Review
von Leimbacher-Mario
Dinner im Dunkeln
Eigentlich sollte „The Invisible Man“ Teil des neuen Universal-Monster-Universums werden, nachdem dieses dann gecancelt (?) wurde, gab man das Projekt an Blumhouse, schrumpfte es (gesund?) und haute einen miserablen, massiv spoilernden Trailer raus. Alles Dinge, die meinen Glauben in das Projekt jetzt nicht gerade in neue Höhen trieben. Trotz der grandiosen Frau Moss als Star und dem enorm talentierten Leigh Whannell auf dem Regiestuhl („Upgrade“ war Bombe!). Ich hätte trotzdem niemals gedacht, dass einen hier „Qualitätsware“ oder mehr als Durchschnitt erreicht... Tja, wie man sich täuschen kann! „The Invisible Man“ hat mit dem Klassiker kaum mehr als den Namen gemein und handelt von einer Frau, die aus einer gewalttätigen und toxischen Beziehung mit einem Tech-Genie flieht. Doch obwohl dieser dann kurz darauf Selbstmord begangen haben soll, fühlt sich die extrem verunsicherte und psychisch labile Frau verfolgt und alles andere als sicher...
Von etwas oder jemandem verfolgt zu werden, das/den man nicht (kommen) sehen kann - eine Urangst, sehr gruselig. Aus einer katastrophalen, schmerzhaften und ungesunden Beziehung nicht entkommen zu können - ebenfalls echter, realer Horror. Und als Frau von einem Mann unterdrückt und misshandelt zu werden - furchtbar und leider alptraumhafter Alltag für viele. Psychische Krankheiten und Traumata, geistige Unzuverlässigkeit - ein weiterer wunder Punkt für uns Menschen, der richtig weh tun kann. Und genau aus all diesen Themen zieht Whannells „Unsichtbarer“ seine Hauptstärken. Und ist der beste, nachhaltigste Horror nicht immer noch der, der seine Wurzeln im Realen, unserer jederzeit fühlbaren Umwelt und Gesellschaft hat?! Addiert man zu diesem beachtlichen Rückgrat und Mehrwert noch einen elektronisch-pulsierenden, ja bebenden Score, die immer fabelhafte Leading Lady („The Handmaids Tale“ - ebenfalls saustark!) und filmischen Verfolgungswahn per excellence, dann hat man eine der ersten richtig feinen Genreüberraschungen des Jahres. Die etwas zu ausgedehnt Laufzeit, ein paar Logikfragen und Wiederholungen schaden da nur in der B-Note.
Fazit: funktioniert gut als Beziehungsthriller, solide als Gruselkabinett und vor allem - und das hebt dieses clevere Versteckspiel deutlich über die Erwartungen, seinen miesen, viel zu viel verratenden Trailer und etliche seiner „Vorgänger“ - grandios als Kommentar zum Thema häusliche Gewalt und (weibliche) Traumata. Whannells zweieinhalbster Treffer (ja, auch der dritte „Insidious“ war besser, als er jedes Recht hatte!) in Reihe und eine dicke Empfehlung für mehr!