Es ist wenigstens nicht „Klassentreffen 1.0“ ...
Wenn das schon das größte Kompliment ist, das man Til Schweigers Fortsetzung machen kann, ist da wohl mal wieder ganz mächtig was schiefgelaufen. Ja, „Die Hochzeit“ ist ungefähr doppelt so gut wie „Klassentreffen 1.0“, aber da der Vorgänger sich in allen Bereichen im Minusbereich ansiedelte, ist das echt kein Kunststück.
Zwar lässt sich feststellen, dass Schweiger sich zur Abwechslung offenbar die durchweg vernichtenden Kritiken zu Herzen genommen hat und den misogynen Grundton ebenso deutlich zurückgefahren hat, wie er sich selbst vom Sockel des unfehlbaren reichen Supermannes Tommy, zu dem Mann wie Frau aufblicken, egal was auch immer er sich leistet, stößt und von den Versagern Nils (Samuel Finzi) und Andreas (Milan Peschel) nicht mehr ganz so weit entfernt ist. Tommy ist immer noch reich und beliebt, aber sein letztes Album floppte gewaltig, weil er, statt geile Beats aufzulegen, inzwischen lieber softe Liebeslieder macht. So ist sein „Ich bin Künstler! Ich habe mich weiterentwickelt!“-Ausruf ziemlich zu Beginn des Films auch gleichzeitig der beste Gag im Film, denn wenn er damit seinen Kritikern auch in der Realität eine mitgeben wollte, ist der hoffnungslos rückständige Filmemacher hiermit gnadenlos gescheitert.
Darüber hinaus macht Schweiger aber auch nicht mehr nur Gags auf Kosten von Nils und Andreas, sondern legt sich mit seinen Aktionen mehr als einmal kräftig aufs Maul. Da sich das dann aber beispielsweise darin äußert, dass er einer Pastorin versehentlich eine robuste Tür ins Gesicht haut, ist damit auch gleich die Messlatte für den Humor in diesem Film gelegt, der wenige Zentimeter unterhalb der Grasnarbe zu finden ist, wenn man etwas buddelt. Ansonsten zieht der Film seinen sogenannten Witz aus cholerischen Anfällen (Motto: laut = lustig), Sexunfällen, die aus einer Überdosis Viagra und einem Scheidenkrampf resultieren, und langen Schwänzen, die nach Nils‘ Ansicht auch der Grund sind, warum so viele Hausfrauen nach Jamaika fliegen. Auffällig auch: Wie in „Klassentreffen 1.0“ gibt es genau einen Schwarzen im Cast, der schlecht Deutsch sprechende Chauffeur eines Leichenwagens, der dann auch gleich für einen absoluten Flachköpper von einem Witz missbraucht wird.
In diesen Slapstick-Reigen – inklusive finaler Tortenschlacht –, für den sich echte Meister wie Stan Laurel und Oliver Hardy in Grund und Boden schämen würden, versucht „Die Hochzeit“ auch, zahlreiche nachdenkliche Passagen unterzubringen, die dann aber, wie man es halt von Schweiger kennt, mit solcher Wucht kommen, dass Kopfschmerzen die Folge sind, denn es reicht ja nicht, dass die wohlhabenden Figuren mit ihren First-World-Problemen leiden. Zusätzlich kommt auch noch trauriges Klaviergeklimpere zum Einsatz, wenn nicht eh mal wieder einer der gefühlt 5.000 seichten Popsongs eingespielt wird. Tommys zukünftige Stieftochter Lili (Lilly Schweiger) ist in Liebesnöten, weil ihr bester Freund sich von ihrer besten Freundin getrennt hat, da dieser wiederum in Lili verliebt ist, während Nils mit dem Seitensprung seiner Frau Jette (Katharina Schüttler) hadert. Und stets sind es Kalenderspruch-Reden von dritten Personen, die die faden Konflikte in Wohlgefallen auflösen. Selbst das große Missverständnis „Lili glaubt, dass Tommy fremdgeht“ ist wie im Vorgänger auch hier wieder zu finden.
Dieser Wechsel aus peinlichen Albernheiten und dick aufgetragener Ernsthaftigkeit ist es, der den Film quasi ungenießbar, weil unendlich langweilig macht. Schweiger stülpt seit „Barfuss“ – mittlerweile ja auch schon 15 Jahre her – seine immer gleichen Story-Schablonen über seine Filme und hofft, damit Erfolg zu haben. Das hat lange gut funktioniert, zumindest beim Publikum, doch nach seinem Mega-Erfolg „Honig im Kopf“ hat er selbst das nicht mehr auf seiner Seite, wie die mauen Zuschauerzahlen belegen. Wenn er sich also ständig beklagt, dass ihn das Feuilleton gefälligst ernst zu nehmen habe, soll er mal bitte bei sich selbst anfangen – und Drehbücher schreiben, die auch mal Neues zu bieten haben, die überraschen, und keine (Tragi-)Komödien mit Witzchen, die in ähnlicher Form auch in den 70ern und frühen 80ern in Deutschland hätten entstehen können. 2/10.