Remakes gibt es reichlich, aber warum von einen ganz ordentlichen Film ein ganz ordentliches Remake machen - denn das bleibt in letzter Instanz ein Nullsummenspiel.
Deshalb verwirrt die Neuauflage von Daniel Manns Rattengrusler "Willard" aus dem Jahr 1970 auch ein wenig. Zwar trat Manns Film u.a. die neue Tierhorrorwelle los, die die 70er auf dem B-Movie-Sektor mitbestimmte, aber als wirklich erinnerungswürdiger Klassiker gilt der Film heute (leider?) nicht mehr, eher schon die aufgesetzte Fortsetzung "Ben", die auch nur durch ein Lied Michael Jacksons im Kollektivgedächtnis haften geblieben ist.
Es wird wohl der gewisse satirische Gehalt gewesen sein, den der Rachefeldzug des mausgrauen Willards mit Hilfe einer Rattenarmee provoziert hatte, zusätzlich zu der mehr als gelungenen Tierdressur, doch warum Glen Morgan ausgerechnet die Neuauflage mittels des Originaldrehbuchs anvertraut wurde, bleibt etwas rätselhaft.
Die Filme erscheinen nämlich über weiteste Strecken (bis auf das Ende) ziemlich deckungsgleich und leben im Re-Do hauptsächlich vom Charisma des Hauptdarstellers Crispin Glover, der sich seine Theater- und Filmprojekte künstlerischer Natur immer noch gern durch solche Brot- und Butterrollen verdient und hier wohl seinen Spaß hatte, mit den Nagern zu kuscheln.
Glover, den man zuletzt als "Klappergestell" aus den "Drei Engel"-Filmen in Erinnerung behielt, ist als verklemmter Typ fast schon heimisch geworden und variiert seine Rolle aus der TV-Parodie nur dahingehend, daß er eben statt sexuell bizarr als verklemmt-verschüchtert-ängstlich rüberkommt.
Ansonsten ist alles gleich geblieben: die kranke Mama, das Haus voll Schulden, der furchtbare Boss (hier springt R.Lee Ermey tatkräftig für Ernest Borgnine ein), der die Firma dem Vater abgeluchst hat. Alles Zutaten für eine handfeste Rachestory mit vielen Rattenszenen, doch die durchgepauste Aufwärmübung atmet auch erzählerisch den Geist der 70er und qualifiziert sich damit lediglich als DVD-Premiere, da der B-Markt fürs Kino längst ein anderer (einer der Extreme) geworden ist.
Alles läuft nett und absehbar in überschaubaren Maßen ab und allenfalls die gewissen erzählerischen Parallelen zwischen Menschen und Ratten (Willard bevorzugt seine weiße Ratte Sokrates wegen ihrer Schlauheit und lehnt offen den eher kräftigen, aber tumberen Ben, das Arbeitstier ab, bis dieser sich rächt) machen da ein wenig Freude.
Glover ist Herz und Seele des Films, übertreibt es aber mit den Nerdmanierismen etwas und das Ende kommt dann doch etwas zu hastig dahergestackst, wenn denn der Boss endlich tot ist und praktisch im (unmotivierten) Gegenschuß Willard versucht, seine vierbeinigen Helfer per Giftgas loszuwerden. Die Möglichkeit zur Fortsetzung umgeht der Film im neuen Finale (das übrigens nette Parallelen zum Finale von "Psycho" aufweist) auch komplett, wirkt aber gerade zum Showdown hin unfertig und nicht zum übrigen Gefüge passend.
Beeindruckend immer noch die Rattendressur, auch wenn in einigen Sequenzen die Viecher mehr als deutlich alle aus dem PC kommen - eine Sequenz mit einer geschenkten Hauskatze, die im rattenübersäten Haus von den Nagern zu Tode gehetzt wird, hat aber trotzdem so ihre Qualitäten.
Das wesentliche Problem: "Willard" ist weder ekelig noch gruselig und hat so gut wie gar keine Horrorbilder oder gar Blut. Es ist mehr ein düsteres Märchen in seiner erzählerischen Mechanik und händelt mit Ehrlichkeit, Dank und Undank, Betrug und Rache. Manches gibt zum Schmunzeln Anlaß, manch ein Tierauftritt läßt einen staunen, aber sonst gibt es weder echte Überraschungen, noch etwas, was sich auf Dauer ins Gedächtnis brennt. Solide, unterhaltsam auf jeden Fall und fast ohne große Fehler, aber auch ohne wirkliche Aufregung. Es sei denn natürlich, man hat eine Höllenangst vor den Viechern. (5/10)