Ein Kino-Franchise rund um eine erfolgreiche Romanreihe lässt sich nicht wirklich planen. Nicht nur eine Handverletzung von Hauptdarstellerin Blake Lively stoppte zwischenzeitlich die Produktion, schließlich wurde auch die Story so zusammengestaucht, dass viele Begebenheiten wie fette Handlungslücken wirken. Folgerichtig floppte der Streifen an den US-Kinokassen gnadenlos.
Nach dem tragischen Flugzeugabsturz, bei dem ihre gesamte Familie ums Leben kam, hält sich Junkie Stephanie (Lively) mit Prostitution über Wasser. Als ihr ein Journalist Beweise vorlegt, dass der Absturz ein Terrorakt war, wendet sich Stephanie an den ehemaligen MI6-Agenten Boyd (Jude Law), der sie binnen kurzer Zeit zu einer Killerin ausbildet. Das Ziel: Die Hintermänner das Attentats ausfindig machen und eliminieren…
Das Grundgerüst erinnert frappierend an Luc Bessons „Nikita“ der Anfang der Neunziger mit deutlich mehr Action um die Ecke kam als vorliegender Agentenfilm. Obgleich das Produktionsteam der letzten James-Bond-Filme involviert ist, kommt der weibliche Gegenentwurf zum Superagenten oft unfreiwillig komisch rüber. Allein die Trainingseinheiten in den Highlands, Marke „Karate Kid“, nur ohne Weißheiten, fallen oft unglaubwürdig aus, zudem gibt es keinen Grund, warum ein freiwilliger Eremit satte acht Monate in einen ihm fremden Junkie investieren sollte.
Beim Umsetzten des Racheplans wird immerhin fleißig durch die Welt getingelt, wobei sämtlichen Schauplätzen von Marseille über London, Madrid hin zu New York und Bulgarien etwas Trostloses anhaftet, was zumindest mit der Lebensauffassung der Protagonistin einhergeht. Jene wechselt die Perücken so häufig wie den Aufenthaltsort, doch spannend gestaltet sich die Schnitzeljagd nicht, zumal ihr die Schnitzel auf dem Silbertablett serviert werden und jede Recherche erübrigen. Das Abklappern diverser Opfer wirkt dadurch recht beliebig, während lediglich eine schnittige Autoverfolgung über schmale Gassen und ein kurzer Fight für etwas Abwechslung sorgen.
Dabei kaschieren die ordentliche Präsenz und das nuancierte Spiel von Blake Lively diverse Schwachstellen, zumal sie anfangs mit viel Mut zur Hässlichkeit ans Werk geht. Jude Law absolviert Dienst nach Vorschrift und bleibt vergleichsweise blass, gleiches gilt für Richard Brake als einer der Drahtzieher. Der Score, produziert von Hans Zimmer und deutlich dessen akustische Handschrift tragend, zählt eindeutig zu den besseren Zutaten des ansonsten allenfalls durchschnittlichen Werkes.
Der überraschungsarme, selten spannende Plot kommt unterm Strich nicht über Dutzendware hinaus. Diverse Handlungssprünge sind kaum logisch nachvollziehbar, während die Entwicklung der Hauptfigur weder Emotionen schürt, noch einen sonstigen markanten Eindruck hinterlässt. Ein mauer Agentenfilm, der trotz ordentlicher Optik zu keiner Zeit mitzureißen vermag.
4 von 10