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Ein Film für Freunde anspruchsloser Unterhaltung im Stile der Bravo - Fotolovestories, bekanntlich die Vanilleeisliebhaber unter den Cineasten: Ornella Muti spielt hier das unschuldige Bonzengör Lisa, die beim nachmittäglichen Hippiebegaffen mit ihren Freundinnen auf den sexy wie liebevollen Robert trifft, der in selbsterwählter Aussteigerarmut elterliches Geld, bürgerliche Arbeit und Obdach wehement ablehnt. Wie zur Hölle er bei seinem Gammlerasein sein gepflegtes Äußeres und seinen Sexappeal auf Lisa beibehalten konnte? Keine Ahnung! Die nun mit in Wallung geratenen Hormonsäften abgefüllte Lisa lädt den sympathischen Gammler zu sich nach hause ein, wo der konservative Kaptalistenpapie unserer Protagonistin prompt Anstoß an dem harmlosen, aber unkonventionellen jungen Mann nimmt, der sich die Frechheit herausnimmt, im Jugendzimmer der Frau Tochter zu rauchen und gut auszusehen. 

Das reicht dem Penunzenpatriarchen scheinbar, um Töchterchen den Kontakt zu verbieten und genau das Gegenteil zu erreichen, weswegen Lisa und ihr Robert erst das elterliche Strandhaus heimsuchen und dann per Boot eine Rudertour auf. Dort endlich in trauter Zweisamkeit entsendet der angepisste Erzeuger alsbald die moralisch korrupte Polizei, die der Filmlogik nach selbstverständlich auf der Seite des scheinbar mussolinigeschädigten konservativen Vaters ist und prompt per HUBSCHRAUBER (!) dem frisch gebackenen Pärchen in spaßverderberischer (und mutmaßlich empfängnisverhütender Absicht) auf die sonnengebräunten Pellen rückt.

Oh Mann, bei dem Film kriegt man doch glatt Diabetes! Alles ist hier so zuckersüß, alles so verdammt glattgebügelt und sauber. Der Film ist alles in allem nicht rebellisch genug für seine Protagonisten: Robert könnte mit seiner halblangen Matte gerade noch so als Schlagersänger durchgehen und ist damit weit entfernt von den sexverrückten, verdreckten Mansonkultisten, die man presseseitig zu jener Zeit gerne ins Felde gegen die Flowerpowerbeewegung führte. So reicht auch schon die unverhaschte Kippe in Robertos Händen, um Lisas Vater in BILD - Hassstimmung zu versetzen und gegen die Gefühle seiner Tochter anzetern zu lassen. Daher ist es auch selbstverständlich, dass gleich ein ganzer Polizeitrupp die beiden verknallten Teenies per Helicopter und schwer bewaffnet über die Insel jagd, auf der die beiden ihren privaten Hippietrail von der Staatsgewalt bedroht zwangsbeenden. Lisa selbst im Übrigen hat außer ihrer Liebe zu Roberto keinerlei nennenswerte Charaktereigenschaften und entgegnet den Entkuppelungsversuchen ihres Herrn Papa nur mit der halbherzigen Gegenwehr eines schlaftrunkenen Opiatspatienten.

Das Ende (ACHTUNG: SPOILER! Auch, wenn es kaum jemanden verwundern dürfte, wie der Film endet), bei dem der inzwischen verhaftete Roberto zu seiner liebsten Lisa auf die gerade abfahrende Familienyacht springen will und dann offscreen dem zarten Todeskuss der stählernen Schiffsschraube erliegt hat übrigens nur Lisas Weichzeichnererinnerungen als Creditunterlage zum Resultat, wo ein psychotisches Dauerschreien in der tröstenden Umarmung einer Zwangsjacke angebracht gewesen wäre.

Ich weiß gar nicht mehr, in welcher der circa tausend bundesdeutschen Retrofilmreihen ich erstmals auf diesen Film und damit auf die großartige Ornella Muti stieß. Aber einen anderen Eindruck außer "Sachen gibt's..." hat dieser Film leider nicht hinterlassen. Aber gelegentliches Postkartenidyll mit schönen Körpern (man muss auch als Hete neidlos gestehen können, dass Roberto verdammt gut aussieht) kann man sich zwischendurch ja auch mal gönnen. Nur schade, dass besagte Körper kaum nennenswerte Mengen an hochwertigem Skript bekommen haben, um ihr schauspielerisches Können zu beweisen. 

4 Sterne wegen der schönen Kulissen, der stimmigen Musik und unserer jungen hübschen ProtagonistInnen, von der eine zum Star mutierte, während der andere kopfüber in den Genresumpf sprang und 1998 erst wieder auftauchte, um seine Karriere an den Nagel zu hängen.

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