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1946: Freigeist Marco (Patrick Dewaere) hat keinen wirklichen Job, sondern hat sich von einem kleinen Erbe ein hübsches Boot gekauft, mit dem er auf dem Lago Maggiore rumschippert. Eines Tages trifft er den geschwätzigen, aber sympathischen ehemaligen Kriegshelden Mario (Ugo Tognazzi), der unglücklich mit Cleofe verheiratet ist, die zwar einiges an Geld hat, aber nur wenig Verständnis für Marios Eskapaden und immergleiche Geschichten aus dem Somalia-Krieg der Italiener. Aber dann gibt es da noch Cleofes jüngere Schwester Matilde (Ornella Muti), deren Mann im Krieg verschwand. Bald entwickelt sich eine vermeintliche Liebesgeschichte zwischen Matilde und ihrem Schwager, wobei Marco sie auch toll findet, und dann kommt Cleofe zu Tode…

Was ein Drehbuch! Reich an irren Wendungen, nicht immer logisch, aber vor allem von Ugo Tognazzi großartig verkörpert, edel ausgestattet und am Ende ein veritabler Krimi. Regiealtmeister Dino Risi dreht den Film 1976 an Originalschauplätzen und das titelgebende Zimmer des Bischofs ist das Schlafzimmer, wo Marco die erste Nacht, von Mario eingeladen, im Palast am See verbringt und immer mehr in die Wirrungen dieser Familie hineingezogen wird. Und in deren Verlauf er merkt, wie viele Lügen ihm Mario immer wieder auftischt und wie wenig er ihn eigentlich wirklich kennt.

Entdeckt habe ich den Film kürzlich bei Netflix, wo er gut versteckt im Katalog schlummert und ein weiterer unterschätzter Baustein dieser neuen Euro-Quote des Streaminganbieters ist.
Sowohl Mario wie Marco wirken beide aus ihrer Zeit gefallen: Marco eher wie die Vorwegnahme eines Hippies, der sorgenfrei in den Tag gondelt, eine Affäre mit einer putzigen Schweizerin hat, die ähnlich frei agiert. Mario lebt in der großen Villa, ist aber unglücklich verheiratet, schmachtet seiner Schwägerin hinterher, lebt von seiner Kriegs-Grandezza, die aber immer mehr verblasst und nur noch Stoff für amüsante Anekdoten in abendlicher Runde ist. Dritte im Bunde ist Matilde, verkörpert von der geradezu absurd schönen Ornella Muti. Sie ist der Katalysator am Ende und doch ist das Ende ganz anders als gedacht. Alle drei Hauptdarsteller machen ihre Sache großartig, wobei Tognazzi natürlich die „saftigste“ Rolle hat, die am meisten bietet.

Wenn ich Dino Risis Film kategorisieren müsste, so könnte ich es kaum. Er ist teilweise Krimi, teilweise Drama, teilweise absurde Komödie, gerade am Anfang, als Mario seine Lebensweisheiten zum Besten gibt und Mario als Ausweg aus seiner ehelichen Misere sieht – endlich mal ein netter Typ, der sich höflich seine Geschichten anhört und mit ihm lacht, nicht über ihn.

Auf jeden Fall hat mir der Film Spaß gemacht, es war eine Wonne, Ugo Tognazzi und den leider viel zu früh verstorbenen Patrick Dewaere mal wiederzusehen und nun, Ornella ist ja eh immer eine Augenweide.

Kein Meisterwerk, weil er nicht immer die Summe aller seiner Teile
ist, aber dennoch sehenswert…und ich glaube auch niemals in Deutschland erschienen…
7,5/10.

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