Review

Dritte Regiearbeit von Lee Jeong-ho, der mit seinen vorherigen und durch das Verfassen auch der jeweiligen Drehbücher eigenverantwortlichen Tätigkeiten Broken (2013) und Bestseller (2010) die Stellung von Südkorea als Genreprimus in Sachen Cops VS Robbers bzw. der Action- und Psychothriller mit oben gehalten und außerdem auch die Skripte zu weiteren einflussreichen Werken wie The Tooth and the Nail (2017), The Phone (2015) und No Mercy (2009) produziert hat. Der vorliegende Film selber hat trotz aller Voraussetzungen und der anhaltenden Beliebtheit der Gattung Film (nicht nur) in heimischen Gefilden und eigener Qualitäten erstaunlich wenig Zuspruch bei den Zuschauern erfahren, macht aber dennoch international die Festivalrunde und geht wie Vieles aus dem Filmland den Weg der schnellen globalen Distribution. [Beim Start Ende Juni 2019 sind die Einheimischen in gleich zwei familienfreundliche Disney-Produktionen reingelaufen, außerdem war der Megaseller Parasite immer noch am Rotieren und für weitere genre'affine' Kost Long Live the King frisch über.]:

Detective Jeong Han-soo [ Lee Sung-min ] ist auf der Fährte eines Serienkillers, hat aber währenddessen noch mit anderen Problemen zu kämpfen. Sein ehemaliger Partner Han Min-tae [ Yoo Jae-myung ] und nunmehriger Konkurrent um eine Beförderung, die mit dem Ermittlungserfolg einhergeht, ist ihm auf den Fersen und behindert zudem. Zusätzlich bekommt Jeong Besuch von der frisch entlassenen ehemaligen Informantin Choon-Bae [ Jeon Hye-jin ], die vor seinen Augen und mit ihm als 'Alibi' einen Vergeltungsmord begeht. Und Jeong hat selber Dreck am Stecken, was ihm bald zum Verhängnis zu werden droht.

Eine Nacht voller Nebel, voller pechschwarzer Dunkelheit und grüner Schwaden und voller Hass und nüchtern dargebrachter Gewalt. Eine Drohung, die ihren Schrecken nicht verliert und das Ausüben einer brutalen Professionalität trotz mehrerer Hindernisse, die der selbstgewählten Aufgabe buchstäblich im Wege stehen. Zu routiniert und emotionslos fast das blutige Zerschlagen eines Gesichts, jeder Schlag präzise und die gesamte Aktion kurz und bündig und höchst effizient.

Gelernt hat man das. Eigentlich hat man Polizist gelernt und seit ewig schon gedient, verändert hat einen das Leben und die Umstände in der Gesellschaft, wo nichts so geblieben ist wie früher und jetzt kein Stein in der Existenz mehr auf dem anderen steht. Selbst das Alter hat einen eingeholt, sollte man längst in trockenen und warmen Tüchern sein, statt sich mit dem in der Hinsicht schlaueren Vorgesetzten zu streiten und mit den rundum jüngeren Kollegen um die Fälle und die Erfolge zu duellieren. Eine Schachsetzung von Beginn an, wobei das Brett des Spieles hier eine ganze violente Metropole mit mehreren Mädchenmorden als Zug der Eröffnung, Geklüngel um bevorstehende Promotionen, schwelende Konflikte in der Teambildung und vorher noch die Ansage der übermäßigen und durch nichts zu rechtfertigenden Gewaltausübung durch einen Gesetzeshüter höchstpersönlich ist. Manches davon wird hingenommen, wird geduldet, manches noch gefördert, einiges nicht toleriert. Die Nacht der Vergeltung als letzter 'besinnlicher' Moment, hat man.ab da an keine Kontrolle mehr über die Abläufe und wird bloß noch im stets enger werdenden Käfig gerannt.

Wie die ruhig aufgebaute, mit Genreversatzstücken eher geschickt spielende als sie innovativ motivierende oder gar kreativ dominierende Geschichte so fortschreitet, gerät der Gewalttäter von eingangs so dann noch in ein etwas anderes Licht; das übliche Tun des (nicht nur) aktuellen (südkoreanischen) Polizeifilmes, in der von Asura - The City of Madness über Jo Pil-ho - Der Anbruch der Rache die Charaktere genauso schwarz in der Seele scheinen, aber angesichts der noch weiteren Personen um sie herum und des allgemeinen Verwahrlosens der Gesellschaft mindestens grau bloß noch mit mancherlei weißen Flecken gar sind. Der Mordfall als Umrahmung der Inszenierung und als Alibi, schnell noch weitere Figuren aufzubauen und mit eigenen Missetaten die Sichtweise zu verändern; wie ein krimineller Priester in Lehre, ein auf die Promotion hoffender Beamter, der dafür buchstäblich die Bauernopfer über die Klinge springen (bzw. In diese 'hineinlaufen' lässt), eine vor Kurzem aus der Haft entlassene, die als erste Tat der neuen Freiheit kaltblütig einen Anschlag begeht. Jeder für sich alleinstehend schon ein eigenes schweres Problem, was dem Hauptdarsteller zunehmend die Daumenschrauben anzieht und ihn an den Rand des Wahnsinns und dabei auch instrumentalisiert und näher an den Zuschauer heranbringt.

Der Feind meines Feindes ist mein Freund“ wird eingangs mal gesagt; eine Redewendung, die bei einer sowieso schon schweren, dann noch durch Einmischungen und Abzügen von Unterstützung vollends aus dem Ruder laufenden Polizeiaktion noch einmal zu Bewusstsein kommt. Eine versuchte Festnahme von zwei Tatverdächtigen, die so ungünstig im lokalen und migrierten Kriminellenmilieu (von Chinesen und Thailändern) leben, dass aus der Observierung bald ein heilloser und auch hilfloser Hauruck-Einsatz mit Massenprügelei und Todesfällen und eine Schande für Korea's Finest wird. Den auslösenden Mordfall hat man da immer noch nicht gelöst und ist noch weiter als zuvor davon entfernt.

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