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Kennen Sie eigentlich Crispin Glover? Crispin Glover, das war der Schauspieler, der in "Zurück in die Zukunft" den Vater von Martin McFly darstellte, George McFly, und wirklich eine beeindruckende Performance darbot, egal ob nun als mittelalterlicher Zeitgenosse in der Gegenwart oder als Jungspund in der Vergangenheit. Seine Performance hatte wirklich von vorne bis hinten Klasse. Um so verwunderlicher ist es da, dass er außerhalb dieses Films eigentlich keine größeren Rollen mehr angeboten bekam. Bis auf "Willard", einem kleinen, relativ annehmbaren Horror-Drama, dass aber dennoch nicht mehr als Grusel für zwischendurch bietet, trotz seines brillanten Hauptdarstellers.

"Willard" ist im Grunde eine Mischung aus Außenseiter-Drama und Rattenhorrorfilm. Es geht um den eigenwilligen Willard, der unter seines tyrannische Mutter leidet und keinerlei Freunde besitzt. Stets und ständig wird er nur gehänselt und sein Boss macht Tag für Tag zur Sau. Nur in den Ratten sieht er seine Freunde. Allen voran in Sokrates, seiner Lieblingsratte. Als diese eines Tages allerdings getötet wird, schmiedet er einen perfiden Racheplan... Im Grunde bietet "Willard" einfachen Gruselstoff, der weder irgendwo innovativ ist noch sonderlich einfallsreich ist. Weder ist Willard ein außergewöhnlicher Außenseiter, noch bieten seine brutalen Ratten einen Fundus für Ideen. Kurzum, nicht mehr als einfache Unterhaltung für den verregneten Abend.

Was allerdings wirklich gut funktioniert, dass ist die Zeichnung der Hauptfigur. Regisseur Drehbuchschreiber Glen Morgan lässt sich viel Zeit, um den trostlosen Willard seinem Publikum vorzustellen. Die Figur wird dem Zuschauer mit der Zeit recht sympathisch und man kann sein Leiden und sein Machen durchaus nachvollziehen. Somit birgt auch gerade die erste Hälfte des Films, die sich mit der Vorstellung Willards befasst, für das meiste Potenzial in Sachen interessante Unterhaltung.

Der Grusel kommt dafür aber viel zu kurz. Wirklich viel haben die Ratten eigentlich nicht zu tun und in der zweiten Hälfte zieht sich der Streifen dann auch allzu sehr in die Länge. Nachdem man Willard nun vollständig kennengelernt hat, möchte man ihn eigentlich auch mal dabei zusehen, wie er seine Ratten für seinen perfiden Plan gebraucht, doch es soll unterm Strich nur zwei kurze Szenen geben, die mehr oder weniger gruselig sind. Ansonsten zieht sich aber der Film nur noch in die Länge und Willard geht einem mit seinem Getue dann langsam doch etwas auf die Nerven. Schade eigentlich!

Was die Inszenierung angeht, so wurde allerdings recht gute Arbeit abgelegt. Die Kulissen sind allesamt herrlich trist und können für eine eisige Atmosphäre sorgen. Dazu gibt es einen cleveren, gut komponierten Score, der ebenfalls für Schauer auf dem Rücken sorgen kann. Einige Farbfilter und ein paar kleinere, gut aussehende, Bluteffekte runden das Ganze dann ab.

Und auch das Training der Tiere ist gut gelungen. Die Ratten agieren aufs Wort und legen allesamt eine gute Performance ab, so wie man es halt von kleinen Nagetieren erwarten kann. Und die Hülle und Fülle dieser Ratten (es müssten wohl mehrere hundert dieser Viecher gewesen sein), dürfte wohl selbst dem härtesten Grusel-Fan ein gewisses Ekelgefühl geben. Scheußlich gut, dieses Getier hier.

Last but not least darf aber natürlich auch der Hauptdarsteller nicht vergessen werden. Wie schon in "Back to the Future", so agiert Crispin Glover auch hier wieder absolut fabelhaft und mehr als nur glaubwürdig. Egal ob es nun der langsame Wahnsinn ist, der in ihm aufsteigt oder der Umgang mit den Ratten, alles funktioniert wirklich prima bei ihm. Wirklich schade, dass man ihn nur so selten zu Gesicht bekommt. Alle anderen Darsteller verblassen da neben ihn!

Fazit: Durchschnittliche Mischung aus Drama und Horror, die zwar mit einer absolut wunderbar gezeichneten Figur aufwarten kann und auch in punkto Inszenierung und Darstellung, sowohl in Sachen Hauptdarsteller als auch in Sachen Ratten, überzeugt, aber neben der innovationslosen 08/15-Story auch viel zu viel Leerlauf bietet, vor allem in der zweiten Filmhälfte. Kann man sich anschauen, muss man aber nicht. Und wenn, dann nur wegen dem grandiosen Crispin Glover, den man hoffentlich bald mal wieder sieht!

Wertung: 5,5/10 Punkte

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