Review

Diesen Film als B-Movie zu bezeichnen ist durchaus gerechtfertigt: Biker, Bullen, Bambule - alles Dinge, die mit B beginnen und einen amüsanten Abend versprechen. Und erst der deutsche Titel: "The Riffs - Die Gewalt sind wir!" Da fühlt sich der aktionsirientierte Zuschauer doch glatt abgeholt, in die liebevolle Plüschdecke der Männerfreundschaft eingemurmelt, warmen Kakao und Umarmungen inklusive. Wir gegen die zieht halt immer, besonders, wenn's gegen Amtskorrupte und Oligarchen geht, denen man als kleine motorisierte Schicksalsgemeinschaft tapfer entgegenknattert.

Jepp, richtig geraten, wieder ein Film, den ich auf dem Höhepunkt meiner Punkzeit sah und der mich begeisterte. Aber bei weitem nicht nur wegen dem Pathos: der gemeinsame Raubzug Castellaris und Sacchetis durch die Jagdgründe der "Klapperschlange" und das Revier der "Warriors" hat einen ganz eigenen kruden Chic zwischen Mad Max-Fantreffen und Ghettodrama. Hinzu kam damals ein gehöriger Seltenheitswert, da ich damals nicht an die gekürzte DVD-Box der Trilogie (die eigentlich "nur" ein Duo ist) herankam. So ist das halt, wenn man keine kompetenten Filmshops in der Stadt und überdies CDs und Bieres wegen kaum Geld hat.

Anne hat diese Sorgen nicht, dafür juckt der goldene Löffel im Mund der bald 18-jahrigen gehörig, weshalb die angehende Konzernerbin in die Bronx und damit in die starken Arme von Rocker Trash (MARK FUCKING GREGORY!) und seiner Entourage (u. A. Joshua Sinclair und Massimo Vanni - ebenfalls verdammt geile Typen! ) flüchtet. Die retten sie gerade noch vor einer Horde rollschuhfahrender Wegelagerer mit stählernen Hockeyschlägern und bieten gentlemanlike Geleit gen Rückweg an, was die Aussteigerin aber wehement ablehnt.

Und das, obwohl das Zuckerschlecken in der Bronx schon längst der Vergangenheit angehört: Konflikte mit Gangsterboss Orgy (FRED FUCKING WILLIAMS!) und seinen Tigers sowie gelegentliche Zusammenstöße mit Cops und Kanalisationskannibalen erschweren neben Wohnraumnot und Resourcenknappheit den Bandenalltag. Zudem setzt der Konzern von Annes Eltern noch den Detektiv Hammer auf die Ghettobewohner an, um Töchterchen aus der selbstgewählten Gosse zu pflücken. Doch der hat mit der Planung eines inszenierten Bandenkrieges seine ganz eigene Agenda...

Aus irgendwelchen Gründen wird der Streifen gerne schon mal in die Endzeitgefilde mitverpackt, wobei die Einschätzung gerade mal so halb stimmt: sehr dystopisch angehaucht ist das überfüllte New York dennoch weit davon entfernt, komplett zerfallen zu sein, was die Bronx und ihre Bewohner zu sowas wie einer Parallelgesellschaft macht. So oder so sollte klar sein: wenn die Italiener 1982 in New York drehten, dann vor allem, um Mus aus dem Big Apple zu machen. Und das mit Hilfe verschiedenster bunt durcheinander gewürfelter Beiköche vom Rande der Gesellschaft. Unabhängig von Hautfarbe, Handicap und Nazi-Uniformenfetisch - die Riffs casten für ihre Gang alles von der Straße weg, was nicht bei Drei resozialisiert wurde. Außer polyestergerüstete Spackos auf Rollschuhen und Kannibalen - da ist dann doch eine Grenze erreicht. Das Verhältnis zur Theater - AG, die gerade ein Musical zu "A Clockwork Orange" auf die Beine stellt ist derweil angespannt, wenn auch eher auf der erotischen Ebene der jeweiligen Bandenführung. 

Kloppe ist zwischen Hardrock, Pornofunk und modulare Synthiegeheule jedenfalls garantiert, aber auch für einen Diplomatengipfel mit funkiger Drumbegleitung und einer rührenden wie pathosreichen Bikerbestattung bleibt Zeit. Das Highlight ist und bleibt aber Mark Gregory als Trash, dem ich Statur und Mimik sei Dank sowohl den krassen Macjer als auch den fürsorglichen Typen abkaufe. Nebem dem amerikanischen Ureinwohner "Thunder" sollte Trash eine seiner wenigen Hauptrollen werden, was ich schade finde: ich hatte den Typ durchaus gerne nochmal öfter gesehen. Am Ende der Schauspiellaufbahn wartete allerdings ein Neubeginn als Zeichner. Die Bilder würde ich zu gerne mal sehen, aus aufrichtigem Interesse versteht sich. 

Leider wird man als Fan seit nunmehr 13 Jahren nicht mehr dazu kommen können, sich bei Herrn Gregory für seine Rollen bedanken oder ihm gar ein Kunstwerk abkaufen zu können: der gute Mann beging im Jahre 2013 in seiner Heimatstadt Suizid. Ein Grund mehr, warum ich diesen Film für meine 200. Review ausgepackt habe: als Erinnerung und Ehrerweisung an einen Akteur, der mich mit seiner Mimik und Gangart zum Lachen brachte, der mir aber trotzdem tiefsten Respekt abringt. "Wenn's mich erwischt werden sie mich nach zwei Tagen schon wieder vergessen haben." Nope, nicht mit mir: Grazie, Marko! Wenn wir uns im Jenseits mal begegnen geht der erste Grappa auf mich. 



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