestaunen gibt, geht es um einen Einwanderer/den Tramp, der in der ersten Hälfte auf einem Boot Richtung New York kommt & in der zweiten Hälfte auf die ersten Eingewöhnungsschwierigkeiten in seiner neuen Heimat trifft. Währenddessen findet der Tramp seine Liebe & einen Job, Chaplin äußert subtil & ewig lustig Kritik am damaligen Einwanderungssystem der USA & jeder Zuschauer wird köstlich unterhalten, vom größten komödiantischen Genie des frühen 20. Jahrhunderts.
Ein Kurzfilm kann natürlich nicht so fesseln & beeindrucken, wie folgende Langfilme ala "Moderne Zeiten", allerdings macht ihn seine kurze Laufzeit nahezu frei von Längen & zur perfekten Gute-Laune-Fast-Food. Man erkennt schon enorm viele Ansätze, die Chaplin später zur Legende werden lassen sollten - egal ob physische Slapstick-Comedy oder dezente Taschenspielertricks, er hatte einfach alles drauf. Und zudem noch eine Menge Herz, das trotz ein paar seltsamer Verhaltensweisen seiner Figur hier, nie verloren geht. Wenn die Einwanderer vom Boot ergriffen die Freiheitsstatue sehen, hat das zudem noch etwa Melancholisches & erst recht Aktuelles. Besondere Szenen, die mir mehr als nur ein Grinsen entlocken konnten, sind z.B. die menschliche Walze auf dem Boot, Charlies wilde Manieren oder sein "Münztrick" im Restaurant. Für Fans des Tramps ein Must-See & ein herzlicher Kurzfilm, sozusagen Apetitanreger auf die Hauptspeisen im kommenden Jahrzehnt.
Fazit: das Chaplin für Größeres bestimmt & reif war, ist hier schon mehr als in den Ansätzen zu sehen... Aus den Abenteuern eines Immigranten hätte auch gut ein Langfilm werden können!