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Der hierzulande eher unbekannte Regisseur Tyler Perry, in den USA überaus populär aufgrund einiger Comedy, versucht sich erstmals in dem komplett ernsten Fach eines Justizdramas. Das von ihm verfasste Drehbuch konzentriert sich zwar gekonnt auf das Zusammenspiel der Figuren, doch der eigentliche Fall gibt letztlich wenig her.

Anwältin Jasmine (Bresha Webb) wird als Pflichtverteidigerin zu einem Mordfall beordert, der scheinbar klar auf der Hand liegt, da die Angeklagte Grace (Crystal Fox) sich bereits für schuldig am Tod ihres Mannes Shannon (Mehcad Brooks) erklärte. Doch anstatt einen Deal mit der Staatsanwaltschaft auszuhandeln, geht Jasmine den Weg des Gerichtsverfahrens, zumal es noch nicht einmal eine Leiche gibt…

Der doppeldeutige Titel, - er bezieht sich einerseits auf die Angeklagte und ihrem nicht nur emotionalen Niedergang und könnte andererseits mit „in Ungnade fallen“ übersetzt werden, umfasst recht treffend, worauf der Stoff primär abzielt. Es ist weniger ein juristisch-kriminalistisches Puzzle, als eine persönliche Tragödie, nicht nur bezogen auf Grace.
Denn Jasmine ist komplett unerfahren, stand als Anwältin noch nie vor Gericht und wird von ihrem Kanzleichef (Perry in einer Nebenrolle) unter Druck gesetzt, da der Medienrummel um den Fall enorm ist und der Ruf der Kanzlei deutlich leiden könnte.

So gestaltet sich das Aufrollen des Falls über weite Strecken als Romanze, die in Rückblenden erzählt, wie die deutlich ältere Grace Kontakt zu dem charmanten Shannon knüpfte. Bis es irgendwann zum Bruch kommt, was ein weiteres, sehr klares Indiz für die vermeintliche Schuld der Angeklagten liefert.
Leider wird man im Verlauf mit nur wenigen Zeugen konfrontiert, gleichwohl gibt es nur wenige Spuren und kaum Möglichkeiten für genauere Untersuchungen oder Nachforschungen.
Eher tritt Kommissar Zufall in der letzten Viertelstunde auf den Plan. Obgleich einige Twists erahnbar ausfallen, gestalten sich die Schlussminuten doch recht konstruiert und hanebüchen.

Da sich der Justizkrimi in erster Linie um seine Figuren kümmert, können diesbezüglich zumindest die Mimen mit einiger Präsenz und nuanciertem Spiel punkten. Speziell bei diversen Entwicklungen stechen Webb als anfänglich unmotivierte, später kämpferische Anwältin und Fox als zeitweise überglücklich Verliebte, bis hin zur am Boden zerstörten Angeklagten positiv hervor. Aber auch Phylicia Rashad, die Jahrzehnte nach „Die Bill Cosby Show“ erneut von Marianne Groß synchronisiert wird, vermag in einer nicht unbedeutenden Nebenrolle zu überzeugen.

Der Rest befindet sich handwerklich auf solidem TV-Niveau, einschließlich routinierter Kamera und passablen Score. Erzählerisch entstehen indes immer mal wieder kleine Längen innerhalb der doch etwas zu ausladenden 121 Minuten und Freunde des Miträtselns werden lediglich geringfügig gefordert, wodurch in Sachen Suspense auf Sparflamme gekocht wird.
Der mit tauglichen Figurenzeichnungen ausgestattete Fall entwickelt nie die Finesse, die mit cleveren Schachzügen und unerwarteten Wendungen zuwerke geht, insofern kommt er trotz guter Darsteller nicht übers Mittelmaß hinaus.
5,5 von 10

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