iHaveCNit: Wege des Lebens – The Roads Not Taken (2020)
19.08.2020
Wenn ich an Filme mit Charakteren denke, die an Alzheimer und Demenz erkrankt sind, kommen mir sehr schnell die Til-Schweiger-Tragikomödie und der Zuschauermagnet „Honig im Kopf“ als auch die für Julianne Moore oscarprämierte Literaturverfilmung „Still Alice“ in den Sinn. Aktuell ist mit „Wege des Lebens - The Roads Not Taken“ von Sally Potter auch ein intimes Drama in den Kinos, dass vielleicht etwas kurz und oberflächlich ist, aber im Kern vor allem von seinem Darstellerdou Javier Bardem und Elle Fanning getragen wird.
Molly sollte eigentlich einen für ihren Beruf wichtigen Vortrag halten, doch dann kommt etwas dazwischen. Ihr Vater Leo, den sie einige Zeit nicht gesehen hat ist geistig verwirrt und benötigt für wichtige Termine außerhalb seiner vier Wände eine Begleitperson. Während Molly einen Zugang zu ihrem Vater sucht, scheint sich Leo in Scheinwelten zu verlieren, die mit früheren Lebensstationen zu tun haben.
Eine Person hat mir einmal über Demenz erzählt, dass man sich diese Krankheit wie ein Bücherregal vorstellen kann. Während das Regal selbst der Körper mit seinen Grundfunktionen ist, wird das Regal im Laufe des Lebens mit vielen Erfahrungen, Erlebnissen und Erlerntem in Form von Büchern gefüllt. Bei Demenz fallen im Laufe der Zeit viele dieser Bücher aus dem Regal – und selbst wenn man Bücher lange Zeit im Regal hatte, kann man sich nicht mehr sicher sein, den Inhalt zu kennen. Und so kommt es, dass der Film sich mit insgesamt 3 Büchern auseinandersetzt, die miteinander verwoben werden. Sowohl die Handlung im Hier und Jetzt als auch 2 weitere Szenarien werden hier miteinander kombiniert, bei denen wir uns nicht sicher sein können, ob Teile des Inhalts tatsächlich so passiert sind oder ob sie dem verwirrten Geist entstammen. Genau das versucht Regisseurin Sally Potter in ihrem Film darzustellen, der in weniger als 90 Minuten leider für die thematische Aufbereitung ein wenig zu kurz ist und vieles nur anreißt und nicht die mögliche Tiefe erreicht. In Nebenrollen sehen wir zum Beispiel Laura Linney und Salma Hayek, aber der Kern des Films sind vor allem das Vater-Tochter-Duo aus Elle Fanning und Javier Bardem, das dem sehr intimen und bodenständigen Film sehr gut tut, von dem ich gerne eine längere Version mit wesentlich mehr Tiefgang und emotionaler Bindung gesehen hätte.
„Wege des Lebens – The Roads Not Taken“ - My First Look – 7/10 Punkte.