In diesem Jahr fand bereits eine Veranstaltung zum 75. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz statt, bei der vier Überlebende zu Wort kamen. Vielleicht hätte Autor und Regisseur Terry Lee Coker an genau dieser Stelle ansetzen können, um ein biographisches Drama über die Zeit kurz vor der Befreiung zu entwickeln, stattdessen entschied er sich für ein Konzept in Richtung „Schindlers Liste“.
Auschwitz-Birkenau 1945: Der frisch gebackene Architekt Hans erhält vom dortigen Kommandanten die Aufgabe, ein neues „Sanitärgelände“ zu errichten. Hierfür nimmt er die Hilfe einiger inhaftierter Juden in Anspruch, unter anderem auch Helena, welche ein Geheimnis mit sich trägt…
Aufgrund des limitierten Budgets arbeitet Coker mit Ausklammerungen und beschränkt den produktionstechnischen Aufwand aufs Nötigste. Anfangs ist mal ein Gefangenentransport mit einigen Leutchen im Zug zu sehen und vom KZ sind meistens nur Teile der kargen Inneneinrichtung zu erblicken. Auch der Kreis der Figuren ist äußerst überschaubar, wodurch das verbreitete Leid und Elend kaum zum Ausdruck kommt. Vom Bau der Anlage sieht man folgerichtig rein gar nichts, von blutigen Einschusswunden jedoch auch nicht, denn trotz dreier Kopfschüsse fließt nicht ein Tropfen Blut.
Im Zentrum des Treibens steht Hans, ein zurückhaltender SS-Mann, der die meiste Zeit über recht unentschlossen wirkt. Er ist weder vom Regime überzeugt, noch ist er dagegen. Insofern wundert seine Wandlung ein wenig, warum er ausgerechnet jener Jüdin aus der Patsche helfen will, die anfangs sein absichtlich fallen gelassenes Taschentuch nicht sogleich bemerkt und Hans damit erhebliche Probleme beschert. Und weil Hans lange Zeit nicht aus den Hufen kommt, lässt er sich in eine ethische Grundsatzdiskussion mit Helena verwickeln, kassiert von ihr auch mal eine Backpfeife und riskiert anderweitig Kopf und Kragen. Macht wenig Sinn und fällt nicht gerade glaubwürdig aus.
Damit jedoch nicht vernachlässigt wird, wie böse die Nazis waren, schleicht der Befehlshaber Klaus ab und an durchs spärliche Gelände, sondert ein paar Weißheiten ab und exekutiert im Vorbeigehen ein paar Juden. Diesem Tunichtgut etwas vorzumachen oder im entscheidenden Moment etwas oder jemanden zu verstecken, zählt zu den wenigen Augenblicken, in denen zumindest in Ansätzen Spannung aufkommt.
Viel zu erzählen hat Coker ansonsten nicht, die Geschichte wird recht lahm vorgetragen, Action ist ohnehin nicht zu verzeichnen, sonderlich emotional gerät die Chose jedoch auch nicht. Das liegt in erster Linie an den unmotivierten Darstellern, die alles andere als überzeugend performen. Entweder sie agieren hölzern oder bekommen kaum einen glaubhaften Gesichtsausdruck hin, was die allgemeine Glaubwürdigkeit arg leiden lässt. Lediglich der Score ist um Nuancen bemüht, doch auch hier wird einige Male der Ton verfehlt und zuweilen nicht die angemessene Stimmung vermittelt.
Ziel des Briten Coker war es, einen titelgemäßen Lichtblick innerhalb der Tragödie des Völkermords zu vermitteln, was aufgrund minimalistischer Inszenierung, schwacher Mimen und unausgegorener Handlung größtenteils daneben geht. Zwischendurch spürt man, was er mit dieser oder jener Szene aussagen wollte, doch das ist meist so ungelenk verwirklicht, dass das Ganze eher einer schwachen, kaum durchdachten Theateraufführung gleicht.
3,5 von 10