Italo-Polizeifilm-Vorzeigetitel
Vielleicht Castellaris Meisterstück, ein weiterer toller Titel (zumindest in der deutschen wie italienischen Version) und ein Meilenstein seines italienischen Subgenres: Kommissar Belli, ein Ermittler für's Grobe, forscht in einem verwickelten und grau-braunen Genua zwischen organisiertem Verbrechen, fehlender Gerechtigkeit und bitteren Verstrickungen mit dem Staat…
Haste Beton am Fuß, haste Beton am Fuß
„Tote Zeugen singen nicht“ (nochmal: Titel kommen kaum klangvoller!) liegt mir am Herzen. Obwohl er solch ein harter Hund von Film ist - mit Franco Nero und allen Drum und Dran. Aber das geht von Genua bis zum weichen, gesellschaftlich relevanten Kern des Ganzen - ich weiß nicht, ob Castellari je besser war oder wurde… „Tote Zeugen singen nicht“ ist schon ein ziemlicher Machofilm. Wie könnte er auch anders bei Nero, Castellari, den unerbittlich gezeigten Themen und allen Beteiligten. Die Einschusslöcher sind groß, es wird selbst vor Kindern keine Rücksicht genommen und das Fazit zum Staatsapparat wie der gesamten italienischen Verfassung ist desaströs und brutal, durchzogen von Gewalt, Korruption und Tod. Und kaum eine Stadt verkörpert das besser als das eigentlich wundervolle Genua. Doch hinter diesem Gewitter aus Blei und Testosteron fühle ich bei „Tote Zeugen singen nicht“ immer etwas aufschimmern. Sei es durch den eingängigen Score oder die kindlichen Nebendarsteller, hinter Francos stahlblauen Augen oder eben in Genuas grauer, zeitloser Schönheit - da ist eine Art Menschlichkeit, Stärke und Hoffnung, die man nicht unerwähnt lassen sollte. Eine Melancholie und Liebeserklärung. Trotz allem was da so schief und unmenschlich und unmoralisch läuft. Ein massives Bollwerk, dieser Film.
Fazit: von Genua bis Nero, von der Mafia bis zum Blaulicht, von den Autoverfolgungsjagden bis zu den Shootouts, von der Härte bis zur Schnelligkeit, von der Coolness über den Soundtrack bis zur allgemeinen Asozialität - dieses geniale Geschoss ist einer der feinsten Poliziotteschi der Geschichte!